General Online Research Conference

Was die Forschung zu Fake News zu sagen hat

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Wie verbreitet sind Fake News wirklich? respondi und Global Progress fanden heraus, dass 25 Prozent aller in Deutschland, Frankreich und Großbritannien Befragten es für möglich halten, dass an den bekanntesten Fake News Stories etwas dran sein könnte.
© respondi/Global Progress
Wie verbreitet sind Fake News wirklich? respondi und Global Progress fanden heraus, dass 25 Prozent aller in Deutschland, Frankreich und Großbritannien Befragten es für möglich halten, dass an den bekanntesten Fake News Stories etwas dran sein könnte.
An Tag 1 stand auf der GOR auch eine Session zu den sehr aktuellen Themen Hate Speech und Fake News auf der Agenda. Hier gewährten die Vortragenden unter anderem Einblicke in ihre Forschung zur Verbreitung von Fake News in sozialen Netzwerken und die Haltung der Gesellschaft zur Regulierung von Hassrede im Internet.
Den Anfang machten Bernhard Clemm vom European University Institute und Paul Bauer vom MZES Mannheim in ihrem Vortrag mit dem Titel „Believing and Sharing Information by Fake Sources: An Experiment“. Anlass für ihre Forschung war der aktuell zu beobachtende Vertrauensschwund in westliche Nachrichtenmedien sowie die steigende Popularität von Fake News. Zu Beginn stellten sich die Forscher die Frage: Inwiefern bestimmen Quellen, ob Menschen Informationen teilen oder glauben? In einer Online-Umfrage, die im März 2019 unter 1.980 Befragten durchgeführt wurde, wurden den Teilnehmern verschiedene Nachrichtenbeiträge präsentiert, so zum Beispiel ein und derselbe Beitrag, einmal mit einer renommierten Nachrichtenagentur als Autor, einmal mit einer erfundenen. Eines der Ergebnisse war hier, dass die Teilnehmer beim Beitrag der tatsächlichen, bekannte Quelle eher das Gefühl hatten, dass der Nachrichtenbeitrag wahr ist, als bei der anderen.

Fake News und soziale Netzwerke

In einem zweiten Beitrag, präsentiert von Jennifer Roberton von respondi und Matt Browne vom Netzwerk Global Progress, ging es um die Auswirkungen von Sozialen Medien auf den demokratischen Diskurs einerseits, und die Auswirkung von Fake News auf das Image der Sozialen Netzwerke andererseits. Um diese Themen zu beleuchten, forschten die Verantwortlichen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Dabei kam heraus, dass 25 Prozent aller Befragten es zumindest für möglich halten, dass an den bekanntesten Fake News – von der Wirkung homöopathischer Arznei bis hin zur Existenz des Loch Ness Monsters – etwas dran sein könnte. Die Forscher unterteilten die Studienteilnehmer schließlich in vier Cluster ein, von denen Roberton und Browne zwei genauer vorstellten: Die „Bourgeoisie“, die überwiegend männlich ist, eher Mainstream-Medien konsumiert und einen höheren sozialen Stand aufweist, und die „Fakists“, die vermehrt soziale Medien nutzen, einen niedrigen Bildungsstand haben und als Gegner des Establishments einzustufen sind.


Das Fazit der Forscher: An Fake News zu glauben ist ein politisches Statement – denn wer an eine glaubt, so die Studie, glaubt wahrscheinlich auch an weitere, auch wenn diese thematisch nicht zusammenhängen. Des Weiteren zeigen sich die „Fakists“ sehr wohlwollend gegenüber Facebook eingestellt, da ihnen diese Plattform im Gegenteil zu den Mainstream-Medien eine Stimme verleiht. Im Endeffekt, so die Vortragenden, profitiert Facebook also von Fake News: Einerseits finanziell durch Ad Revenue, andererseits politisch, da die „Fakists“ sich oftmals gegen härtere Regulationen für Facebook und Co. aussprechen.

Hate Speech ist nicht gleich Hate Speech

Im letzen Vortrag der Fake News und Hate Speech Session stellte Simon Munzert von der Hertie School of Governance in Berlin die Forschung seines Teams vor. Dieses fragte sich, wie die Menschen zur Regulation von Hate Speech im Internet stehen. Was finden sie inakzeptabel und wie würden sie Hassrede bestrafen, wenn überhaupt? Diesen Fragen gingen die Forscher in einem Online-Panel auf den Grund, in dem in Deutschland und den USA jeweils 1.300 Menschen befragt wurden. Die Panelisten sollten sich hierbei in die Lage eines Content Moderators versetzen.

Eine Mehrheit von ihnen ist recht kulant, was Hasskommentare angeht, und fordert keine drakonischen Strafen wie beispielsweise einen lebenslangen Bann von der Plattform, auf der die Hassrede verbreitet wurde. Das Löschen eines Posts findet schon eher Zuspruch. Weitere Konsequenzen, wie zum Beispiel das Zahlen einer Strafe, werden jedoch nur von wenigen befürwortet. Was den Forschern außerdem auffiel, ist, dass die Befragten durchaus zwischen Art und Grad der Hassrede unterscheiden. So werden bei starken Beleidigungen oder Gewaltandrohungen eher Strafen gefordert, und auch Hate Speech gegenüber Frauen und Muslimen wurde als schlimmer empfunden als Beleidigungen aufgrund einer bestimmten Parteizugehörigkeit.
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