Mannheimer Corona-Studie

Wie das Leben der Deutschen im Ausnahmezustand aussieht

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Das Corona-Virus bewegt die Welt und hat bereits jetzt tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Welche das sind und wie die Deutschen auf neue Entwicklungen, politische Maßnahmen und Co reagieren, beleuchtet die Corona-Studie der Universität Mannheim, die über einen Zeitraum von sechs Wochen laufen soll.
Das repräsentative German Internet Panel (GIP) an der Universität Mannheim befragt die 4.000 Teilnehmer in Deutschland jetzt auch zum Thema Corona. Untersucht werden dort regelmäßig individuelle Einstellungen und Präferenzen, die in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen relevant sind, heißt es auf der Homepage der Universität. Dias Panel wird vor allem für die wissenschaftliche und Sozial-Forschung genutzt.


Da die GIP-Teilnehmer seit mindestens 18 Monaten regelmäßig an den Befragungen teilnehmen, lässt sich gut ein Vergleich des Lebens in Deutschland vor und während Corona aufstellen. Über sechs Wochen sollen GIP-Teilnehmer nun täglich Fragen zu den sozialen und wirtschaftlichen Aspekten des Virus, ihren Ängsten, dem Einfluss politischer Maßnahmen auf das Zusammenleben sowie deren Akzeptanz beantworten. Die erste Befragung der Corona-Studie, die den Zusatztitel „Das Leben in Deutschland im Ausnahmezustand“ trägt, fand am 20. März statt. 

Schutzmaßnahmen treffen auf Zustimmung

Die aktuellen Ergebnisse vom 30. März zeigen, was auch schon die Daten vom 26. März suggerierten: Die allermeisten Deutschen befürworten von der Politik angeordnete Bewältigungsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus. So sprechen sich 95 Prozent für das Veranstaltungsverbot aus, 94 Prozent für die Schließung öffentlicher Einrichtungen und 89 Prozent für Grenzschließungen. 45 Prozent würden sogar eine komplette Ausgangssperre akzeptieren, und 26 Prozent die Einstellung des Nah- und Fernverkehrs. Nur knapp ein Prozent unterstützt keine der Maßnahmen.
Die allermeisten Befragten akzeptieren die aktuellen, von der Politik angeordneten Schutzmaßnahmen. Fast die Hälfte würde eine Ausgangssperre und ein Viertel die Einstellung des Nah- und Fernverkehrs befürworten.
© Universität Mannheim
Die allermeisten Befragten akzeptieren die aktuellen, von der Politik angeordneten Schutzmaßnahmen. Fast die Hälfte würde eine Ausgangssperre und ein Viertel die Einstellung des Nah- und Fernverkehrs befürworten.
Nicht nur das Freizeitverhalten der Deutschen wird von diesen Maßnahmen beeinflusst, sondern auch die Arbeitswelt. Zwar arbeitet immer noch mehr als die Hälfte, nämlich 53 Prozent der Befragten, zurzeit noch regulär vor Ort, aber auch im Home-Office sind aktuell immerhin 27 Prozent beschäftigt. Am 26. März waren das noch 24 Prozent. Fünf Prozent der Befragten befinden sich in Kurzarbeit, neun Prozent sind mit Lohn freigestellt und fünf Prozent ohne. Diejenigen, die im Home-Office arbeiten und zu betreuende Kinder und Jugendliche haben, sehen sich durch Corona oft mit einer Doppelbelastung konfrontiert, denn 88 Prozent der Betreuung wird von Personen aus dem Haushalt übernommen; neun Prozent der Kinder und Jugendlichen verbringen den Tag ohne Betreuung. Maßnahmen wie Notfallbetreuung oder Betreuung durch nicht im Haushalt lebende Personen werden dagegen kaum in Anspruch genommen.

Angstempfinden bleibt weitestgehend konstant

Und wie steht es mit der Angst in Zeiten der Pandemie? Das Angstempfinden wird anhand einer Skala von 5 bis 20 gemessen und bleibt relativ konstant bei einem Indexwert von 10. Je größer der Wert, so die Forscher, desto eher beschreiben die Befragten ihren Gefühlszustand am Tag der Befragung als aufgeregt, besorgt, beunruhigt, nervös oder angespannt. Auch die empfundene Bedrohung des Virus für den Einzelnen bleibt relativ konstant bei einem Wert unter 25 auf einer Skala von 0 bis 100. Das subjektive Ansteckungsrisiko liegt aktuell ungefähr beim Indexwert 50, ebenfalls auf einer Skala von 0 (kein Risiko sich anzustecken) bis 100 (sichere Ansteckung).
Im bisherigen Betrachtungszeitraum bleibt das Angstempfinden der Deutschen relativ konstant.
© Universität Mannheim
Im bisherigen Betrachtungszeitraum bleibt das Angstempfinden der Deutschen relativ konstant.
Es bleibt abzuwarten, wie sich etwaige politische Entscheidungen und die weitere Ausbreitung des Virus auf das Leben der Deutschen auswirken und zu welchen Erkenntnissen die Mannheimer Corona-Studie in den kommenden Wochen kommt. planung&analyse hält Sie hierzu auf dem Laufenden.

Zum Bericht zur Lage vom 20. März bis 30. März 2020>>
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