Kantar Inclusion Index

Diese Branchen und Länder führen das Inklusions-Ranking an

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Über Diversität und Inklusion, insbesondere am Arbeitsplatz, wird aktuell häufig diskutiert. Kantar hat das Ganze nun messbar gemacht: Der Inclusion Index des Marktforschers zeigt auf, wie es in den einzelnen Ländern und Branchen um diese Themen steht. Dabei schneiden Kanada und die USA am besten ab, aber auch der deutsche Indexwert kann sich sehen lassen. Trotzdem besteht in einigen Bereichen Aufholbedarf.

Der Inklusions- und Diversitätsindex basiert auf dem Feedback von 18.000 Mitarbeitern aus 14 Ländern und 24 Branchen. Dabei wurden die Teilnehmer beispielsweise nach ihrer Rolle im Unternehmen, ihrem Wohlbefinden und dem Arbeitsklima befragt. Auf der Kantar Website wird der Inklusionsindex als „einzigartiges Benchmarking-Tool, das dabei hilft, Unternehmenskultur und -erfolg zu wandeln“ beschrieben. Denn das eine hängt bekanntlich vom anderen ab: So haben Unternehmen mit einer diversen Kollegschaft und toleranten Kultur beispielsweise ein höheres Innovationspotenzial, was wiederum dem Geschäftserfolg zugutekommt – das sagt eine Studie der Boston Consulting Group in Kooperation mit der TU München.

Best Cases: Kanada und USA

Zu den Ländern, die die Themen Inklusion und Diversität am Arbeitsplatz am besten umsetzen, gehören Kanada und die USA mit einem Indexwert von jeweils 66 Prozent. Doch was machen diese Länder besser als die Schlusslichter Australien (48 Prozent), Singapur (45 Prozent) und Mexiko (43 Prozent)? Da wäre zum einen die nahezu ausgeglichene Geschlechterverteilung in Führungspositionen: So werden in Kanada über 40 Prozent der betrachteten Chefpositionen von Frauen besetzt. Auch in den USA ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nahezu ausgeglichen. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Bemühung eines Unternehmens um interne Vielfalt: 65 Prozent der befragten Kanadier und 63 Prozent der Amerikaner sagen, dass ihre Unternehmen aktiv Inklusion und Diversität fördern. Und wie sieht es mit Deutschland aus? Gar nicht schlecht: Mit 65 Prozent landet Deutschland nur knapp hinter den beiden Spitzenreitern auf Platz drei des Länderrankings.


Trotzdem gibt es auch Zahlen, die zu bedenken geben sollten: 80 Prozent aller Befragten gaben an, Diskriminierung am Arbeitsplatz beobachtet oder selbst erlebt zu haben. Und 35 Prozent aller befragten Frauen sowie 37 Prozent der Männer sagen, sie fühlen sich bei der Arbeit dauerhaft ängstlich. 19 Prozent wurden im vergangenen Jahr gar gemobbt. Hier schneiden Brasilien, Mexiko und Singapur am schlechtesten ab, denn sie weisen die höchste Mobbingrate auf, während das Arbeitsklima in Italien, den Niederlanden und Spanien – zumindest, was das Mobbing angeht – am besten zu sein scheint. Besondere Aufmerksamkeit sollte beim Thema Diskriminierung Personen zukommen, die sich als Teil der LGBTQ-Gemeinschaft identifizieren: Von ihnen sagte knapp ein Viertel, im letzten Jahr am Arbeitsplatz gemobbt worden zu sein, und über die Hälfte von ihnen leidet an anhaltendem hohen Stress, Angst und psychischen Gesundheitsproblemen am Arbeitsplatz. Von den befragten Personen, die einer ethnischen Minderheit angehören, sagten derweil 13 Prozent, dass sie sich auf Arbeit ausgegrenzt fühlen.
Der Gesundheits- und Pharma- sowie der Bildungssektor schneiden mit einem Indexwert von je 60 Prozent am besten ab.
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Der Gesundheits- und Pharma- sowie der Bildungssektor schneiden mit einem Indexwert von je 60 Prozent am besten ab.

Gesundheits- und Pharmasektor ist Spitzenreiter

Auch interessant ist der Blick auf die Indexwerte der verschiedenen Branchen, wenngleich zumindest die Schlusslichter wenig überraschen dürften. Angeführt wird das Branchenranking vom Gesundheits- und Pharmasektor sowie der Bildungsbranche mit einem Wert von je 60 Prozent. Es folgt der Sektor professionelle Dienstleistungen, darunter beispielsweise Buchhaltung, mit 59 Prozent. Auf den hinteren Rängen landen indes die Baubranche (42 Prozent), das verarbeitende Gewerbe (38 Prozent) sowie IT und Telekommunikation (35 Prozent). Diese Branchen sind vor allem aufgrund ihres relativ niedrigen Frauenanteils häufig Teil öffentlicher Diversitäts-Debatten.

Diese Debatten dürften durch den Kantar Inclusion Index nun weiter vorangetrieben werden. Ziel des Marktforschers ist es aber nicht nur, Problembereiche aufzuzeigen, sondern, so geht aus einer Pressemitteilung hervor, mit dem Index einen globalen Standard zu schaffen, an dem Unternehmen sich bei der Entwicklung ihrer eigenen Diversitäts- und Inklusionskonzepte orientieren können. Mandy Rico, Global Director des Kantar Inclusion Index, sagt dazu: „Wenn Sie es mit Inklusion und Diversität in Ihrem Unternehmen ernst meinen, müssen Sie auch die Messung der Faktoren ernst nehmen.“


Zum Inklusions-Index von Kantar>>

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