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Marktforschung in Zeiten von Corona

"Gerade in Krisenzeiten brauchen wir belastbare Daten"

Arbeitskreis Markt- und Sozialforschung ADM weist auf die gesellschaftliche Bedeutung von Markt- und Sozialforschung hin. Aufruf zur Solidarität innerhalb der Branche. Nicht jede Studie muss abgesagt werden. Außerdem spricht der ADM Empfehlungen aus, wie die Arbeit auch in Zeiten von Corona weitergehen kann. 
von Sabine Hedewig-Mohr Donnerstag, 19. März 2020
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Der Verband spricht Empfehlungen aus, wie sich die Branche angesichts der steigenden Anzahl von Infektionen mit dem Coronavirus SARS CoV 2 verhalten soll.



Bei allen empfohlenen Einschränkungen betont der ADM aber auch die gesellschaftlihe Bedeutung von Markt- und Sozialforschung gerade in Krisenzeiten. Belastbare und objektive Daten seien als Orientierung und Entscheidungsgrundlage für Politik und Wirtschaft sehr wichtig. "Die Unternehmen unserer Branche besitzen das richtige Handwerkszeug, um Politik und Wirtschaft hierbei zu unterstützen“, so Bernd Wachter, Vorstandsvorsitzender des ADM.
„Als Gesellschaft haben wir gerade große Schwierigkeiten, einen kühlen Kopf und einen klaren Blick zu bewahren, weil jede und jeder von uns von der Krise betroffen ist. Panikmache und Fake News dürfen jetzt jedoch nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Deshalb sind belastbare und objektive Daten als Orientierung und Entscheidungsgrundlage für Politik und Wirtschaft gerade jetzt sehr wichtig. Das gilt nicht nur für die medizinische und epidemiologische Seite des Problems, sondern auch für die gesellschaftliche. Die Unternehmen unserer Branche besitzen das richtige Handwerkszeug, um Politik und Wirtschaft hierbei zu unterstützen.“
ADM-Vorstandsvorsitzender Bernd Wachter

Unterstützung der Bevölkerung ist notwendig

Um die Meinung und Bedürfnisse der Bevölkerung richtig abzubilden sei es natürlich wichtig, dass die Menschen auch angesichts der momentanen Situation bereit sind an Befragungen teilzunehmen. Deshalb appelliert der ADM an alle Bürger des Landes: "Beteiligen Sie sich auch jetzt an Umfragen, damit die erhobenen Ergebnisse tatsächlich korrekt sind und das Meinungsbild der gesamten Bevölkerung widerspiegeln!" Nur so könne Markt- und Sozialforschung ein verlässlicher Kompass durch die Krise sein.


Neben dieser Bitte geht auch ein Appell an die Branche zu gegenseitiger Solidarität, um die finanziellen Auswirkungen für alle Beteiligten zu minimieren. „Prüfen Sie bilateral, welche Projekte in welchem Umfang doch durchgeführt werden können bzw. ob andere Methoden, wie z.B. telefonische oder online-Befragungen genutzt werden können“, fordert der Verband seine Mitglieder und die ganze Branche auf. Ganz konkret fordert er Kunden auf: „Überlegen Sie, ob zur Vermeidung von Zahlungsschwierigkeiten Teile von Projektkosten auch gezahlt werden können, wenn die Leistung noch nicht erbracht werden konnte.“

Konkrete Empfehlungen für die tägliche Arbeit

 Auf seiner Webseite hat der Verband bereits seit einigen Tagen konkrete Vorschläge gemacht. Dazu gehört die Empfehlung an die Mitglieder auf Face-to-Face-Interviews zu verzichten. Empfohlen wird gemeinsam mit den Kunden zu prüfen, ob die Interviews verschoben, telefonisch oder mit einem Online Panel durchgeführt werden können. Außerdem wird vom ADM vorgeschlagen:

  • Homeoffice für Mitarbeiter, wenn möglich
  • Audio- oder Videokonferenzen statt Meetings.
  • Prüfen, ob die Mitarbeiter im CATI-Feld von zu Hause aus (remote) arbeiten können. Sollte dies nicht möglich sein, 2 Meter Abstand zwischen den Arbeitsplätzen für Interviewer und individuelle Headsets und Tastaturen, di regelmäßig desinfiziert werden.
  • Keine Face2-Face-Interiews
  • Fokusgruppen oder qualitative Einzelinterviews auf Online-Fokusgruppen oder auf Audio- oder Videokonferenz-Befragungen umstellen.
Schließlich verweist der Verband auf die staatlichen Möglichkeiten Kurzarbeitergeld oder andere finanzielle Hilfen zu beantragen.
„Was wir jetzt brauchen, ist Solidarität und Verantwortungsbewusstsein bei allen Branchenteilnehmer*innen und Kunden. Die aktuell notwendigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben natürlich auch finanzielle Auswirkungen auf Unternehmen der Markt- und Sozialforschung. Damit diese nicht überlebensgefährdend werden, bitten wir alle Beteiligten um gegenseitige Hilfe und Solidarität. Prüfen Sie bilateral, welche Projekte in welchem Umfangdurchgeführt werden können bzw. ob Sie auf andere Methoden, wie z. B. telefonische oder online-Befragungen ausweichen können. Überlegen Sie, ob zur Vermeidung von Zahlungsschwierigkeiten Teile von Projektkosten auch gezahlt werden können, wenn die Leistung noch nicht erbracht werden konnte. Kurz: Helfen Sie bitte einander, gut durch die nächsten Wochen zu kommen.“
Bettina Klumpe, Geschäftsführerin ADM
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