In eigener Sache

Dr. Karin Dürr ist verstorben

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Die ehemalige Chefredakteurin und kaufmännische Gesamtverantwortliche der Zeitschrift planung&analyse, Dr. Karin Dürr, ist vergangene Woche im Alter von 73 Jahren verstorben. Verlag und Redaktion sind traurig und sehr betroffen.
 
„Ich bin der Typ, der alles, was er anfängt mit ganzem Herzen und Einsatz macht.“ Dieses Zitat aus einem Interview charakterisiert Dr. Karin Dürr recht gut. Sie hat von 1995 bis 2008 die Geschicke der Fachzeitschrift für Marktforschung und Marketing, planung&analyse, gelenkt und wesentlich geprägt. Zuvor hatte sie auf dem zweiten Bildungsweg Abitur gemacht und Soziologie, Statistik sowie Sozialpsychologie an der Universität Frankfurt am Main studiert. Während des Studiums und nach dem Diplom arbeitete sie in der Marktforschung, zunächst für fünf Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für empirische Sozialforschung der Universität Frankfurt. Dort promovierte sie auch. Danach baute sie bei einer internationalen Unternehmensberatung die Forschungsabteilung auf und machte sich anschließend als Marktforscherin selbstständig. 1995 trat sie die Nachfolge von Dr. Ulrike Schöneberger als Chefredakteurin von planung&analyse an. Im Jahr 2004 wurde sie zusätzlich zur Leiterin der Zentralen Marktforschung im Deutschen Fachverlag berufen. Seit ihrer Pensionierung im Jahr 2008 hat sie sich ihrer Familie sowie ihrem Hund gewidmet und den Ruhestand genossen. Am 12. Dezember 2019 ist Dr. Karin Dürr verstorben.

Im Januar hatte sie uns für die Jubiläumsausgabe von planung&analyse ein Interview gegeben ( Interview Dr. Karin Dürr). Darin hat sie deutlich gemacht, wie sehr ihr planung&analyse, aber auch die gesamte Branche der deutschen Marktforschung am Herzen liegt. Mit Frau Dr. Dürr hat sich planung&analyse zu einem unabhängigen, hin und wieder auch kritischen, aber dennoch wohlwollend auf eine Branche blickenden Fachmedium entwickelt. Aber sie hat sich nicht darauf beschränkt eine Zeitschrift inhaltlich und kaufmännisch zu leiten, sondern hat die gesamte Branche in ihrer Entwicklung gefordert und gefördert. Einer dieser Pflöcke, die sie eingeschlagen hat, war die Gründung des Netzwerkes PUMa – Plattform Unternehmens Marktforscher. Sie erkannte, wie sehr die betrieblichen Marktforscher eine Plattform für Austausch und gegenseitige Beratung brauchen. Nach 15 Jahren existiert PUMa weiterhin und hat rund 850 Teilnehmer. Über diesen Erfolg hat sie sich sehr gefreut.

Ein anderer Meilenstein in ihrem Engagement war die Gründung von NEON. Ende der 90er Jahre war auch die Geburtsstunde der Online-Marktforschung, die sie zunächst kritisch distanziert beobachtete. Ihr war klar, dass Online-Forschung nicht aufzuhalten war, aber die Qualität wollte sie erhalten. Ihre Intention war damals eine Art Zertifikat oder Gütesiegel für die Online-Forschung zu schaffen. Mit NEON, was für Network Online Research steht, wollte sie für Austausch sorgen und es sollten Standards festgeschrieben werden. Viele heute noch gut bekannte Forscher haben damals mitdiskutiert. Um die Arbeitsbelastung zu reduzieren, gab Dürr das Netzwerk NEON damals an Frank Knapp ab, der es bis heute im BVM fortführt. 

An der Arbeit bei planung&analyse schätzte sie vor allem den engen Austausch und den vertrauensvollen Kontakt mit den Marktforschern aus der Branche. Für manche war sie nicht nur Gesprächspartner, sondern auch Vertraute. Dr. Karin Dürr hat die deutsche Marktforschung stark mitgeprägt. Selbst elf Jahre nach ihrer Pensionierung ist sie vielen Branchenvertretern in guter Erinnerung. Und dies wird auch so bleiben. Wir bedanken uns für ihren Einsatz für planung&analyse und drücken ihrer Familie unser tief empfundenes Mitgefühl aus.
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