Frank Antwerpes diskutiert mit Experten beim DocCheck-Event MedMen
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Frank Antwerpes diskutiert mit Experten beim DocCheck-Event MedMen
Das Online-Portal DocCheck hat in Mannheim die halbtägige Veranstaltung MedMen zur Marktforschung im Gesundheitssektor durchgeführt. Big Data, Influencer, Blogger und die DSGVO waren ebenfalls Thema. Apnoe-Taucher als Keynote-Speaker.

Auge in Auge mit einem riesigen Buckelwal kam das Herz des Weltmeisters ins Stottern. Normalerweise geht der österreichische Apnoe-Taucher Christian Redl komplikationsfrei auf Tauchgang, vornehmlich in herausfordernden Gegenden, etwa am Nordpol oder auf 6000 Meter Höhe, allerdings nie ohne Arzt. Seine unterhaltsame Keynote war Schluss- und Höhepunkt einer vierstündigen Veranstaltung zur Marktforschung im Gesundheitswesen, dem sogenannten MedMen unter dem Motto „Auf Tauchstation“.



Eingeladen hatte DocCheck, ein Online-Portal für Ärzte und medizinische oder pharmazeutische Fachkräfte mit zahlreichen Services, unter anderem auch einem eigenen Marktforschungsinstitut, DocCheck Research. MedMen fand zum 5. Mal statt und während in den vergangenen Jahren hauptsächlich Kommunikationsthemen auf dem Programm standen, ging es in diesem Jahr in vier parallelen Sessions im Speicher 7 in Mannheim um Marktforschung.

Das Motto der Veranstaltung wurde konsequent verfolgt. So hieß die Session zu Big Data „Im Rausch der Tiefe“. Hier kam unter anderem Otto Hellwig von Respondi zu Wort und schilderte wie man am besten Verhaltensdaten – erfasst durch Metering – mit Befragungsdaten kombiniert. So können die objektiven, sachbezogenen, gemessenen Informationen die persönlichen, subjektiven Auskünfte ergänzen und dadurch eine größere Tiefe erreichen. „Spurenlesen am digitalen Meeresgrund“, so der Titel der Session. Carina Walter von Böhringer Ingelheim stellte sich hingegen die Frage, ob „Tauchen auch im Wasserglas“ möglich sei.


Der Track „Mitten im Schwarm“ zeigte vier Beispiele zum Thema Collaboration und Co-Creation. Jan Theisinger von Janssen-Cilag beschrieb etwa wie das Unternehmen mit Ärzten Gruppenarbeit durchführt und dabei auch digitale Techniken einsetzt. Matthias Reisemann und Katharina van Bochove vom Spiegel Institut sprachen über die Potenziale der Co-Creation in der Marktforschung.
Otto Hellwig von Respondi spricht über Spurenlesen am digitalen Meeresgrund
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Otto Hellwig von Respondi spricht über Spurenlesen am digitalen Meeresgrund

„Schwimmen mit dem Strom“ hieß die Session zu Influencern. Matthias Aizetmüller von dem Blog Fitmedmary berichtet über eine Studie zu Ärzten auf Instagramm. Weitere Bloggerinnen kamen hier zu Wort.

Bei „Frischwasser“ ging es hingegen weitesgehend um klassisch Marktforschung. Oliver Tabino von der Q Agentur für Forschung erlaubte Einblicke in den Ozean voller Insights. Der Social-Media-Experte erklärte, dass Monitoring der sozialen Netzwerke zwar wichtig sei, aber keinesfalls Insights oder gar Empfehlungen liefern könne. Auch dieser Ozean sei voller Müll, berichtet Tabino, der erst einmal herausgefischt werden müsse. Henner Förstel von Manufacts aus Köln zeigt auf, wie agile Marktforschung in der Praxis aussehen kann. Viele möchten sich mit dem Schlagwort gerne schmücken. Aber Agilität sei auch ganz eng mit der Freiheit zu Entscheidungen verknüpft. Wenn der Geschäftsführer sein Veto einlegt, dann sind auch die noch so agil entstandenen Ideen für neuen Produkte oder Services vergebens.

Marcus Stumpf von der Hochschule FOM zeigt wie Neuromarketing funktioniert und Anja Wenke, die Geschäftsführerin von DocCheck Research berichtet von ersten Versuchen Marktforschung mit Chatbots und Gamification zu betreiben. So wurden beispielsweise Ärzte auf der Online-Plattform mit einer Koffer-Pack-Übung gefragt, was sie auf ihre Reise an Medikamenten mitnehmen würden. Denkbar sind auch Empfehlungen für die Erstausstattung einer Praxis. Die Chatbots können einen Moderator in einem Online-Forum vielleicht nicht ersetzen, ihm aber zumindest hilfreich zur Seite stehen.
Im Speicher 7 in Mannheim beim MedMen von DocCheck
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Im Speicher 7 in Mannheim beim MedMen von DocCheck
Für alle wichtig, und deshalb im Plenum diskutiert ist der Datenschutz und die Auseinandersetzung mit der Datenschutz-Grundverordnung. Frank Antwerpes, Vorstandsvorsitzender von DocCheck, sprach mit Experten aus der Gesundheitsbranche. Anonymität, Pseudonyme, Einwilligung … Die ganze Klaviatur der DSGVO gilt natürlich und vielleicht sogar verschärft für alle erhobenen Daten rund um Medizin und Gesundheit. „Man sitzt auf einer Goldkiste, darf aber den Deckel nicht öffnen. Da juckt es einen in den Fingern“ war ein Statement in der Runde. Insgesamt was der MedMen also ein sehr kompakter runder Einblick in das Thema Marktforschung im Gesundheitskontext.

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