Global Consumer Trends COVID-19

Die Kauflust kehrt zurück

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Überstanden ist die Corona-Krise zwar noch nicht, jedoch öffnen Geschäfte, Restaurants und Co. schrittweise wieder ihre Pforten. Eine Studie des Panelanbieters Dynata wirft einen Blick auf die am härtesten von der Krise betroffenen Sektoren und untersucht, in welchem Maße Kunden dorthin zurückkehren und was es braucht, damit die Branchen wieder florieren.
Die aktuelle Studie bildet den dritten Teil der Insights-Serie „Global Consumer Trends COVID-19“ und trägt den Beinamen „The Reopening“. Während sich die beiden vorangegangenen Studien dem Verstehen von Pandemie und neuer Normalität widmeten, liegt der Fokus des dritten Teils auf der Wiedereröffnung der von der Pandemie am stärksten betroffenen Sektoren – darunter Airlines, Hotels, öffentliche Verkehrsmittel und Gastronomie. Untersucht wurde, wie sich die Haltung der Verbraucher gegenüber diesen Sektoren geändert hat und was es braucht, damit letztere wieder auf die Beine kommen. Befragt wurden dafür 11.000 Konsumenten aus 11 Ländern, darunter auch Deutschland, in einem firmeneigenen Forschungspanel. Der Befragungszeitraum lag im Juni diesen Jahres.

Verbraucher genießen zurückgewonnene Freiheiten mit Vorsicht

Die erste von Dynata betrachtete Kategorie, die der Airlines, zeigt, dass die Menschen sich erst einmal langsam und vorsichtig zurück in die „alte“ Normalität bewegen. So gaben 30 Prozent der Befragten an, dass sie sich unwohl fühlen, wenn sie daran denken, direkt nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen wieder zu fliegen. Der Anteil derer, die sich mit diesem Gedanken komplett oder sehr gut anfreunden können, ist in Deutschland und China mit jeweils 34 Prozent am höchsten. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass Geschäftsreisende weniger Hemmungen haben, schnell wieder zu fliegen, als Freizeitreisende. Bei der Frage danach, wie Airlines ihren Kunden die Rückkehr zu Flugreisen angenehmer gestalten können, stießen die Desinfektion des Flugzeugs zwischen den Flügen, die Reinigung der Bordtoiletten nach jeder Benutzung, die Einhaltung von Social-Distancing-Maßnahmen sowie ein erhöhtes Maß an Sauberkeit in Flughafen und Flugzeug auf die höchste Zustimmung.


Methode
In der Studie wurden 11.000 Teilnehmer aus 11 Ländern in einem firmeneigenen Forschungspanel befragt. Der Befragungszeitraum lag im Juni diesen Jahres.
Dass Kunden großen Wert auf Social Distancing, Reinigungs- und Sicherheitsmaßnahmen legen, kristallisiert sich auch in anderen Branchen heraus. So wünschen sich die Befragten Reinigungsequipment in Hotelzimmern (50 Prozent) und eine Maskenpflicht für Personal und Gäste (45 Prozent). In der Hotelbranche ist die Unsicherheit von Freizeitreisenden noch um einiges höher als bei Flugreisen: 70 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich unmittelbar nach Aufhebung der Reisebeschränkungen in einem Hotel unwohl fühlen würden. In Deutschland liegt dieser Wert bei 61 Prozent.

So viel zu den Rahmenbedingungen für das Reisen. Doch wie sieht es mit Urlaub in der Phase des Re-Openings aus? 84 Prozent der Studienteilnehmer haben ihre Urlaubspläne aufgrund der Pandemie geändert, und mehr als ein Drittel plant, dieses Jahr im eigenen Land Urlaub zu machen. Die Zahl derer, die beabsichtigen, in ihrem Heimatland zu bleiben, ist in Italien (52 Prozent), China (51 Prozent) und Spanien (48 Prozent) am höchsten. In Deutschland liegt dieser Wert bei knapp 30 Prozent. Auch im Urlaub werden viele zunächst Sicherheit walten lassen und beispielsweise touristische Brennpunkte und Themenparks meiden (35 beziehungsweise 19 Prozent).
Im Schnitt sagen nur 38 Prozent der Geschäfts- und 31 Prozent der Freizeitreisenden, dass sie sich wohl beim Gedanken fühlen, direkt nach Lockerung der Reisebeschränkungen in einem Hotel zu übernachten.
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Im Schnitt sagen nur 38 Prozent der Geschäfts- und 31 Prozent der Freizeitreisenden, dass sie sich wohl beim Gedanken fühlen, direkt nach Lockerung der Reisebeschränkungen in einem Hotel zu übernachten.
Durch Social-Distancing-Maßnahmen und Home-Office ist nicht nur die Zahl der Flugreisenden und Hotelgäste zurückgegangen, sondern auch die der Menschen, die den Nah- und Fernverkehr nutzen. Das ändert sich nun langsam wieder: Laut Studie haben sich die Fahrgastzahlen derer, die nach eigener Aussage „häufig“ öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um knapp 60 Prozent erholt; unter den Pendlern sind 39 Prozent wieder zur täglichen Fahrt zurückgekehrt. Auch hier trägt eine regelmäßige Reinigung der Transportmittel wesentlich zum Wohlbefinden der Menschen bei (53 Prozent). Die Macher der Studie prognostizieren allerdings, dass diese Branche Probleme bei der Einrichtung und Aufrechterhaltung von Präventivmaßnahmen gegen das Corona-Virus haben könnte, da hier viele Menschen oft nah beieinander sind.

Wachsende Unterstützung für kleine Unternehmen

Eine der von der Pandemie am härtesten getroffenen Kategorien ist die der kleinen Unternehmen. Diejenigen, die die Krise überstanden haben, können allerdings mit gewachsenem Support aus der Gesellschaft rechnen. Vor der Pandemie stimmten 36 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass sie ein kleines Unternehmen gegenüber einem großen bevorzugen würden. Jetzt sagt knapp die Hälfte, dass sie sich eher dazu verpflichtet fühlen, kleineren Unternehmen zu helfen als großen. Ein Blick auf das Alter der Befragten zeigt: Diese Haltung wird von der älteren Generation stärker vertreten als von der jüngeren. 57 Prozent aller befragten Babyboomer und nur 38 Prozent der Generation Z sagen, sie fühlen sich dazu verpflichtet, kleine Unternehmen zu unterstützen. Millennials und die Generation X liegen mit 45 Prozent beziehungsweise 50 Prozent dazwischen. Interessanterweise, so die Studienherausgeber, gab es bei diesem Thema vor der Krise zwischen den Generationen kaum Unterschiede.
Während sich vor der Krise 36 Prozent der Befragten in Deutschland dazu verpflichtet fühlten, kleinere Unternehmen zu unterstützen, stimmen dieser Aussage mittlerweile knapp 50 Prozent zu.
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Während sich vor der Krise 36 Prozent der Befragten in Deutschland dazu verpflichtet fühlten, kleinere Unternehmen zu unterstützen, stimmen dieser Aussage mittlerweile knapp 50 Prozent zu.
Das Fazit der Studie kommt wenig überraschend: Wenn Social-Distancing- und Hygienemaßnahmen eingeführt beziehungsweise eingehalten werden, hilft dies Unternehmen dabei, schneller wieder Kunden zurückzugewinnen. Zu sehen ist das beispielsweise an den Ergebnissen in der Kategorie Gastronomie, wo solche Maßnahmen die Zahl derer, die innerhalb des ersten Monats nach Wiedereröffnung ein Restaurant besuchen, von 46 Prozent auf 60 Prozent anheben könnte. Aber die Verbraucher wollen auch selbst Kontrolle über Hygienemaßnahmen haben, wie unter anderem der Wunsch nach Reinigungsprodukten in Hotelzimmern zeigt. Beruhigend für alle Branchen dürfte die Prognose sein, dass sich die Pläne der Menschen durch die Krise zwar verzögert haben, ihre Kauflust jedoch zurückkehren wird.


Lesen Sie auch das Firmenprofil von Dynata im p&a mafonavigator>>
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