Human Centric Organization

Warum Unternehmen den Menschen in den Mittelpunkt stellen sollten

   Artikel anhören
© pixabay.com
Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn sowohl Mitarbeitende als auch Kunden Teil des Veränderungsprozesses sind, diesen gestalten und weiterentwickeln. Dieser Auffassung sind Tim Bosenick von uintent und Marcus Grasemann, Partner bei der Beratungsfirma Consensa. Beide teilen die Vision einer Arbeitswelt, die menschlich gestaltet und gleichzeitig resilient ist. Daher fordern sie eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensentwicklung, wo der Mensch im Mittelpunkt steht, und realisieren dies mit Methoden der Marktforschung.
Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit – neudeutsch Agilität – erwarten wir von unseren Mitarbeitenden. Aber wie agil ist eigentlich unsere Organisation? Fördert sie es, mutig zu sein, Neues auszuprobieren und ausgetretene Pfade zu verlassen? Gibt es ein gemeinsames Verständnis darüber, dass es Planbarkeit im klassischen Sinne nicht mehr gibt, stattdessen eingeschlagene Wege immer wieder hinterfragt werden müssen?

Die Aufgabe eines erfolgreichen Managements ist es, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle Mitarbeitende Teil dieses Prozesses werden. Schnelligkeit wird nicht durch eine Arbeitsweise Top-down erreicht, sondern durch Beraterinnen, ITler, Projektmanager und Expertinnen, die auf ihrem jeweiligen Gebiet Top of the Class sind, Innovationen vorantreiben, kollaborativ zusammenarbeiten und so eine nachhaltige und resiliente Organisation schaffen. Nur dann wird eine digitale Transformation nicht als Bedrohung oder Überforderung wahrgenommen, sondern als Chance, neue Formen der Zusammenarbeit gemeinsam zu entwickeln.

Wir sind davon überzeugt, dass die digitale Transformation nachhaltig nur erfolgreich sein kann, wenn dabei der Mensch im Mittelpunkt steht. Dabei stehen in der Human Centric Organization (HCO) Kunden und Mitarbeitende gleichermaßen im Fokus und sind die treibenden Kräfte für Veränderung und Innovation. Dabei definiert sich die Human Centric Organization über fünf Dimensionen:

Purpose & Zielbild: Gerade in einem volatilen, komplexen Umfeld mit großer Unsicherheit braucht es Orientierung durch eine verbindende Kraft. Ein Purpose gibt ein Gefühl von Bedeutung und stärkt die Bindung zum Unternehmen. Dabei bietet er die Möglichkeit, sich mit den Unternehmenswerten und Zielen zu identifizieren und Motivation aus der täglichen Arbeit zu schöpfen, das erhöht das Employee Engagement.
Die Autoren
Tim Bosenick
© uintent
Tim Bosenick
ist Gründer und Geschäftsführer der uintent GmbH. Als Business Angel gibt er seine Erfahrungen aus über 20 Jahren Unternehmens- und Teamleitung in der UX-Welt jungen Unternehmen weiter. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Employee-Experience und digitale Transformation.
bosenick@sirconsa.de

Marcus Grasemann
© uintent
Marcus Grasemann
ist geschäftsführender Partner bei der Consensa Projektberatung und berät seit über 20 Jahren Unternehmen in Veränderungsprojekten und Transformationen.
marcus.grasemann@consensa.com

Kundenperspektive: Die Entwicklung innovativer digitaler Services und Produkte, die Kunden begeistern, erfordert eine echte Kundenzentrierung und eine grundlegende Veränderung des Mindsets – insbesondere in der Führungsebene. Kundinnen und Kunden müssen – zum Beispiel mit Co-Creation – von Beginn an kontinuierlich in die Entwicklung und Optimierung einbezogen werden. Budget und Zeit müssen entsprechend eingeplant werden.

NEO-Mindset – Neugier, Empathie, Offenheit: Um sich auf die Kundenperspektive wirklich einzulassen, um eine lebendige Innovationskultur zu schaffen, um auf Augenhöhe vertrauensvoll miteinander zusammenzuarbeiten, um aus Fehlern freudig zu lernen – und nicht zu versuchen, Fehler krampfhaft zu vermeiden – und um im Rahmen einer agilen Strategie selbstorganisierter zusammenzuarbeiten, ist der NEO-Mindset eine entscheidende Voraussetzung. Es braucht Neugier, Empathie und Offenheit auf allen Ebenen im Unternehmen.

Struktur der Zusammenarbeit: Hierarchische Organisationsmodelle sind in einem volatilen Umfeld ständiger Veränderung ungeeignet; sie sind zu langsam und träge und es gelingt ihnen nicht, die Potenziale der Mitarbeitenden zu fördern und zu nutzen. Was jetzt nötig ist, ist eine wertebasierte, agile und vernetzte Form der Zusammenarbeit auf Augenhöhe und über alle Ebenen.

Kultur der Zusammenarbeit: Eine Kultur der Zusammenarbeit zeichnet sich durch ihren Mitarbeiterfokus, eine gute Konflikt-, Lern- und Fehlerkultur und ein verändertes Führungsverständnis hin zum Collaborative Leadership aus.

Der Weg zur Human Centric Organization. Am Beginn steht die Diagnose der aktuellen Situation und das Zielbild. Auch wenn es für den Weg keine pauschalen Rezepte gibt: Vision und Purpose werden feste Begleiter in dem moderierten Prozess hin zur digitalen Organisation. Mit Hilfe klassischer Methoden aus der Marktforschung und mit gemeinsamen Workshops werden die wesentlichen Handlungsfelder identifiziert. Es folgen Workshops zur Priorisierung der Themen, Transformationsdesign und Roadmap-Planung, bei Bedarf ergänzt um Workshops zur Strategie- und Business-Modell-Entwicklung.

Im nächsten Schritt geht es in die Detailanalyse, etwa durch Customer und Employee Journeys, Personas und die Analyse der internen Kommunikation. Am Ende steht die Umsetzung: Design, Implementierung und Testing sind dann die Kernaufgaben. Mögliche Ergebnisse sind:
  • Aufsetzen eines Programm-Managements mit einer Transformationssteuerung.
  • Entwicklung digitaler Services oder Produkte, die Kunden begeistern
  • Qualifizierung von Projektleitern
  • Formate zur Einbindung der Stakeholder, etwa mit Großgruppenworkshops
  • Projektcoaching bei laufenden Projek-ten, Reviews, Retrospektiven
  • Moderation von Co-Creation-Prozessen
Wir sind davon überzeugt, dass gerade im Zeitalter der ständigen Veränderung eine menschlich gestaltete und gleichzeitig resiliente Arbeitswelt die Voraussetzung für gute Produkte, zufriedene Konsumenten und damit eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensentwicklung ist.

Zuerst erschienen in planung&analyse 4/2021.
Cover pa 4_21
© imago
Mehr zum Thema
planung&analyse Ausgabe 4/2021 erschienen!

Unbekannte Wesen: Braucht jede Generation eine eigene Ansprache?

Was gilt es zu beachten, wenn man die GenZ erreichen will? Und die noch Jüngeren? Welche Bedeutung haben Marken oder Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang? Außerdem lesen Sie in planung&analyse 4/2021: Werbewirkung in TV, Social Media, OOH, B2B; Porträt NIM; Human Centric Organization. PLUS: p&a Guide CATI und Studios. Und wir lassen noch einmal die Insights21 Revue passieren.

    Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen und akzeptiere diese.
    stats