Interview mit Nielsen-Chef Jens Ohlig

„Ich würde Nielsen noch immer als Marktforscher sehen“

Jens Ohlig, Geschäftsführer Nielsen Deutschland
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Jens Ohlig, Geschäftsführer Nielsen Deutschland
Nielsen-Deutschland hat jüngst seinen neuen „SmartStore“ in Frankfurt vorgestellt. planung&analyse hat dies zum Anlass genommen, mit dem neuen Nielsen-Chef Jens Ohlig über die Neuausrichtung des Unternehmens zu sprechen.

Herr Ohlig, Herzlichen Glückwunsch zur neuen Position. Sie sind fast 20 Jahre bei Nielsen und jetzt der Chef für Deutschland, die Schweiz und Österreich – Was haben Sie sich für diese Aufgabe vorgenommen? Als Marktforschungsunternehmen operieren wir in einem Umfeld, das permanenten Veränderungen unterliegt. So sehen wir zum Beispiel, dass Konsumenten heute anderes einkaufen als früher, dass sich Handelsstrukturen anpassen, dass Technologien, wie Künstliche Intelligenz und Machine Learning, immer mehr an Bedeutung gewinnen und dass immer mehr Daten zur Verfügung stehen. Darauf müssen wir schnell und flexibel reagieren, um unseren Kunden weiterhin optimale Lösungen anbieten zu können. Dies war im Übrigen auch eines der Themen, welches unser neuer CEO, David Kenny, während der letzten Investor-Telefonkonferenz diskutiert hat.



Nun kommt Ihre Berufung zu einer Zeit großer Unsicherheit für Nielsen, erwartet wird die Übernahme durch neue Eigentümer und vielleicht sogar eine Zerschlagung in zwei Unternehmen. Was würde das für den deutschen Markt bedeuten? Welche Position will Nielsen hierzulande einnehmen? Für die Ausrichtung hierzulande spielen die Gespräche keine Rolle. Unabhängig davon, wie die finale Entscheidung aussehen wird – ob man als börsennotiertes Unternehmen zusammen bleibt, ob man die beide Bereiche, Watch und Buy, voneinander trennt oder ob Private Equity zum Zuge kommen – wird die Neupositionierung voranschreiten.

Was ist das Neue an der Positionierung? Sind die beiden Segmente - Buy und Watch - lediglich umbenannt worden? Wir werden uns in Zukunft noch stärker auf unsere Produkte und die Produktentwicklung sowie die Integration neuer Technologien fokussieren. Wir denken, dass dies am besten möglich ist, indem wir unsere beiden großen Geschäftsfelder Nielsen Media, ehemals Watch, und Nielsen Connect, zuvor Buy, als eigenständige End-to-End Business Units führen.

Weltweit sind diese beiden Segmente fast gleich groß. Wie sind Connect und Media in Deutschland vertreten? Nielsen Connect ist in Deutschland deutlich stärker. Darunter fallen unser Handelspanel, unser Consumer Panel, sowie unser Ad-hoc-Geschäft.

In den Mitteilungen zu Ihrer Berufung wurde Nielsen als globales Mess- und Datenanalyse-Unternehmen bezeichnet. Ist Nielsen überhaupt noch ein Marktforscher? (Lacht) Natürlich würde ich Nielsen weiterhin als Marktforscher sehen, aber die Grundlagen von Marktforschung sind eben Daten und Informationen, die weiterverarbeitet werden müssen und das ist unsere Aufgabe. Aber natürlich schauen unsere Kunden nicht nur auf Daten oder Informationen, sie wollen relevante Insights haben. Die Frage ist also, wie gut sind wir darin, diese Daten und Informationen in Insights umzuwandeln. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwa durch unsere Kundenberater oder wir stellen den Kunden Tools zur Verfügung, die diese Insights in Echtzeit und durch einfache Selbstbedienung zugänglich machen, etwa durch intelligente Apps.

Was ist die Intention, die hinter dem neuen Smart Store steckt? Virtual Reality ist in anderen Bereichen wie beispielsweise der Gaming- oder Tourismusindustrie bereits weit fortgeschritten. Der SmartStore ist eine innovative Lösung für Shopper Research, mit der wir zeigen, wie eine solche Technologie auch in der Marktforschung nutzbringend angewendet werden kann.

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