DGOF Vorstandsvorsitzender im Interview

„Die DGOF ist wichtiger und zeitgemäßer als vor 10 Jahren“

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Vorstandsvorsitzender der DGOF und Gründer der respondi AG Otto Hellwig
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Vorstandsvorsitzender der DGOF und Gründer der respondi AG Otto Hellwig
Auch in diesem Jahr findet die General Online Research Conference (GOR) veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Online Forschung (DGOF) Corona-bedingt virtuell statt. planung&analyse sprach mit dem DGOF-Vorstandsvorsitzenden Otto Hellwig über die Learnings der letzten Konferenz und die Erwartungen an die kommende GOR im September.
Coronabedingt einmal verschoben, jetzt im September zum zweiten Mal virtuell: Bleibt die GOR jetzt für immer ein virtuelles Event? Zum Thema und zur online-affinen Zielgruppe würde es ja passen. Würde tatsächlich passen und hat auch Vorteile. So sehen wir, dass die Einreichungen und das Publikum im letzten und auch in diesem Jahr immer internationaler werden. Wir wissen aber auch, dass die GOR-Community eine große Familie ist, die die persönliche Begegnung schätzt und so planen wir bereits jetzt eine GOR 22 als Präsenzveranstaltung in Berlin mit richtigem Get-Together und richtiger Party. Wir denken aber auch über Möglichkeiten nach, virtuell den Vorträgen folgen zu können.

Welche Learnings haben Sie aus dem vergangenen Jahr gezogen. Was wird definitiv anders werden, was hat sich bewährt?
Wenn ich mich recht erinnere, war die GOR die erste virtuelle Marktforschungskonferenz aus Deutschland und wir hatten nur wenige internationale Benchmarks. Umso erfreuter waren wir, dass alles Inhaltliche und Technische super klappte. Trotz fehlender Präsenz gab es anregende Diskussionen und spannende Auseinandersetzungen. So auch das Feedback aus unserer Nachbefragung. Zu kurz kam das Netzwerken und die persönliche Begegnung. Um hier zu verbessern, entwickeln wir unter dem Arbeitstitel GOR Social gemeinsam mit unseren Mitgliedern neue Formate, mit denen auch virtuelle mehr Nähe entsteht.

Welche Schwerpunktthemen werden in diesem Jahr behandelt? Die GOR 21 staffelt sich in die vier Tracks Umfrageforschung, Data Science, Politische Forschung und Marktforschung. Wir haben einen spannenden Best Practice Wettbewerb, bei dem sechs Institute miteinander um den Best Practice Award ringen, zwei hoffentlich lehrreiche und kurzweilige Keynotes und unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema, wie die Demoskopie 16 Tage vor der Bundestagswahl aufgestellt ist.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich habe mich vor allem über die Zusage von Christina Elmer vom Spiegel als Keynote-Speakerin gefreut. Wer Frau Elmer noch nicht kennt, dem sei der DGOF Podcast mit ihr empfohlen. Frau Elmer hat beim Spiegel das Ressort Datenjournalismus aufgebaut und berichtet in ihrer Keynote über den sehr großen Einfluss der Pandemie auf ihre tägliche Arbeit als Datenjournalistin.

Anders als vor 20 Jahren, als die DGOF gegründet wurde und viele Forscher noch die Nase gerümpft haben, ist Online-Forschung längst normal. Jetzt hat auch noch die qualitative Forschung – gezwungenermaßen – das Internet als Forschungsplattform entdeckt. Ist ein Verband für Online-Forschung noch zeitgemäß? Ich finde die DGOF ist sogar wichtiger und zeitgemäßer als zum Beispiel vor zehn Jahren. Vor zehn Jahren war die erste Stufe der Digitalisierung der Marktforschung, der Umstieg von Offline- auf Online-Befragungen, im Prinzip abgeschlossen. Online war die dominante Methode im Erhebungsset und Horst Müller Peters beendete 2010 seine GOR-Keynote in Pforzheim zum Stand der Online-Forschung mit dem berühmten Ausspruch: Mission erfüllt. Heute befinden wir uns in den Anfängen einer zweiten Stufe, in der alle Phasen einer Forschungsstudie, wie Analyse und Präsentation, digital und intelligenter werden und obendrein ändern neue Player unsere alten Geschäftsmodelle. Ich denke, da braucht es mehr als je zuvor einen Verband, der seine Wurzeln im Digitalen hat und Innovationen umarmen, begleiten und vorantreiben kann. Schauen wir auf das Beispiel Civey, die wir schon vor Jahren als Mitglied aufgenommen haben, weil wir deren Entwicklung spannend fanden und Civey bereit war, sich als DGOF-Mitglied der Diskussion um Qualität und Mehrwert zu stellen. Erst seit kurzem ist Civey auch Mitglied im ADM, was wir als eine Art Bestätigung unserer Arbeit betrachten. Man sieht daran, dass wir beim Thema Innovation und zweite Stufe der Digitalisierung den anderen Verbänden noch einige Jahre voraus sind. Das macht die DGOF wichtig und zeitgemäß, auch beim Thema qualitative Online-Forschung.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Die virtuelle GOR im September
Die General Online Research Conference wird jährlich von der Deutschen Gesellschaft für Online Forschung in Kooperation mit einem Partner veranstaltet. Ziel ist der branchenübergreifende Austausch über die neuesten Entwicklungen in der Online-Forschung. Dieses Jahr findet die Konferenz vom 8. bis 10. September 2021 virtuell statt.
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