Marktforschung für FMCG und Handel

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© Pixabay
Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine wirken sich auf das Preisniveau aus. Vor allem in der FMCG-Branche sind Daten über Produkte sehr gefragt. Das Ziel: Die Geschehnisse im Markt zu überblicken und auch die Konkurrenz etwas transparenter zu machen. planung&analyse wollten nun wissen, wie Daltix arbeitet und welchen Mehrwert das Unternehmen für die Branche hat.

Erst 25 Jahre alt, hatte der Belgier Jonas Deprez die Idee aus der Fülle an Einzelhandelsdaten ein Produkt zu bauen, das sowohl Händlern als auch Anbietern von schnelllebigen Konsumgütern (FMCG) Zusatznutzen verschafft. Selbst bei stationären Händlern gibt es mittlerweile auch im Netz einen Überblick über Angebot und Preise aller Produkte. Diese Daten sammelt Daltix und bereitet eine Übersicht über das Preisgefüge vor. Dieses Produkt verschafft Händlern wie Herstellern mehr Transparenz über die Konkurrenzsituation.

Der Prozess beginnt mit der Datenerfassung von Online-Webshops in sechs Ländern. Das geschieht täglich, so dass die Kunden aktuelle Daten erhalten. Daltix erfasst jede Woche rund 100 Millionen Daten. Im vergangenen Jahr waren 80 Webshops in die Analyse der Daten eingebunden. Dabei werden Einzelhandelsdaten über Webscraping gesammelt und mit Daten von Feldteams kombiniert.


In Belgien schuf Deprez ein Unternehmen, dass mittlerweile Büros in Gent, Antwerpen, Brüssel und Lissabon betreibt und 30 Mitarbeitende beschäftigt. Kürzlich startete Daltix mit einer Dependance in Deutschland. Claus Unterkircher betreut hierzulande das Geschäft.


Im Gespräch mit ihm erfuhren wir, dass - falls gewünscht - Daten auch händisch von Menschen, die in die Läden gehen, gesammelt und Produkt- und Preisinformationen aus physischen Geschäften erhoben oder gescannt werden können. Außerdem erhoben werden Sonderangebote und Promotions aller Art.

Daltix arbeitet an dieser Stelle mit Partnerunternehmen zusammen, die Teams in die Geschäfte schicken und so werden zirka einmal pro Woche die Online-Daten mit Offline-Daten angereichert. Bei den Datenerhebungen vor Ort wird unterschieden in die Betrachtung einzelner Produkte und komplette In-Store-Scans, die mit den Unternehmen abgesprochen sind. Alle Daten, die gesammelt werden, sind öffentliche Informationen. Die gesammelten Daten müssen verarbeitet, modelliert und bereinigt werden.

Wie werden die Daten verarbeitet?

Die Bereinigung der Daten ist entscheidend. Jedem Produkt wird eine eindeutige Kennung zugewiesen, um die Datenverknüpfung sicherzustellen. Die Daten werden so strukturiert, dass die Kunden sie leicht mit ihren eigenen Daten kombinieren können. Daltix sichert zu, täglich eine Vielzahl von Qualitätssicherungsprüfungen durchzuführen, um Fehler zu erkennen. Algorithmen sollen dabei Anomalien erkennen.

Welche Fragen können mit den Daten beantwortet werden?

Einzelhändler nutzen die Daten zum Abgleich ihrer eigenen Analysetools. FMCG-Kunden erkennen mit dem Tool Preisstellungen verschiedener Händler und das Produktangebot des Wettbewerbers. Außerdem können die Daten Aufschluss darüber geben, ob die Läden eines Einzelhändlers Promotions korrekt durchführen oder welche Promotions die Konkurrenz im Vergleich zu den eigenen durchführt. Die Kunden können Produktinformationen analysieren, z. B. Nährwertangaben oder das Gewicht des Produkts im Verhältnis zum Preis, um nur einige Aspekte zu nennen. Die Daten können vor allem wichtige Fragen beantworten, wie die Überprüfung von Preisstrategien, die sich auf Gewinnspannen und Marktanteile auswirken. Margen und Marktanteile sind die wichtigsten Leistungsindizes für den Einzelhandel.

Daltix nennt für sein Tool folgende Anwendungsfälle:

  • Preise vergleichen sowohl als Händler als auch als Hersteller. Eine historische Abbildung ist möglich, beispielsweise wie sich die Preise einzelner Produkte mit der Zeit entwickelt haben.
  • Produktmatching, um die richtigen Produkte und Produktgruppen miteinander zu vergleichen - für Markenprodukte aber auch Handelsmarken.
  • Preis- und Promodaten können mit den eigenen Verkaufszahlen verknüpft werden.
  • Überblick über das Angebot auf dem Markt erlangen, um Produktgruppen zu optimieren und um zu erfahren, wie sich die Kategorien und Produkte am Markt von denen des Wettbewerbs unterscheiden.
  • Einsicht in die Zutaten und Nutriscores anderer Produkte: Verändert sich beispielsweise etwas an der Zusammensetzung der Zutaten?
  • Möglichkeit regionale Preise zu vergleichen, wie zum Beispiel ob sich die Preise der gleichen Supermarktkette regional unterscheiden.



Unterkircher erklärt: „DaltixMatching ist eine von uns angebotene Webanwendung, bei der die Kunden mit unserer KI interagieren können. Dort bekommen sie Vorschläge, welche Produkte sie vergleichen sollten. Auf diese Weise halten die Kunden die Verbindungen zwischen ihrem Sortiment und dem ihrer Mitbewerber auf dem neuesten Stand und können auf Wunsch sogar White Labels vergleichen."

Gibt es einen vergleichbaren Anbieter?

Natürlich liefern auch GfK und Nielsen Daten über die FMCG-Branche, Unterkircher zufolge liegt deren Kernkompetenz jedoch nicht im Bereich online. In Belgien hat Daltix vor allem den Händler Colruyt überzeugt, der auch einen Anteil am Unternehmen hat. Unilever nutze die Datenmaschine ebenfalls, heißt es. In Deutschland haben sich einzelne Händler eine ähnliche Kompetenz aufgebaut, diese werden jedoch in der Regel nur wöchentlich oder monatlich aufgestellt. Unterkircher merkt an, dass die Preistransparenz ebenfalls für Drogeriemärkte verfügbar sei, und kündigt an, zukünftig auch Lieferapps wie Flink und Gorillas mit untersuchen zu wollen. Daltix stößt auch an Grenzen sobald ein Login benötigt wird und die Produktdaten nicht mehr frei verfügbar sind, wie beispielsweise bei Metro.

Was man noch so wissen sollte:

GfK gab im Oktober 2021 eine Partnerschaft mit Daltix bekannt und nutzt seit Anfang 2022 die Promotionsdaten, um die Auswirkungen von Angeboten auf das tatsächliche Kaufverhalten und dessen Entwicklung zu untersuchen. Mit diesen angereicherten Daten können spezifische Fragestellungen ad hoc beantwortet werden.

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