Marktforschungsmesse in München

Ein Klassentreffen nach sehr langen Sommerferien

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Die Messe Succeet tritt als Nachfolger der Research&Results an. Am selben Ort und zur gleichen Jahreszeit stehen die Tore des MUC in München wieder für die Marktforscher offen. Mit rund 80 Ausstellern und detaillierten Hygiene-Regeln kommt der erste Tag wesentlich entspannter daher als die letzte Präsenzmesse in München im Jahr 2019 in Erinnerung ist.

„Es ist wie der erste Schultag nach den langen Ferien. Alle sind sehr aufgeregt, aber es wird kaum gearbeitet“, so fasst ein Aussteller die Situation am Ende des ersten Tages der Messe in München zusammen. Zunächst einmal überwiegt die Freude, sich mal wieder zu sehen und abseits von Videotalks ein paar Worte sprechen zu können. Für viele ist dies die erste Gelegenheit seit zwei Jahren. Klar, es ist nicht so eng, wie man es in Erinnerung hat. Die Gänge sind wesentlich breiter, gefühlt auch die Abstände zwischen den Ständen. Und dann sind da natürlich die Masken in den Gesichtern. Aber daran ist man ja schon gewöhnt und das Hygienekonzept auf der Veranstaltung ist wirklich vorbildlich. Die Aussteller sind entsprechend gebrieft und geben die Regeln an die Besucher weiter. Das Gros der Besucher dürfte sich hier sicher gefühlt haben.

Wer ist da und wer wird vermisst?

Klar, bei nur 80 Ausstellern wird der eine oder andere vermisst. Von den Großen fehlen die GfK und die GIM. Beide hatten sich aber bereits vor der Pandemie entschieden, der Messe erstmal fernzubleiben. Vertreter der Unternehmen wurden als Besucher allerdings in den Gängen gesehen. Auch einige, die auf dem virtuellen Ableger der Succeet dabei waren, mochten nicht in Präsenz erscheinen. Die Aussteller, die da waren, haben gewohnt hohe Man- und Womanpower an den Ständen und freuen sich über die Besucher, die wie gewohnt vor allem nach den Vortragsslots zu den Ständen kommen. Wie ist die Frequenz? Manche sind positiv überrascht, andere enttäuscht. Die Anzahl der anwesenden betrieblichen Marktforscher dürfte überschaubar sein. Da fehlen manchem Institut die erwarteten Kundengespräche. Viele Aussteller sind hingegen Dienstleister und Panel-Anbieter, Studio-Betreiber oder Technikanbieter. Deren Kunden waren zahlreicher vertreten.

In einer speziellen Startup-Area sind einige junge Unternehmen – Murmuras, Deepsight, Oculid – mit dabei. Auch Caplena und Civey haben erstmals einen Stand. Letztere scheinen damit in der Branche angekommen: Ende November wird Civey als neues Mitglied des ADM in einer geschlossenen Veranstaltung seine Vorgehensweise vorstellen.

Was wird gesprochen?

Natürlich sind die Vorgänge in Österreich Thema auf der Messe. Der Verdacht, dass politische Parteien Meinungsforschung und deren Ergebnisse in Auftrag geben konnten, steht im Raum. Eine der verdächtigten Forscherinnen war übrigens am Gemeinschaftsstand des VMÖ eingeplant, ist jedoch (verständlicherweise) nicht erschienen. Außerdem für manche unverständlich: Der Rauswurf des von Wolfgang Bachmayer geführten OGM-Instituts durch den österreichischen Verband der Markt- und Meinungsforschungsinstitute (VdMI), weil er sich nicht an die Regel gehalten hat, dass die Sonntagsfrage nur in Mixed-Mode und nicht ausschließlich als Online-Erhebung durchgeführt werden darf. Dies wird noch weiterhin zu diskutieren sein.

Personalmangel ist ein großes Thema auf der Messe und wird von vielen Gesprächspartnern thematisiert. Da die Branche doch erstaunlich gut durch die Pandemie gekommen ist – wirklich Federn lassen mussten lediglich die Studiobetreiber – fehlen Nachwuchskräfte.

Was gibt es Neues?

Messen werden traditionell zum Anlass genommen, um Neuigkeiten zu verkünden. Zwei Beispiele:

  • Quantilope publiziert gleich zwei News an diesem Tag. Neben der kürzlich angekündigten Lösung für qualitative Forschung wird nun auch eine automatisierte Lösung für die bedürfnisorientierte Zielgruppen-Segmentierung angekündigt. Eine zweite Pressemitteilung berichtet über einen gemeinsamen Brandtracker mit Statista.
  • Am Stand von Point Blank gab es sinnliche Erlebnisse mit Virtual Reality. Das Berliner Institut will VR-Brillen zur Forschung, aber vor allem auch zur Ergebnis-Präsentation für interne Stakeholder nutzen. Am Stand konnten sich Besucher eine Tour durch das Berliner Studio und einen virtuellen Wald ansehen. Die Kraft der Immersion ist immer wieder erstaunlich.
    Mit VR-Brille wurde dieser Wald erstaunlich lebendig und der Betrachter stand scheinbar mittendrin.
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    Mit VR-Brille wurde dieser Wald erstaunlich lebendig und der Betrachter stand scheinbar mittendrin.

Was war kurios?

Was immer mal wieder vorkommt: Stände sind fertig aufgebaut, aber es gibt kein Standpersonal. Bei Lucid war zwar die gesamte Mannschaft versammelt, die Ausstattung des Standes jedoch war im Eurotunnel aus Großbritannien stecken geblieben. Man nahm es mit Humor. Kommunikation funktioniert auch am White-Label-Stand. Wichtig sind ja die Menschen.

Der Eindruck: verhaltener Optimismus

Der Neustart einer Messe für die Marktforschungsbranche war von den Ausstellern gewollt und sie sind bewusst in Vorleistung getreten. Ob die Erwartungen bezüglich neuer Kundenkontakte erfüllt werden können, wird von manchem Aussteller am Ende des ersten Tages noch bezweifelt. Was auf jeden Fall gelungen ist: Man hat sich gesehen und getroffen und sieht positiv in die Mafo-Zukunft.

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