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Ralf Ganzenmüller ist als Mitglied des Management Board Executive Committee zuständig für die Integration von Picasso, so der Arbeitstitel der Akquisition.
© Ipsos
Ralf Ganzenmüller ist als Mitglied des Management Board Executive Committee zuständig für die Integration von Picasso, so der Arbeitstitel der Akquisition.
Auf der Aktionärsversammlung im November in Paris erklärt Ralf Ganzenmüller, welche Teile Ipsos der GfK abgekauft hat und wie sie in das Portfolio des französischen Marktforschers passen. Ganzenmüller ist als Mitglied des Management Board Executive Committee zuständig für die Integration von Picasso, so der Arbeitstitel der Akquisition. Er verantwortet weltweit als Chairman die Bereiche Customer Experiences und Mystery Shopping, beides wesentliche Bestandteile von Picasso, und war bis 2007 langjährig bei der GfK beschäftigt.
Im Wesentlichen sind vier Geschäftsfelder betroffen: Forschung für Health Care, Public Affairs, Innovationsforschung (Produkt-, Konzeptest, Car Clinics, User Experiences, …) und Customer Experiences inklusive Mystery Shopping. Von all diesen Bereichen hat sich die GfK weltweit zurückgezogen und Ipsos ein Wettbewerbsverbot eingeräumt.


Im Paket enthalten war auch die schwedische Firma Norm, die GfK erst 2015 übernommen hatte. Das Software-Unternehmen mit rund 45 Mitarbeitern und 9 Millionen Euro Umsatz hat acht skalierbare Lösungen für Shopper Research entwickelt, darunter einen virtuellen Store, genannt SimStore, mit dem man Regale, Online Stores oder das Gespräch mit einem Verkäufer simulieren kann. „Ein gutes Tool, das hervorragend in unser Portfolio passt“, sagt Ganzenmüller.

Dann werde Ipsos durch die Übernahme zur größten Firma für Customer Research im Bereich Health-Care-Services mit 1000 Mitarbeitern, 250 davon sind jetzt von der GfK gekommen. „In diesem Bereich wollten wir immer wachsen“, sagt er, es sei jedoch extrem schwierig erfahrene Forscher zu bekommen. Die Akquisition war also der beste Weg einen Durchbruch zu erzielen. Neben dem erfahrenen Personal werden die Kundenbeziehungen zu Ipsos wandern.


Ein weiterer Teilmarkt der von der Übernahme profitiert ist Public Affairs, also Meinungsforschung, Sozialforschung, Reputationsforschung. 60 Millionen Euro Umsatz und 125 neue Mitarbeiter sind hier dazugekommen, vor allem in Belgien und den USA. Hier wurde etwa das Knowledge Panel hinzugewonnen, genauso wie der Anholt Nation Brands Index. In Europa gab es eine starke Public-Affairs-Einheit in Leuven bei Brüssel, die viel Forschung für die EU durchgeführt hat. In Deutschland war GfK genau wie Ipsos in dem Gebiet Public Affairs schwach vertreten. Aber auch das könnte sich bald ändern, sagt Ganzenmüller.
Schließlich sind 145 Experts für die gesamte Customer Experience Forschung sowie 65 für das Mystery Shopping hinzugekommen. Ganzenmüller berichtet, wie die rund 1000 Forscher willkommen geheißen wurden im „Home of Researchers“. 97 Prozent der Mitarbeiter haben das Arbeitsangebot von Ipsos angenommen.

Für das kommende Jahr könnte der Umsatz von Ipsos durch die Integration der Einheiten um mehr als 200 bis 250 Millionen Euro steigen. Die hinzugewonnenen Aktivitäten sind auf 26 Länder verteilt, wobei Ipsos dort überall bereits präsent war, es also möglich ist, die Menschen in die existierende Infrastruktur zu integrieren. Daher sei dieser Kauf die beste Akquisition, die Ipsos jemals getätigt hat, so Ganzenmüller.

Erschienen in planung&analyse 6/1018
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