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© Christoph Welter
Tag 2 in Toronto - neben klassischen Themen stehen heute Diversity and Inclusion und die Projekte und Initiativen junger Researcherinnen und Researcher im Fokus. Für planung&analyse berichtet Esomar-Repräsentant Christoph Welter, MD von Point Blank, vom Weltkongress.

Wie jedes Jahr vergibt die Young Esomar Society (YES) wieder einen Preis für die besten jungen Research-Talente - und das Themenspektrum ist weitgefächerter als je zuvor. Anita Parvic von Bulbshare UK fragt, wie wir von der Ausbeutung von „Testpersonen“ hin zu echter Kollaboration mit Communities kommen. Chris Martin von FlexMR hat untersucht, wie sich künstlerische Darstellung einsetzen lässt, um Insights nonverbal zu kommunizieren, mehr noch, zu inszenieren, um so mehr Empathie für Forschungsergebnisse zu generieren. Und ein besonderes Highlight aus deutscher Perspektive: Fabian Gruß und Sebastian Berger waren als Startup-Gründer ebenfalls mit am Start und pitchten ihre Idee hinter epap, einem Belegverwaltungstool, das auf der Basis von abgespeicherten Kassenbons Nutzer mit passenden Umfragen matcht (planung&analyse hat bereits darüber berichtet).

Die diesjährige Gewinnerin heißt Bianca Saldanha - sie hat sich bei Ipsos India mit den Potenzialen von Sensoren und Wearables beschäftigt. Wenn Sensoren bei Produkttests tatsächliche Nutzungs- und Lifestyle-Muster messen, lassen sich Interview-Insights in neuem Licht interpretieren.

© Christoph Welter
Ebenfalls auf der großen Bühne: Die Teilnehmenden der Research Got Talent Wettbewerbe der vergangenen Jahre. In diesem Programm organisieren nationale Marktforschungsverbände zusammen mit Esomar einen jährlichen Wettbewerb. Studierende erhalten die Chance, in Social Impact Projekten ihre Forschungsskills miteinander zu messen und gleichzeitig wertvolle Arbeit für wohltätige Organisationen zu leisten.

Im Diversity Themenblock stellt das amerikanische Forschungskolletiv MIC (Multicultural Insights Collective) ein komplexes Forschungsprojekt vor, das unter anderem zum Ziel hatte die verschiedenen Einstellungen besser zu verstehen, die hinter Abwehrreaktionen gegen Diversity & Inclusion Initiativen stecken. Es stellte sich heraus, dass bei weitem nicht nur alte weiße Männer Berührungsängste und Abwehrreflexe gegen das Thema zeigen.

Die vielleicht spannendste Erkenntnis ist jedoch: Unternehmen haben einen erheblichen Anteil an der öffentlichen Wahrnehmung des Themas. Die schlimmsten Konsequenzen haben Werbekampagnen, die Diversity & Inclusion vorgaukeln, ohne dass Unternehmen diese Kultur leben… Say-Do-Gap-Dissonanzen dieser Art gießen Öl ins Feuer aller Zyniker und Skeptiker. Andererseits können aber Unternehmen durch inklusive Arbeits- und Service-Kultur einen stark positiven Beitrag in der Gesellschaft leisten und helfen, Diversität und Inklusion zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. 

Was wurde aus all den Plänen?

Am Nachmittag ist es dann an der Zeit für die letzte von insgesamt drei Keynote Speeches. Daniel Quinn (The Forge) hält der Branche den Spiegel vor und fragt: Was wurde aus all den Plänen, die wir im Lockdown geschmiedet haben, dass wir die Dinge anders, neu, achtsamer, besser angehen. Wo ist die schöne neue Marktforschungswelt geblieben? Wir rattern durch Projekte, der Zeitdruck wird immer wilder, wir versuchen privat und beruflich alles nachzuholen, was wir verpasst haben, und machen uns in der verheißungsvollen neuen hybriden Arbeitswelt am Ende mehr individuellen Druck und Stress als je zuvor.

Auf der Strecke bleiben: Mitgefühl, gegenseitiges Verständnis, Empathie, Geduld. Das Ergebnis: Disconnection. Als Gegenmittel empfiehlt Quinn, dass wir uns als Branche einer neuen empathischeren Mission verschreiben: dass wir fördern und fordern, den Menschen und das Menschliche in den Mittelpunkt unternehmerischen Handelns zu rücken. Und wer große Missionen erreichen will, sollte im Kleinen bei der eigenen Arbeitskultur anfangen. Daniel verschreibt uns „Connection“, „Inventiveness“ und „Wonder“: Mehr gegenseitige Unterstützung im Alltag, gemeinsam Ideen ausbrüten und in kleinen Seitenprojekten umsetzen und die eigene Neugier und Begeisterungsfähigkeit immer wieder aktiv trainieren.
© Christoph Welter
Neben all den verschiedenen Inhalten darf aber natürlich auch das Networking nicht zu kurz kommen, besonders nach zwei Jahren Pause… und was wäre ein Esomar Congress ohne seine legendären Parties. Am Montag ging es zum Toronto Craft Beer Market - buchstäblich hunderte verschiedene Biersorten brachten den Forscherspirit in Wallung. Heute Abend öffnet dann der Liberty Grand Entertainment Complex seine Tore für das große Dinner und die Erfahrung lässt vermuten, dass sich irgendwo ein DJ versteckt hat für die After Dinner Party.

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