D21-Digital-Index

So steht es um die Digitalisierung in Deutschland

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Die Lust der Deutschen auf Digitalisierung wächst: Aktuell gibt es hierzulande mehr digitale Vorreiter als je zuvor, und auch die Auswirkungen des digitalen Wandels werden eher positiv eingeschätzt. Dennoch gibt es Diskrepanzen, was den Digitalisierungsindex angeht, vor allem zwischen Internetnutzern mit hoher und niedriger Bildung. All das geht aus dem D21-Digital-Index 2019/2020 hervor.
Die von der Initiative D21, Deutschlands größtem gemeinnützigen Netzwerk für die Digitalisierung, in Auftrag gegebene Studie erfasst neben dem Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung auch deren Anpassung an den technologischen Fortschritt. Insgesamt wurden 20.322 Interviews unter Deutschen ab 14 Jahren durchgeführt, davon 2.019 mit vertiefenden Fragen, und zwar im Befragungszeitraum von August 2018 bis Juli 2019. Die Durchführung der Befragung übernahm Kantar.

Der Digitalisierungsgrad steigt

„Die Deutschen haben Lust auf Digitalisierung“, fasst Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21, die Ergebnisse des Digital-Indexes in einer Pressemitteilung zusammen. Denn in der Studie lässt sich beobachten, dass mit fortschreitendem technischen Wandel auch der Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung wächst: Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten liegen die Deutschen aktuell bei 58, was einem Anstieg von drei Punkten im Vergleich zum Vorjahr gleichkommt. Grund dafür ist ein Anstieg in allen vier Subkategorien Zugang (+4 Punkte), Kompetenz (+3 Punkte), Nutzungsverhalten (+4 Punkte) und Offenheit gegenüber digitalen Themen (+1 Punkt).


Generell sind 86 Prozent aller Befragten im Internet unterwegs, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – darunter auch ältere Generationen: 81 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 52 Prozent der über 70-Jährigen sind nach eigener Aussage online unterwegs. Bei den Onlinern ist auch das mobile Internet durchaus beliebt: 74 Prozent nutzen dieses (+6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Die übrigen 14 Prozent, die sogenannten Offliner, verzichten vor allem aus fehlendem Interesse (78 Prozent), zu hoher Komplexität (33 Prozent) und mangelndem Nutzen (30 Prozent) auf die Internetnutzung.
Das Internet ist bei den Deutschen vor allem zur Buchung von Reisen und Unterkünften sowie zur Nutzung von Lieferdiensten beliebt.
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Das Internet ist bei den Deutschen vor allem zur Buchung von Reisen und Unterkünften sowie zur Nutzung von Lieferdiensten beliebt.

Digitale Vorreiter erstmals größte Nutzergruppe

Die Studie kategorisiert die Deutschen in drei Nutzergruppen: digital Abseitsstehende, die 18 Prozent der digitalen Gesellschaft ausmachen (-3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr), digital Mithaltende, zu denen sich 38 Prozent zuordnen lassen (-4 Prozentpunkte) und die erstmals größte Gruppe der digitalen VorreiterInnen mit 44 Prozent (+7 Prozentpunkte).

Bei der Einordnung spielen vor allem Alter, Bildungsgrad und Berufstätigkeit eine Rolle. So erreichen Berufstätige einen Indexwert von 73, nicht Berufstätige nur einen Wert von 46. Während Menschen mit hoher Bildung einen Wert von 71 aufweisen, liegt jener von Deutschen mit niedrigerer Bildung nur bei 40. Diese Diskrepanz spiegelt sich auch im Online-Verhalten wider: Befragte mit hoher und mittlerer Bildung sind zu knapp 90 Prozent online, jene mit niedriger Bildung nur zu 64 Prozent. Dass das Internet jedoch immer mehr zum Alltagsbestandteil wird zeigt sich unter anderem darin, dass 28 Prozent schon einmal erlebt haben, dass sie einen bestimmten Dienst, beispielsweise den Check-In in einem Hotel, nur per Internet nutzen konnten.

Positive Auswirkungen der Digitalisierung erwartet

Wie prägend der digitale Wandel für die Gesellschaft ist, beweisen auch folgende Zahlen: 43 Prozent der Befragten merken nach eigener Aussage, dass die Digitalisierung ihre Arbeitsabläufe verändert. Während 40 Prozent der Berufstätigen durch den Wandel neue Jobchancen wittern, sagen fast ebenso viele, er setze sie zunehmend unter Druck. Sorgen sind also durchaus noch verbreitet, auch im Bereich der Datensicherheit: So sind 62 Prozent der Meinung, sie verlieren die Kontrolle über ihre persönlichen Daten, sobald sie diese an einen Anbieter weitergeben.
Am häufigsten nutzen die Befragten Smartphone oder Laptop, die Beliebtheit des einfachen Handys nimmt hingegen ab.
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Am häufigsten nutzen die Befragten Smartphone oder Laptop, die Beliebtheit des einfachen Handys nimmt hingegen ab.
Dennoch glaubt eine Mehrheit, nämlich knapp drei Viertel, sie sei den aktuellen digitalen Anforderungen gewachsen – im Gegensatz zu den Schulen hierzulande, denen nur 36 Prozent aller Befragten ausreichend Digitalisierungsfähigkeiten zuschreiben. Positive Auswirkungen erwarten die Deutschen vor allem in den Bereichen Bildung und Gesundheit: 50 Prozent beziehungsweise 48 Prozent denken, die Digitalisierung wird sich darauf eher positiv auswirken.


Die Initiative D21 ist Deutschlands größtes gemeinnütziges Netzwerk für die Digitalisierung und hat es sich zum Ziel gesetzt, die digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Heute zählt die Initiative rund 200 Mitgliedsunternehmen und -organisationen aller Branchen sowie politische Partner von Bund und Ländern.
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