Methodendiskussion

Wie die Verbände den Streit um Civey versachlichen wollen

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In Mannheim bei der GESIS wurden vergangene Woche auf einem nicht öffentlichen Symposium Chancen und Grenzen von River-Sampling diskutiert. Zu sehen war kein Schlagabtausch zwischen Vertretern verschiedener Lager, sondern Teilnehmer sprechen von einem guten Schritt im Richtung eines sachlichen Dialogs.

Die Veranstaltung sollte vor allem Ruhe in eine aufgeregte und bisweilen polemische Diskussion bringen, die seit einem Jahr insbesondere durch Forsa und einen anonymen Twitter-Account namens Civey-Watch immer wieder befeuert wird: Kann eine Erhebungsmethode – für die derzeit insbesondere das Berliner Unternehmen Civey steht –, das River Sampling, zu repräsentativen Ergebnissen führen? Kann man damit Aussagen machen, die für die gesamte Bevölkerung zutreffen? Zuletzt wurde die unglückliche, unsachliche Situation mit ihren Auswüchsen von der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem ganzseitigen Artikel ausführlich dargestellt (Zeit Online Beitrag "Kampf der Torten" im geschlossenen Bereich). Bekannt ist, dass sich Vertreter von Instituten gegenüberstehen – hier die Alteingesessenen, dort das junge Startup –, aber in der Branche ist klar: eigentlich geht es um die Frage Zufallsstichprobe oder River-Sampling? Oder vielleicht noch größer: Mit welcher Erhebungsmethode kann ich „wahre“ Ergebnisse erzielen?



Und dies war auch das Ansinnen der Veranstalter ADM, ASI, DGOF und GESIS: Eine sachliche Auseinandersetzung mit der Methode River Sampling, mit Erhebungsmethoden insgesamt. Dafür trafen sich rund 40 Vertreter von Universitäten – zahlreiche Lehrstühle forschen an dem Thema – und von den Verbänden und einigen Instituten. Gastgeber war die GESIS in Mannheim. Zuvorderst gehörte dazu, Transparenz in die tatsächliche Vorgehensweise von Civey zu bringen. Diese fischen zwar tatsächlich ihre Probanden im Internet aus Besuchern einer Handvoll Internetseiten, qualifizieren diese allerdings hinterher und verwerfen sehr viel „Beifang“, so zum Beispiel auch die ersten Fragen, mit denen man die Teilnehmer geködert hat.

Eines steht fest: Nicht alle wurden überzeugt an diesem Tag, nicht alle Winkel der Methode wurden durchleuchtet.


Es war „eine sehr gute Fortsetzung des Dialogs“, so das Resümee von Alexandra Wachenfeld, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DGOF. Die Methode River Sampling sei ja nicht neu, aber die Möglichkeiten haben sich durch die Digitalisierung sehr verändert – dazu zählen auch technische Herausforderungen wie das Erkennen und ausschließen von Bots. Das müsse man sich genau ansehen und Chancen wie Herausforderungen betrachten. „Die technische Umfragelandschaft verändert sich ebenso wie das Kommunikationsverhalten der Menschen – deswegen ist uns der Diskurs zu den Methoden sehr wichtig und wir werden ihn auch im März auf der GOR fortführen“, sagt Wachenfeld und berichtet, dass die DGOF sich die Weiterentwicklung von Qualitätsstandards in der Onlineforschung insgesamt als Aufgabe vorgenommen habe und dabei mit verschiedenen wissenschaftlichen Lehrstühlen zusammenarbeite.

Auch Bettina Klumpe, Geschäftsführerin des ADM, bewertet den Diskurs positiv und sieht das Ziel „miteinander zu reden und einander zu verstehen“ als erfüllt. „Dies war ein erster Schritt, aber es wird nicht der letzte sein“, ergänzt sie. Der ADM will die Sache gründlich und umfassend angehen: Geplant ist eine große Studie, die alle Erhebungsmethoden, Face-to-Face, CATI, Online in allen Ausprägungen, also auch River Sampling, untersuchen will. Den Ansatz stellte Infas-Chef Menno Smid für den ADM auf dem Symposium vor. In den kommenden Wochen will der ADM für dieses Vorhaben werben.

Janina Mütze, Geschäftsführerin von Civey, zieht ebenfalls eine positive Bilanz: „Die Veranstaltung hat allen Beteiligten Raum gegeben, ehrlich und sachlich über Vor- und Nachteile verschiedener Methoden zu sprechen. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch mit Wissenschaft und Branche.“

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