Destatis

Warum das Statistisches Bundesamt neuen Datenquellen und Verfahren auf der Spur ist

   Artikel anhören
© Pixabay
Für die statistischen Ämter ist die Weiterentwicklung von Methoden ein gesetzlicher Auftrag. Derzeit arbeitet das Statistische Bundesamt an der schnelleren Veröffentlichung des wirtschaftlichen Frühindikators aber auch an der Bevölkerungsdarstellung mit Mobilfunkdaten und an der Ermittlung wirtschaftlicher Aktivitäten mit Sateliten.
Einmal im Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt (Destatis) Daten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Derzeit liegen Ergebnisse zum Bruttoinlandsprodukts (BIP) 45 Tage nach Quartalsende vor. Es wird jedoch ein Verfahren erprobt, mit dem man wesentlich schneller, etwa nach 10 Tagen, ein sogenanntes BIP-Nowcast veröffentlichen könnte.


Der Frühindikator bezieht neben ersten amtlichen Basisdaten für ein abgelaufenes Quartal weitere nichtamtliche Konjunkturindikatoren ein. Dazu gehört etwa der Umsatzindex für den Groß- und Einzelhandels, der Auftrags- und Produktionsindex, die Außenhandelsstatistik, der Umsatzindex für das Gastgewerbe, Berichte über den Auftragseingang im Baugewerbe und weitere Konjunkturstatistiken. Hinzu kommt ein gewisser Anteil an Schätzungen. Wenn es schneller gehen soll, muss der Anteil an Schätzdaten erhöht werden.

Wie das gehen kann, wird auf der Plattform EXDAT veröffentlicht. Hier finden sich Werkstattberichte zur Entwicklung solcher neuen digitalen Methoden in der amtlichen Statistik. Dort werden auch die Unterschiede in der Vorgehensweise bei einer Prognose, einem Nowcast und einem Flash Estimate erklärt. Mit der Machbarkeitsstudie zum BIP-Nowcast nimmt das Statistische Bundesamt nach eigenen Angaben eine Vorreiterrolle unter den Statistikbehörden in Europa ein.


Für die statistischen Ämter ist die Weiterentwicklung von Methoden ein gesetzlicher Auftrag. Derzeit wird auch an einer Smart Business Cycle Statistics mit Satellitendaten gearbeitet. Satelliten kommen für die amtliche Statistik als Datenquelle infrage, da sie die Erdoberfläche großflächig in kurzen zeitlichen Abständen aufnehmen. Erkennbar werden dabei Spuren wirtschaftlicher Aktivitäten. So lassen zum Beispiel das Schiffsaufkommen und die Zahl der Container in Häfen auf Handelsaktivitäten und Produktionszahlen schließen. Die Belegung der Parkplätze vor Geschäften könnte Aufschluss über aktuelle Umsatzzahlen geben.

Ein weiteres Projekt ist die Nutzung der Mobilfunkdaten für die Bevölkerungsdarstellung. Dort vollzieht sich ein Perspektivwechsel von einer statischen hin zu einer dynamischen Betrachtung. Diese Dynamik lässt sich mit traditionellen Befragungen nicht erfassen. Mittels anonymisierter Mobilfunkdaten scheint dies jedoch aufgrund ihrer zeitlich umfangreichen und räumlich genauen Auflösung möglich.
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen und akzeptiere diese.
stats