Entscheidung gefallen

Presserat weist Beschwerde als unbegründet zurück

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Der Presserat hat seine Entscheidung in dem von Forsa, Infas und der Forschungsgruppe Wahlen angestoßenen Verfahren gegen Focus Online bekanntgegeben. Er sieht keinen Verstoß der Redaktion gegen die Sorgfaltspflicht.

Das Onlineportal Focus Online hatte eine Studie zitiert, nach der 58 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass die deutschen Fußballer Ilkay Gündogan und Mesut Özil nach einem öffentlich gewordenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan „auf keinen Fall“ weiter für die deutsche Nationalmannschaft spielen dürften. Weitere 22 Prozent sagten „eher nein“. Diese Umfrage wurde von der Nachrichten-Plattform Focus Online als „repräsentativ“ bezeichnet. Das war im Mai dieses Jahres und hat in der Öffentlichkeit weiter kein Aufsehen erzeugt. Eine von Hunderten Befragungen, die einem in den Medien täglich begegnen.



In Furor versetzt hingegen hat diese Umfrage offenbar die Meinungsforscher von Forsa, Infas und der Forschungsgruppe Wahlen, sie kritisieren die fehlende journalistische Sorgfalt. Focus Online hätte diese Umfrage nicht veröffentlichen dürfen, weil das Befragungsdesign nicht den „allgemein anerkannten wissenschaftlichen Kriterien der empirischen Sozialforschung“ entspreche, so die Begründung für die Beschwerde beim Presserat. Zwei andere Studien mit ähnlicher Fragestellung (von Forsa und Emnid) hätten ganz andere Ergebnisse geliefert.
Presserat: Übersicht der Rügen
Die öffentliche Rüge ist die härteste Sanktion der Beschwerdeausschüsse. Sie muss von der Redaktion in einer ihrer nächsten Ausgaben veröffentlicht werden. Zum Schutz von Betroffenen kann die Rüge auch nicht-öffentlich ausgesprochen werden. Zweitschärfste Maßnahme ist die Missbilligung. Der Presserat empfiehlt eine Veröffentlichung, sie ist jedoch nicht zwingend. Ferner kann der Presserat einen Hinweis an eine betreffende Redaktion aussprechen.
Quelle: Presserat
Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat nun bekanntgegeben, dass er die Verwendung einer Online-Umfrage des Meinungsforschungs-Startups Civey für presseethisch unbedenklich hält. Das Gremium entschied einstimmig, dass die Redaktion ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht gemäß Ziffer 2 des Pressekodex nachgekommen ist.

Aus Sicht des Presserats gab es für die Redaktion keinen Anlass, an der Seriosität ihres Kooperationspartners Civey zu zweifeln. So lagen beispielsweise weder Wettbewerbsklagen noch Maßnahmen der Selbstkontrolle der Markt-und Sozialforschung vor. Vor diesem Hintergrund durfte die Redaktion der Aussagekraft der Ergebnisse vertrauen, so der Presserat weiter. Eine eigene wissenschaftliche Prüfung der Umfragemethodik von Civey sei der Redaktion hier nicht abzuverlangen, heißt es in der Begründung.
Pressekodex

Ziffer 2 Sorgfalt: Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinndarf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden.

Richtlinie 2.1 Umfrageergebnisse: Bei der Veröffentlichung von Umfrageergebnissen teilt die Presse die Zahl der Befragten, den Zeitpunkt der Befragung, den Auftraggeber sowie die Fragestellung mit. Zugleich muss mitgeteilt werden, ob die Ergebnisse repräsentativ sind. Sofern es keinen Auftraggeber gibt, soll vermerkt werden, dass die Umfragdaten auf die eigene Initiative des Meinungsbefragungsinstituts zurückgehen.
Quelle: Pressekodex

Der Presserat weiter in seiner Mitteilung: Die Meinungsforschungsinstitute hatten ihre Beschwerde mit einer Entscheidung des Presserats vom März 2018 begründet, wonach Redaktionen kenntlich machen müssen, wenn Umfragen auf ihren Internetauftritten nicht repräsentativ sind. Die beiden Fälle sind aus Sicht des Presserats aber nicht vergleichbar. Grundlage der damaligen Beschwerde war eine von einer Redaktion auf der eigenen Homepage selbst veranstaltete, leicht manipulierbare Umfrage. Da die Redaktion in diesem Fall Kenntnis von der fehlenden Repräsentativität der Umfrage haben musste, war sie verpflichtet, dies ihren Lesern entsprechend mitzuteilen.


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