DsiN-Sicherheitsindex 2020

Warum das digitale Sicherheitsgefälle größer wird

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Wie es um die digitale Sicherheit der Deutschen steht hat kürzlich eine Studie des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, dem Bündnis „Deutschland sicher im Netz“ e.V. und dem Marktforscher Kantar untersucht. Dabei kam heraus: Der Sicherheitsindex hierzulande steigt, das IT-Sicherheitsgefälle zwischen Nutzergruppen jedoch auch.
Der DsiN-Sicherheitsindex wird seit sieben Jahren herausgegeben und ist eine Kooperation des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), des Bündnisses „Deutschland sicher im Netz e.V.“ (DsiN) und dem Marktforschungsunternehmen Kantar. In der Studie wird die digitale Sicherheitslage von Internetnutzern in Deutschland untersucht und in einem Indexwert auf einer Skala von 0 bis 100 abgebildet. Befragt wurden über 2.000 Menschen online; der Befragungszeitraum lag im Februar und März diesen Jahres, also noch vor dem Corona-bedingten Lockdown. Die Befragten wurden dabei in fünf Nutzertypen eingeteilt: bedachtsame, antreibende, gutgläubige, fatalistische und außenstehende Nutzer.
Das digitale Sicherheitsniveau in Deutschland erreicht seinen Höchstwert seit vier Jahren. Die Macher der Studie führen das auf einen Rückgang der durch die Befragten registrierten Sicherheitsvorfälle sowie einen Anstieg des Sicherheitswissens zurück.
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Das digitale Sicherheitsniveau in Deutschland erreicht seinen Höchstwert seit vier Jahren. Die Macher der Studie führen das auf einen Rückgang der durch die Befragten registrierten Sicherheitsvorfälle sowie einen Anstieg des Sicherheitswissens zurück.

Mehr Wissen, weniger Sicherheitsvorfälle

Zunächst scheinen die Ergebnisse der Studie durchweg Positives zu verlauten: Im Vergleich zum Vorjahr ist der DsiN-Index um 0,5 Indexpunkte auf 62,8 Punkte angestiegen und somit im zweiten Jahr in Folge gewachsen. Außerdem verfügen die Befragten über ein so großes digitales Sicherheitswissen wie noch nie (89 Punkte). Das kann beispielsweise daran festgemacht werden, dass 98,5 Prozent wissen, dass das bedachte Verwenden von Passwörtern, darunter die Verwendungen unterschiedliche Passwörter für unterschiedliche Zwecke, wirksamen Schutz bei Online-Aktivitäten bietet. Drittens verzeichnen die Herausgeber der Studie einen Rückgang der durch die Befragten registrierten Sicherheitsvorfälle, darunter Phishing und Online-Betrug, um -1,3 auf 36,8 Punkte.


Methode
In der Studie wurden über 2.000 Menschen über 16 Jahren befragt. Die Befragung fand im Februar und März diesen Jahres online statt.

Verunsicherung und Diskrepanz zwischen Nutzergruppen nimmt zu

Trotz dieser guten Ergebnisse sollte man das Thema digitale Aufklärung auf keinen Fall ruhen lassen. Besonders zwischen Menschen, die beim Surfen im Internet Sicherheitsvorkehrungen treffen und über großes Wissen in diesem Bereich verfügen, und denen, auf die dies nicht zutrifft, zeigt sich ein starkes Gefälle. Während sich die digitale Sicherheitslage für die antreibenden und bedachtsamen Nutzer insgesamt verbessert hat, werden digital außenstehende Nutzer immer weiter abgehängt. Sie erreichen nur einen Indexwert von 46 Punkten und liegen damit unter der kritischen Schwelle von 50 Punkten. Die mit einem Anteil von 34,9 Prozent größte Gruppe aller Onliner ist die der gutgläubigen Nutzer. Ihr Indexwert liegt bei 58,7 Punkten – Defizite liegen hier laut der Forscher bei der Einschätzung digitaler Risiken und einer großen Wissens-Verhaltens-Lücke.
Das Sicherheitswissen nahm im Vergleich zum Vorjahr zu, die von den Befragten registrierten Sicherheitsvorfälle ab. Dennoch herrscht eine gewisse Unsicherheit.
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Das Sicherheitswissen nahm im Vergleich zum Vorjahr zu, die von den Befragten registrierten Sicherheitsvorfälle ab. Dennoch herrscht eine gewisse Unsicherheit.
Auch gruppenübergreifend steigt das Verunsicherungsgefühl in Deutschland etwas, und zwar um 0,9 auf 29,6 Punkte. Laut der Macher der Studie ist das der bisher höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Unsicher fühlen sich die Befragten vor allem beim Öffnen von E-Mail-Anhängen (56,7 Prozent), dem Austausch vertraulicher Inhalte (40,7 Prozent) und der Nutzung sozialer Netzwerke (39,5 Prozent).

Während das theoretische Sicherheitswissen wie bereits angedeutet zwar größtenteils vorhanden ist, scheitert es oft noch an dessen Anwendung. So liegt die Wissens-Verhaltens-Lücke, das heißt die mangelhafte Umsetzung von eigentlich bekannten Schutzmaßnahmen, bei 51,2 Punkten – ebenfalls Höchststand seit Beginn der Studie. Deutlich wird dies zum Beispiel bei der Bekanntheit und Nutzung von Passwort-Managern: 90,7 Prozent wissen, das es diese Tools gibt, aber nur 30,1 Prozent verwenden sie auch.
„Es gibt eine digitale Verunsicherung in Deutschland, die weiter zunimmt. Wir brauchen ein Gesamtpaket, das Vertrauen schafft. Es geht um nachhaltige Unterstützerstrukturen – bis in jedes Dorf. “
Thomas Tschersich, DsiN-Vorstand

Warum digitale Aufklärung jetzt wichtig ist

Was ist der Grund für diese Diskrepanz, und was kann man dagegen machen? 71,7 Prozent aller Befragten gaben an, ihr Sicherheitswissen künftig öfter in die Tat umsetzen zu wollen. Damit das funktioniert, müssen Informationen zur Online-Sicherheit verständlicher werden, sagen 63,7 Prozent von ihnen. 69,4 Prozent finden, diese Informationen sollten gebündelt zugänglich gemacht werden, beispielsweise auf einer einzigen Website. Auch fordern die befragten Onliner einen bewussteren Umgang mit dem Thema Online-Sicherheit in der Schule (68,4 Prozent), eine Aufklärung von Dienst- und Programmanbietern über mögliche Risiken ihrer Produkte (65,9 Prozent) sowie eine breitere öffentliche Diskussion über das Thema digitale Sicherheit (62,4 Prozent).
Das IT-Sicherheitsgefälle zwischen bedachtsamen und antreibenden Nutzern auf der einen und fatalistischen und außenstehenden Nutzern auf der anderen Seite wird größer.
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Das IT-Sicherheitsgefälle zwischen bedachtsamen und antreibenden Nutzern auf der einen und fatalistischen und außenstehenden Nutzern auf der anderen Seite wird größer.
Eine bessere digitale Aufklärung ist vor allem im Hinblick auf die Tatsache wichtig, dass Online-Angebote immer beliebter werden. So wünschen sich die Befragten mehr digitale Bürgerdienste, damit beispielsweise Kindergeldantrag oder Steuererklärung künftig online eingereicht werden können. Vier von fünf befragte Onliner bevorzugen hier übrigens einen Mix aus Online- und Offline-Angeboten. Online-Shopping ist nach dem Austausch von E-Mails mit 70 Prozent die zweithäufigste Online-Aktivität, und immerhin 52,4 Prozent nutzen soziale Netzwerke. Davon stufen 39,5 Prozent diese als gefährlich ein, was einem Anstieg um 1,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2019 gleichkommt. Dazu passt, dass die Fälle von Belästigungen in sozialen Netzwerken von 6,3 Prozent im Vorjahr auf 9,2 Prozent in diesem Jahr gestiegen sind. All das deutet darauf hin, dass digitale Aufklärung unabdingbar ist – und es noch Aufholbedarf in diesem Bereich gibt. Thomas Tschersich, DsiN-Vorstand, sagt dazu in einer Pressemitteilung: „Wir brauchen ein Gesamtpaket, das Vertrauen schafft. Es geht um nachhaltige Unterstützerstrukturen – bis in jedes Dorf.“


Deutschland sicher im Netz e.V. ist ein gemeinnütziges Bündnis, das Verbraucher und kleinere Unternehmen im sicheren und souveränen Umgang mit der digitalen Welt unterstützt. Dafür bietet es konkrete Hilfestellungen sowie Mitmach- und Lernangebote im privaten und beruflichen Umfeld an. Schirmherr des Vereins ist das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Zur ganzen Studie>>

Lesen Sie auch das Firmenprofil von Kantar im p&a mafonavigator>>


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