Gallup Engagement Index

Deutsche Arbeitnehmer fühlen sich allein gelassen

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Die Digitalisierung stellt Unternehmen und deren Mitarbeiter vor große Herausforderungen. Hierbei wünschen sich die Deutschen mehr Unterstützung durch ihren Arbeitgeber: Das geht aus dem aktuellen Gallup Engagement Index hervor. Auch bei der Bindung an ein Unternehmen herrscht Aufholbedarf, denn die meisten Befragten machen lediglich Dienst nach Vorschrift.

Im Gallup Engagement Index werden seit 2001 jährlich Arbeitsumfeld und Führungskultur in Deutschland sowie die emotionale Bindung von Arbeitnehmern an das eigene Unternehmen beleuchtet. Die Studie gibt dabei auch Auskunft über Engagement und Motivation der befragten Arbeitnehmer. Im Rahmen der aktuellen Studie wurden 1.000 zufällig ausgewählte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahren telefonisch interviewt. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 15. Februar und dem 15. März 2019.



Weiterbildungsmöglichkeiten, Motivation und emotionale Bindung: Der Engagement Index von Gallup bestätigt, dass diese drei Faktoren stark voneinander abhängen. Das zeigen beispielsweise folgende Zahlen: 34 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer fühlen sich von ihrem Unternehmen bei der digitalen Weiterbildung im Stich gelassen. Dabei glaubt die Hälfte von ihnen, dass sie ihre derzeitigen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbauen müssten, um in ihrem aktuellen Aufgabenbereich effektiver zu arbeiten. Bei denjenigen, die uneingeschränkt der Aussage zustimmten, ihr Unternehmen unterstütze sie beim Ausbau dieser Fähigkeiten – das waren 21 Prozent – ist die emotionale Bindung dreimal so hoch wie bei Arbeitnehmern, die der Aussage nicht zustimmen.
Lediglich 15 Prozent der befragten Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit.
© Statistisches Bundesamt / Gallup
Lediglich 15 Prozent der befragten Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit.
Dabei ist die emotionale Bindung sowohl für das Unternehmensklima als auch für dessen Erfolg von großer Bedeutung. Laut der Studie machen 69 Prozent der befragten Deutschen lediglich Dienst nach Vorschrift, und 16 Prozent haben innerlich bereits gekündigt. 650.000 der befragten Arbeitnehmer sind sogar aktiv auf Jobsuche. Nur 15 Prozent hingegen gaben an, mit Herz, Hand und Verstand ihrer aktuellen Arbeit nachzugehen. Das führt laut der Autoren zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 122 Milliarden Euro pro Jahr – und dazu, dass Unternehmen talentierte Mitarbeiter verlieren. Marco Nink, Regional Lead Research & Analytics EMEA von Gallup, sieht hier die Führungskräfte in der Pflicht. Schließlich müssten diese dafür sorgen, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter am Arbeitsplatz adressiert werden. Dazu gehört auch, Weiterbildungsmaßnahmen zu initiieren.
Eine emotionale Bindung an das Unternehmen wirkt sich positiv auf dessen Qualität und Produktivität aus.
© Gallup
Eine emotionale Bindung an das Unternehmen wirkt sich positiv auf dessen Qualität und Produktivität aus.
Dass die Arbeitnehmer oftmals nicht im Fokus der Unternehmen stehen, führt Nink unter anderem auf die Digitalisierung zurück. Doch nicht nur Tools und Technologien verändern sich; auch die Unternehmenskulturen befinden sich im Wandel. Trotz dieser Veränderungen blickt die Mehrheit der Befragten gelassen in die Zukunft. Zwar beobachten 35 Prozent, dass sich ihre Arbeitswelt verändert und dass im Unternehmen im vergangenen Jahr neue Technologien eingeführt wurden, aber 90 Prozent sind sich sicher, dass moderne Technologien, Automatisierung, Roboter oder Künstliche Intelligenz sie nicht verdrängen kann.

Gallup Deutschland ist ein forschungsbasiertes Beratungsunternehmen, das an der Schnittstelle zwischen Ökonomie und Psychologie agiert. Es berät Unternehmen unter anderem im Bereich der Verhaltensökonomie.


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