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The Power of Curation

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Bringt Ordnung ins Datenchaos: Der Daten-Kurator
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Bringt Ordnung ins Datenchaos: Der Daten-Kurator
Daten-Kuration ist ein Ansatz, der Daten und Informationen im Unternehmen zusammenträgt und hilft, sie für konkrete unternehmerische Maßnahmen nutzbar zu machen. Ipsos hat Lösungen entwickelt, die einen Insight-Kurator ins Spiel bringen und helfen sollen, Übersicht in der zunehmenden Informationsflut herzustellen. Kay-Volker Koschel und Hans-Jürgen Frieß von Ipsos erklären, wie das gehen kann.
Der Beruf des Kurators liegt im Trend. Nicht nur Museen, Ausstellungen oder Filmfestivals werden kuratiert, neuerdings auch Magazine, Modeschauen und Social-Media-Inhalte. Selbst Lifestyle und Konsum können mittlerweile individuell von Style- und Designberatern kuratiert werden. Warum also nicht auch Daten, Informationen, Insights und Ergebnisse sonstiger, relevanter empirischer Forschungen kuratieren? Angesichts von Big Data und der ständig wachsenden „Informationsflut“ stehen Unternehmen hier vor riesigen Herausforderungen.


Das Wort Kurator stammt aus dem Lateinischen: curator („Pfleger“) und curare („Sorge tragen“, „sorgen um“). Zu den klassischen Aufgaben eines Kurators für Ausstellungen und in Museen gehören zum Beispiel die Auswahl, die Anschaffung und die (Neu-)Inszenierung von Kunstwerken. Nicht zuletzt werden durch die Kuration neue Einblicke, Zusammenhänge und konkrete Mehrwerte für Austeller und Besucher hergestellt.
Was ist Insight-Kuration?
  • Synthese von Informationen und Learnings
  • Bewertung der Aktualität und Relevanz von Informationen
  • Auswahl und Anschaffung von neuen Daten und Informationen
  • Beratung bei der Informationsspeicherung, Informationsarchitektur
  • Informationssharing bzw. Information zu relevantem Wissen transformieren

Vom Informationsmangel zum Informationsüberfluss

Vor nicht allzu langer Zeit waren Informationen in der Wirtschaft noch ein knappes Gut. In vielen Unternehmen herrschte Informationsmangel und Entscheidungen konnten aufgrund der übersichtlichen Datenlage schnell getroffen werden. Durch Internet und Digitalisierung ist heute das Gegenteil eingetroffen – Infobesity, zu Deutsch: Informationsüberfluss. Eine wahre Explosion von digitalen Daten und Informationsquellen ist zu konstatieren. Informationen erscheinen häufig diffus, wenig konsistent oder sogar widersprüchlich und erschweren es letztendlich, sinnvolle und klare Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch in den Unternehmen selbst sammeln sich tagtäglich riesige Datenmengen an: laufende Forschungsprogramme, Archive vergangene Forschungsberichte, Geschäftsanalysen, Transaktionsdaten, Branchenberichte, laufende Datenfeeds, Wettbewerbsaktivitäten, Social-Media-Daten und vieles mehr.

Informationsflut – Herausforderungen für Unternehmen
  • Wachsende Mengen an Daten/Informationen, Falschinformation, Oberflächenwissen
  • Daten/Informationen, die häufig diffus, wenig konsistent und widersprüchlich sind
  • Beschaffung von relevanten Daten/Informationen
  • Bewertung von Daten/Informationen: Wichtiges von Unwichtigem trennen
  • Kaum Know-How über sinnvolle Methoden des Vergleichens und Aufarbeitens von Informationen und deren Systematisierung
  • Kunst der Datenablage, Informationsspeicherung und sinnvollen Verbindung
Fakt ist, dass die Fülle von intern und extern verfügbaren Daten und Informationen sich nicht unbedingt in eine Quelle relevanten Wissens verwandelt hat. Im Gegenteil sogar: Mehr Daten bedeuten nicht mehr Wissen. Häufig muss eingestanden werden, dass man zwar reich an Daten und Informationen ist, aber eher arm an Wissen. Außerdem haben sich im schnelllebigen, digitalen Zeitalter die Anforderungen an Unternehmen enorm erhöht: Die Geschäftswelt ist wettbewerbsorientierter, globaler, schneller und agiler geworden. Dies führt dazu, dass es immer wichtiger wird, Trends und Entwicklungen schnell zu verstehen, um fundierte unternehmerische Entscheidungen zu treffen.

Unternehmen brauchen Ratgeber

Die Herausforderung für Unternehmen besteht ergo darin, den Überblick zu behalten. Dies würde jedoch enorme interne Ressourcen und Budgets binden, die oft nicht verfügbar sind. Wie kann also die Informationsflut sinnvoll angegangen werden? Wie kann Ordnung geschaffen, die Komplexität reduziert, wie Widersprüche in Informationen erklärt und Wesentliches identifiziert werden? Wie können die Datenmassen sinnvoll gespeichert und die gewonnenen Insights zusammengefasst, neu erzählt und innerbetrieblich aktiviert werden? Genau hier kommt ein Daten- oder Insight-Kurator ins Spiel. Seine Aufgabe ist es, sich um die gesammelten Daten und Informationen zu kümmern und sie verständlicher, leichter auffindbar und für das Unternehmen besser nutzbar – sprich besser kommunizierbar und anwendbar – zu machen.

Analyse- und Insight-Entwicklung statt reiner Datensammlung

Im Forschungsalltag haben viele von uns bereits verschiedene „Kurationsaufträge“ von unseren Kunden erhalten, oft jedoch eher einmalig und unsystematisch. Ein Beispiel: Ein Kunde übergibt 25 Berichte der letzten Jahre von verschiedenen Instituten und unterschiedlichen Quellen zum Thema „Ernährung“. Der Auftrag: Eine Synthese von Insights und Empfehlungen aus vorliegenden Studien zu erstellen. Oder es sollen aus einer Reihe von Werbe-Pretests der letzten Jahre Learnings gesammelt, Regeln extrahiert und ein Leitfaden für die Konzeption von zukünftiger Werbung erstellt werden.
Kay-Volker Koschel

ist Director bei Ipsos UU, Fachbuchautor und Lehrbeauftragter verschiedener Universitäten und Hochschulen.

 kay.koschel@ipsos.com

Kay Koschel
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Etwas ganz Ähnliches hat auch der Wissenschaftsjournalist Bas Kast jüngst vorbildlich durchgeführt. Seine Meta-Analyse vom Fazit vieler wissenschaftlicher Studien zum Thema gesunder Ernährung hat er zum Ernährungskompass (2018) zusammengefasst und daraus die zwölf wichtigsten Regeln der gesunden Ernährung abgeleitet. Darüber hinaus hat er ein gutes Beispiel für die Reduktion von Komplexität und Neuerzählung im Studien-Dschungel zum Thema Ernährung geliefert. Und der Erfolg seines Buches gibt ihm Recht.


Wichtig ist hierbei, dass moderne Markt- und Konsumforschung nicht bei der klassischen Datensammlung stehenbleibt, sondern weitergeht. Zum einen in Richtung Integration und Verbindung von bestehenden in- und externen Daten, Informationen und Insights (Sekundäranalyse) und zum anderen in Richtung Inspiration und Aktivierung. Das bedeutet, die Datenansammlungen für das Unternehmen neu zum Leben zu erwecken, sie praktisch umsetzbar und anwendbar zu machen.
Hans-Jürgen Frieß
ist Director bei Ipsos UU und kümmert sich dort insbesondere um die qualitative Medien-, Finanz- sowie Sozial- und Politikforschung.

hans-juergen.friess@ipsos.com

Hans Frieß
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Kuration am Beispiel Ipsos

Im Forscheralltag wird die Kuratierung von Daten klassischerweise mit der systematischen Sammlung, Organisation und Aufbereitung von bestehenden Daten gleichgesetzt. Im Einzelfall schaffen es verschiedene Plattformen und Institute sogar, neben einer systematischen Archivierung und Pflege noch Bestandteile zur Datensynthese und -aufbereitung zur Insight-Generierung bereitzustellen.

Wie zahlreiche Gespräche mit Kunden gezeigt haben, ist eine solche Art der Daten-Kuration erst einmal hilfreich. Für die Bedürfnisse von Stakeholdern der unterschiedlichsten Unternehmen ist dies vielfach aber noch nicht exzellent genug, um im Alltag zuverlässig und schnell auf Erkenntnisse zuzugreifen und vor allem auch bestehende Daten mit neuen, bislang noch ungenutzten Informationen zu verknüpfen – im Zeitalter von BigData und einem beschleunigten Wandel des Konsumverhaltens eigentlich unverzichtbar.
Der Ipsos-Ansatz
  1. Das gesamte Daten-Ökosystem muss rund um ein Thema aufgebaut werden.
  2. Die Kuration von Daten muss in Bezug auf Geschäftsprobleme kontextualisiert und Chancen und Strategien definiert werden.
  3. Dies muss auf eine Weise geschehen, die leicht zu verarbeiten, zu teilen und für mehrere Interessengruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen anzuwenden ist.
Im Kurations-Ansatz von Ipsos sollen nun nicht nur kundeneigene Daten, sondern sämtliche relevante Informationen zu einem bestimmten Thema oder einer Fragestellung einfließen und in die Kuratierung einbezogen werden. Es kann in diesem Zusammenhang von einem umfassenden Daten-Ökosystem gesprochen werden. Ziel des Ansatzes ist es, nicht nur Daten an sich, sondern auch die Bedeutung dahinter zu vermitteln und sie in Bezug auf Geschäftsprobleme zu kontextualisieren sowie Chancen und Strategien zu definieren. Diese Kontextualisierung und Definition muss klar und einfach dargestellt werden, damit die Informationen einfach geteilt und vor allem auch ohne Weiteres angewendet werden können – und zwar von mehreren Gruppen und Stakeholdern.

Der Kurations-Ansatz setzt daher auf fünf notwendige Prinzipien:

1.

Vereinfachung

 (Simplification) – weil weniger oft mehr ist: Daten aus verschiedenen Quellen werden analysiert und reduziert, mit dem Ziel, die Kernbotschaft – die „einfache Wahrheit“ – herauszustellen. Dies gelingt dadurch, dass Konsumentenwissen mit dem Verständnis des Geschäfts der Kunden kombiniert wird.

2.

Personalisierung

 (Personalisation): Eine kompromisslose Orientierung an der Erlebniswelt des Konsumenten sowie jeder Verzicht auf einen Marketer-/Marken-/Produktbias steht hier im Mittelpunkt. Es soll gezeigt werden, was das Produkt oder der Service für den Konsumenten selbst bedeutet. Ziel ist es, in den Alltag der Konsumenten einzutauchen und gleichsam deren Bedürfnisse zu erfühlen.

3.

Anschlussfähigkeit

(Connection): In diesem Sinne sollen alle Datenquellen in einem Format nahtlos integriert werden können, ebenso als eine Form der Datenhybridisierung. Das heißt, zunächst werden nicht zusammenhängende, unaufgeräumte, verborgene und vielfältige Datenquellen miteinander verbunden, um tiefe Erkenntnisse über Verbraucher zu gewinnen und auf diese Weise Daten und Kreativität gewissermaßen miteinander zu verschmelzen. Damit wird das Urteilsvermögen von Forschern mit Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Auswahl und Gewinnung verfügbarer und relevanter Daten im großen Maßstab und bei hoher Geschwindigkeit verbunden.

4.

Storytelling

 (Storytelling): Die neu gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur leicht verständlich sein, sondern auch leicht wiedererzählt und erinnert werden können. Storytelling ist dafür eine wichtige und richtige Strategie. So werden Consumer-Insights und ihre Bedeutung auf einprägsame Weise mit dem Business in Verbindung gebracht.

5.

Aktivierung

 (Activation): Insights sollten nicht einfach auf dem Papier oder im virtuellen Raum stehen bleiben, sondern für den Geschäftserfolg der Kunden zum Leben erweckt werden (bringing Life to life). Lang erprobte Maßnahmen, die zeigen, wie Insights innerhalb eines Unternehmens für neue Geschäftsideen aktiviert werden können, gehen einher mit einer Erklärung der wirtschaftlichen und geschäftlichen Bedeutung dieser Insights anhand von Fallstudien, Beispielen und multimedialer Visualisierung.
© Ipsos
Ipsos hat dafür ein eigenes Framework mit einer eigenen Plattform entwickelt, das durch die wichtigsten Phasen der Datenkuration führt: Destillierung (Destillation) – Sozialisation (Socialisation) – Aktivierung (Activation).

Aufgabe der Kuratoren ist es hierbei,  zielgerichtet und eng mit den Kunden zusammenzuarbeiten, gemeinsam bestehende Daten aus verschiedenen Quellen zu sammeln und Erkenntnisse in einer überzeugenden Geschichte zum Leben zu erwecken. Auf diese Weise lassen sich Anwendungs- und Geschäftsergebnisse entwickeln. Bei Ipsos kommt dafür die Insight-Cloud, eine eigene Kurationsplattform, zum Einsatz. Sie stellt eine  Schnittstelle für den Kunden dar, um mit kollektiver Intelligenz und Expertenwissen maßgeschneidert und kontinuierlich zu inspirieren und zu aktivieren.

Zum Firmenprofil von Ipsos >>

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