Ipsos Aktionärsversammlung

Die GfK-Übernahme war der beste Deal

Didier Truchot ist Chairman und CEO von Ipsos SA
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Didier Truchot ist Chairman und CEO von Ipsos SA
Wie stellt sich das Unternehmen Ipsos nach der Übernahme der GfK-Anteile auf? Was bedeutet das Programm Total Understanding? Welchen Weg gehen die New Services? Schließlich: Wie will Ipsos wachsen und welche Techniken stehen zur Verfügung, um Kunden zu gewinnen? Beim Investors Day von Ipsos im Headquarter in Gentilly bei Paris gab es eine Menge Input und Insights, die bei den Zuhörern das Verständnis für das Business des Marktforschers Ipsos wecken sollten. planung&analyse war dabei.

Drei Stunden mussten die Aktionäre, die Bank- und Fondvertreter warten bis die harten Zahlen auf den Tisch kamen. Gründer, Chairman und CEO Didier Truchot erklärt die fünf Säulen, auf denen seine Geschäftspolitik fußt. Dazu gehören 17 spezialisierte Service-Lines, Kundenzentrierung, ausgeprägte Fähigkeiten, sinnvolle Zukäufe aber auch weitgehende Vollmacht für die regionalen Büros. Der Slogan „think global, act local“ sei Unsinn, es müsse vielmehr heißen „think local and act local“. In einer digitalisierten Welt wolle Ipsos die gesamte Produktionskette der Daten kontrollieren und damit auch über den Kernmarkt der Marktforschung hinausgehen.




Zwischen der Eingangsrede von Truchot und dem Closing der Chief Financial Officer, Madame Laurence Stoclet, traten etliche Manager des Konzern auf, die die Pfeiler der Geschäftspolitik erläuterten.

So etwa Helen Zeitoun, die bis zum Frühjahr noch bei der GfK auf der Gehaltsliste stand und nun CEO des Ipsos Science Team und Country Manager für Ipsos France ist. Sie erklärt die Datenstrategie des Konzerns und nutzt dafür das Rollenmodell des Total Understanding, das Ipsos seit diesem Sommer verwendet. Jeder Mensch ist nicht nur Konsument oder Kunde, sondern auch Bürger. Diese Daten werden aus zahlreichen Quellen – aus Befragungen, aus Social Media oder aus Drittquellen – zusammengebracht, und streng neutral und mit Hilfe von künstlicher aber auch menschlicher Intelligenz verbunden, sodass ein holistisches Bild entsteht und man den Menschen in all seinen Rollen besser verstehen kann.


Neue und bewährte Techniken werden vorgestellt

Henri Wallard, stellvertretender CEO von Ipsos, stellt ein brandneues Project vor, das mit Google, einem der größten Kunden des Unternehmens, angegangen wird. Um nicht im Datensee zu ertrinken, muss man Strategien entwickeln. Helfen soll IRIS, Ipsos Research Insight Scout, das den Weg von Big Data zu Big Analytics weisen soll.

Quasi als Gegenpol zeigte Research Director Christina Craciun aus Belgien, wie Ipsos mit qualitativer Forschung für die Brauerei Heineken weltweit deren Marken-Strategien optimieren konnte. Managing Director Bruno Schmutz stellte ein Gerät vor, das Probanden ausgehändigt bekommen, um deren Aufmerksamkeit für Werbung auf Out-of-Home-Flächen zu messen.

Drei Übernahmen in einem Monat angeschlossen

Was die Investoren natürlich besonders interessierte, waren die drei Akquisitionen, die Ipsos alle im Oktober abgeschlossen hat: der Social-Listening-Anbieter Synthesio, Teile des Mystery Shopping Dienstleisters Market Pulse International und das Customer Research Business von der GfK. Ralf Ganzenmüller, ehemaliger Deutschlandchef und heute Global CEO für Ipsos Loyalty, erklärt, was dieser Deal für Ipsos bedeutet: „Es war die beste Akquisition, die Ipsos je gemacht hat.“

Im Gespräch mit planung&analyse sagte CEO Didier Truchot anschließend, er habe kaum zwei Minuten Bedenkzeit gebraucht, als ihm das Geschäft im vergangenen Jahr vor Weihnachten angeboten wurde.

Ganzenmüller, der für die Integration der GfK-Einheiten weltweit zuständig ist, sieht vor allem das Potenzial der 1.000 talentierten Forscher. Diese haben zu 97 Prozent die Angebote von Ipsos angenommen und wurden im „Home of the Researchers“ willkommen geheißen. Gelungen ist dadurch die Stärkung der Customer Experience Division, die gesamte Health-Forschung ist bei Ipsos gelandet und die Public Affairs Service Line, die zwar in Deutschland weder bei GfK noch bei Ipsos eine große Rolle spielt, aber weltweit dafür umso bedeutsamer ist.

Das Backoffice von GfK wurde nicht übernommen

Stoclet, die CFO und stellvertretende CEO, ordnet die vielen Informationen schließlich in das Zahlengerüst eines börsennotierten Unternehmens ein. Man müsse wachsen und man könne auch wachsen, denn der Marktanteil am – laut Esomar 46 Milliarden Dollar schweren – Kernmarkt für Marktforschung liege lediglich bei fünf Prozent. Deswegen seien selektive Akquisitionen notwendig. Dafür habe Ipsos noch eine Kreditlinie von 400 Millionen Euro zur Verfügung. Um zu entscheiden, was gekauft werden sollte und was nicht, hilft die Strategie der New Services, die Ipsos bereits vor vier Jahren ausgerufen hat.

Dabei versucht der Konzern in jeder für die Marktforschung wichtigen Service-Leistung stark, wenn nicht führend zu sein und betrachtet auch andere Player als Konkurrenten, die nicht unbedingt im Kernmarkt bedeutend sind. So sind die Akquisitionen von Synthesio und Market Pulse International als Ergänzung des Know-hows und der Technologie zu verstehen.

Und die Übernahme der GfK Customer Research war eine Chance, die man einfach nicht vorüber gehen lassen durfte. Dabei betont sie, dass das Backoffice der GfK-Einheiten nicht übernommen wurde. Jeder könne in den alten GfK-Berichten des ehemals ebenfalls börsennotierten Unternehmens nachlesen, dass der Bereich kaum fünf Prozent Rendite erwirtschaftet habe. „Wir können das besser“, so Stoclet. Sie stellt den Anlegern eine operative Marge von elf Prozent in Aussicht.

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