Edelman Trust Barometer 2020

Befinden sich deutsche Institutionen in einer Vertrauenskrise?

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Medien, Wirtschaft oder Regierung – egal welchen Akteur man betrachtet, das Vertrauen in Institutionen hierzulande ist relativ gering. Das fanden Forscher im kürzlich veröffentlichten Edelman Trust Barometer heraus. Außerdem bereitet den Deutschen der technologische Wandel und der aktuelle Kurs des Kapitalismus Sorgen.
Das Vertrauens-Barometer des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Edelman Intelligence misst seit 20 Jahren das weltweite Vertrauen in Medien, Regierungen und Wirtschaft. Für das aktuelle Trust Barometer wurden über 34.000 Menschen aus 28 Märkten online befragt.


Global zeigt die Studie einen minimalen Vertrauensgewinn auf: Während der Wert im vergangenen Jahr noch bei 53 Indexpunkten lag, liegt er 2020 bei 54 Punkten. Auch in Deutschland lässt sich ein leichter Anstieg um zwei Prozentpunkte verzeichnen, und zwar auf insgesamt 46 Punkte. Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland, macht in einer Pressemitteilung jedoch deutlich, dass der leichte Vertrauensanstieg im Vergleich zum Vorjahr dennoch kein guter Wert sei.

Medien noch am vertrauenswürdigsten

Das höchste Vertrauen genießen hierzulande noch Medien (49 Prozent), Wirtschaft (48 Prozent), Regierung (45 Prozent) und NGOs (43 Prozent); da alle diese Werte jedoch unter 50 Prozent liegen, stuft Edelman Intelligence sie aber als Ausdruck von Misstrauen ein. Sowohl global als auch national stellten die Marktforscher zudem eine große Kluft zwischen informierter Öffentlichkeit (Personen zwischen 25 und 64 Jahren mit Hochschulabschluss, überdurchschnittlichem Einkommen und hohem Medienkonsum) und breiter Masse fest. Während das allgemeine Vertrauen der informierten Öffentlichkeit insgesamt bei 65 Punkten liegt, liegt das der breiten Öffentlichkeit lediglich bei 51 Punkten. In Deutschland ist die Kluft noch größer, denn hier liegt der Unterschied bei ganzen 20 Punkten.

Doch wie wird Vertrauen überhaupt gemessen? Laut Edelman Intelligence schauten sich die Forscher dafür die Faktoren Kompetenz und Ethik an. Die Kompetenz wird dabei an einer Skala von -50 bis +50 Punkte gemessen. Am besten schneidet in Deutschland noch die Wirtschaft mit bescheidenen fünf Punkten ab; die Regierung hingegen wird mit minus 50 Kompetenz-Punkten abgestraft. Auch im Falle der Ethik stellen die Befragten Wirtschaft (-14 Punkte) und Regierung (-18 Punkte) kein gutes Zeugnis aus.

Deutsche blicken nicht ohne Sorge in die Zukunft

Ähnlich pessimistisch sieht es beim Blick in die Zukunft aus. So fürchten 73 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer, ihren Job zu verlieren; für 50 Prozent geht der technologische Wandel zu schnell vonstatten und 75 Prozent glauben, die Regierung verstehe die heutige Technik zu wenig. Themen wie Automatisierung und Digitalisierung scheinen die Deutschen demnach stark zu beschäftigen. Insgesamt blicken nur 23 Prozent der Befragten in Deutschland optimistisch in ihre Zukunft – pessimistischer sind nur noch Japaner (15 Prozent) und Franzosen (19 Prozent). Dazu passt, dass mehr als die Hälfte (55 Prozent) sagt, der Kapitalismus in seiner heutigen Form schade mehr, als dass er hilft. Eine weitere Zahl aus der Wirtschaftswelt: 92 Prozent sind der Meinung, dass Stakeholder, also Kunden, Mitarbeiter und das lokale Umfeld, für den Erfolg eines Unternehmens wichtiger sind als Shareholder. Die Botschaft an politische und wirtschaftliche Akteure sollte damit klar sein: Um Vertrauen zu gewinnen, sollten sie künftig noch mehr auf die Menschen und ihre Sorgen eingehen.
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