General Online Research Konferenz in Köln – Tag 1

Best Practice, Poster-Sessions und 4-to-the-floor

Nach Berlin und Dresden kehrt die GOR 2018 nach Köln zurück
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Nach Berlin und Dresden kehrt die GOR 2018 nach Köln zurück
In Köln ist die General Online Conference (GOR) gestartet. Dort trifft sich die Profession der digitalen Forscher. Für planung&analyse fasst Holger Lütters seine Eindrücke vom Tag 1 zusammen.

Nach der Keynote von Stefan Oglesby (p&a hat die Hauptthesen bereits im Interview veröffentlicht) teilt sich die Community in fünf parallelen Tracks auf, um das gesammelte Wissen auszutauschen. Im Best Practice Track befinden sich sechs Teams im Wettbewerb um den prestigeträchtigen Award. Große Namen und kleine Teams konkurrieren um die Gunst des Publikums und der Jury. Als erstes präsentieren Henkel gemeinsam mit der deutschen Dependance des belgischen Unternehmens Insites Counsulting einen Ansatz der agilen Forschung, der die Time-to-Market Zeiten dramatisch reduziert.



Das niederländische Unternehmen SKIM erarbeitete mit Vodafone Niederlande eine neue Version der Conjoint-Analyse, die vielversprechende Ergebnisse zur Voraussage der Kundenpräferenz generiert.

Dcore aus München stellt seine Forschung mit der Süddeutschen Zeitung vor, bei der die Eigenentwicklung „LASSO“ Verwendung findet, um Rubriken einer Zeitung in deren Auswirkung auf die Lesertreue zu bewerten.

Im zweiten Teil der Best-Practice-Session werden die positiven Wirkungen der Bahncard auf die Nutzung von Nahverkehrstickets belegt. Die Deutsche Bahn scheint gut beraten, die reduzierten Ticketangebote auch im regionalen Nahverkehr zur Anwendung zu bringen. 

Ein Line-Up von vier Forschungseinheiten der HTW Berlin, des Panels GapFish, des Technologieanbieters pangea labs und des Textanalysespezialisten insius hat sich für eine umfangreiche Arrbeit der Erhebung und Auswertung von Sprachdaten aus Befragungen zusammengeschlossen. 

Die Session wird mit einem zweiten Beitrag von Insites Consulting geschlossen, der eine Überarbeitung der Customer Journey Forschung für Volkswagen Poland darstellt. Auch hier werden modernste qualitative Tools der Onlineforschung in agilen Strukturen zum Einsatz gebracht.

Insgesamt haben viele Bewerberansätze qualitative Elemente integriert. Eine völlige Abkehr von quantitativen Methoden ist zwar noch nicht erfolgt, aber auch im agilen Prozess scheinen Insights immer stärker qualitativ gefragt zu sein. Der Charme verbreitet sich insbesondere in Systemen, in denen nach einem Feedback-Loop Idee und Konzepte sehr schnell verfeinert werden können.

Insgesamt ist es sehr erfreulich, dass sich die Teams den kritischen Fragen des Publikums stellen. Auch wenn im Best-Practice-Slot, wo Unternehmen und Institute ihre Projekte vorstellen, nicht so selbstkritisch mit Forschung umgegangen wird, wie in anderen Tracks auf der GOR, ist dies ein wertvolles Format für die Branche. Nach Befragung des Publikums zieht sich die Jury zurück zu Beratung. Die Bekanntgabe erfolgt am Abend auf der GOR-Party im „Scheuen Reh“.

Hoher Andrang bei der Poster-Session

Die Poster-Session am Nachmittag ist so gut besucht, dass es sich staut. Viele Forscher sind hier mit spannenden Arbeiten vertreten, die sie einem Publikum persönlich näher bringen können. Erfahrene Wissenschaftler bewerten die einzelnen Poster getrennt voneinander.  Auch hier gibt es einen Preis, der den Forschern als Motivation dienen soll, die eigenen Ideen weiter zu verfolgen. Poster sind ein wichtiges Instrument, um den Forscher dazu zu bewegen, seine lange Arbeit auf nur einem Chart zusammen zu fassen. Natürlich helfen hier auch eingängige Titel wie etwa „Fightclub“, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Zeit für Nachwuchsforscher

Am Nachmittag stellen sich Nachwuchsforscher dem Publikum und einer Jury im GOR Thesis Award. Eine Bachelor- und zwei Masterarbeiten haben es ins Finale geschafft. Auch für  erfahrene Forscher gibt es hier viel zu lernen. Jasmin Lehmann stellt ihre Forschung zur Begleitung eines Moocathons via Twitter dar. Eine sehr kreative Idee, die versucht rauszufinden, welche Lerntypen sich im Klassenraum befinden und wie diese kommunizieren. Nadja Sigle präsentiert ihre Arbeit über die Verwendung von Online-Reviews zur Bewertung von Kundenzufriedenheit. Marius Becker analysiert die Darstellung deutscher Politiker in den Nachrichtenservice von Google und Bing. Der Thesis Award wird gesponsert von Questback, die den Gewinnern mit einem Geldbetrag die Arbeit versüßen. Die Gewinnner werden am Tag 2 verkündet. 

Repräsentativität bleibt heißes Thema

Parallel dazu wird das in der Branche seit Monaten kontrovers diskutierte Thema „Repräsentativität“ wird in verschiedenen Sessions aufgegriffen. Die Branche hat den Schuss gehört. Lösungen scheint es jedoch nicht so einfach zu geben. Der Streit zwischen Forsa und Civey wird mit harten verbalen Bandagen ausgetragen. Wie der Streit zwischen Freud und Jung bei den Psychologen könnte uns dieses Thema noch 100 Jahre beschäftigen. Ob ein solcher interner Methodiker Streit, der in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, für die ohnehin in die Kritik geratene Branche vorteilhaft ist?  

Neues Format: 4-to-the-floor

Als Neuerung wird am Abend das Format 4-to-the-floor angeboten. Vier junge Unternehmen sind eingeladen, die eigene Idee zu einem Thema zu präsentieren. Das Thema Text-Mining und Analytics lockt vier Startups, die im Wettbewerb miteinander stehen und dennoch vollständig unterschiedliche Lösungen anbieten. Anacode nimmt kurzfristig nicht teil, so dass für Caplena mit Code.it, Insius und Symanto etwas mehr Zeit als geplant zur Darstellung der eigenen Ansätze verbleibt. Hier entsteht gerade ein neues methodisches Gerüst, welches noch sehr in den Anfängen steckt. Toll zu sehen, dass viele junge Menschen Freude an der Schaffung einer eigenen Methode entwickeln. 


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