Corona Insights Study

So steht es um die Corona-Kompetenz in Deutschland

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In Zeiten der Corona-Pandemie helfen viele Marktforscher dabei, die Auswirkungen des Virus auf die menschliche Psyche und das gesellschaftliche Zusammenleben zu untersuchen. So auch das Schweizer LINK Institut, das in Kooperation mit den Marktforschungsunternehmen GapFish und Eye Square Menschen in der DACH-Region zu Corona befragt hat.
Der Studie zugrunde liegt die Corona Insights Study, in der 900 Personen in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz in Online-Panels unter anderem dazu befragt wurden, wie sie den Umgang von Akteuren aus Politik, Medien oder Wissenschaft mit der Corona-Krise bewerten. Zur Anwendung kam eine assoziative Reaktionszeitmessung, um spontan ablaufende Bewertungs- und Entscheidungsprozesse zu erfassen, sowie ein mouse-basiertes Attention Tracking, das der Erfassung automatisch ablaufender Aufmerksamkeitsprozesse diente. Wie stark ein Begriff mit einem Bezugsthema assoziiert wird, zeigt die implizite Wahrnehmungsstärke, deren Wert zwischen 0 (maximal schnelles spontanes Nicht-Zustimmen) und 100 (maximal schnelle spontane Zustimmung) liegen kann.


Häufig werden im öffentlichen Diskurs Vergleiche zwischen dem Corona-Virus und der Grippe gezogen. Die LINK-Studie zeigt nun Parallelen und Unterschiede in der Assoziation bestimmter Begriffe mit den Krankheitsbildern auf. So bringen die Befragten beide stark mit den Begriffen Ansteckung und Krankheit in Verbindung; allerdings wird der Begriff Angst stärker mit Corona assoziiert (87 von 100 Punkten) als mit der Grippe (49 Punkte). Dazu passt, dass die Befragten das Corona-Virus eher als Bedrohung empfinden als die Grippe (92 beziehungsweise 56 Punkte).

Ältere Generationen sind entspannter

Trotz der Sorgen und Ängste bezüglich der Pandemie wird diese länderübergreifend sehr stark mit dem Begriff Solidarität assoziiert. In Deutschland liegt der Wert hier bei 87 Punkten, in der Schweiz sogar bei 96. Werte ab 80 können laut der Forscher als starke Zustimmung interpretiert werden. Die Kategorie „Hoffnungslosigkeit“ erreicht in Deutschland zwar einen relativ niedrigen Wert von 44, liegt damit aber trotzdem noch vor Österreich (36 Punkte) und der Schweiz (19 Punkte). Die Forscher fanden außerdem heraus, dass jüngere Menschen weniger hoffnungsvoll sind als ältere und das Virus stärker mit Überreaktion, Panikmache und Übertreibung in Verbindung bringen als letztere Gruppe. Die Älteren hingegen assoziieren das Corona-Virus eher mit Besinnung und Hoffnung.
Die Corona-Pandemie wird länderübergreifend mit Solidarität assoziiert. In der Schweiz ist die Hoffnungslosigkeit weniger stark ausgeprägt als in Österreich und vor allem Deutschland.
© LINK Institut
Die Corona-Pandemie wird länderübergreifend mit Solidarität assoziiert. In der Schweiz ist die Hoffnungslosigkeit weniger stark ausgeprägt als in Österreich und vor allem Deutschland.
Auch um die sozioökonomische Zukunft der jeweiligen Länder sind die Befragten besorgt, und auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen den Generationen. So erreicht der Begriff Wirtschaftskrise mit 96 Punkten in Deutschland eine schnelle spontane Zustimmung, genauso wie Arbeitslosigkeit (77 Punkte) und Geldverlust (81 Punkte). Ein Gefühl der Entschleunigung und Entspannung, so die Herausgeber der Studie, steige mit zunehmendem Alter.

Ärzte und Pflegende erhalten Bestnoten

Wie kompetent, fürsorglich, glaubwürdig und informativ agieren wichtige gesellschaftliche Akteure im Umgang mit dem Corona-Virus? Auch diese Frage wurde den Studienteilnehmern gestellt. Dabei fanden die Marktforscher heraus: Deutschland landet in allen vier Kategorien nur auf Platz 3. Im Bereich Kompetenz erreicht die deutsche Bundesregierung 62 von 100 Punkten, im Bereich Fürsorge 63 und im Bereich Glaubwürdigkeit 57 Punkte. Mit 75 Punkten scheint sie den Befragten zwar informativ, jedoch liegt die Schweizer Regierung hier wie auch den anderen drei Kategorien mit Abstand vorne (96 Punkte). Stefan Reiser, Co-Autor der Studie beim LINK Institut, erklärt dies in einer Pressemitteilung damit, dass die Regierungen in der Schweiz und Österreich früher Hygienekampagnen und präventive Verbote einführten als die deutsche Bundesregierung.
Ein weiteres Studienergebnis: Die Corona-Krise wird altersübergreifend mit Stresss und Einsamkeit, aber auch Eigenverantwortung und Rücksicht assoziiert.
© LINK Institut
Ein weiteres Studienergebnis: Die Corona-Krise wird altersübergreifend mit Stresss und Einsamkeit, aber auch Eigenverantwortung und Rücksicht assoziiert.
Am kompetentesten schätzen die Befragten aktuell Ärzte und Pflegepersonal ein. Sie erreichen in dieser Kategorie einen länderübergreifenden Wert von 93 Punkten (Ärzte) beziehungsweise 94 Punkten (Pflegepersonal). In Deutschland liegt dieser Wert bei 89 beziehungsweise 88 Punkten. Zudem werden Ärzte und Pflegende länderübergreifend mit 90 beziehungsweise 94 Punkten auch als glaubwürdigste Akteure eingeschätzt. Hierzulande belaufen sich die Werte in dieser Kategorie auf 84 beziehungsweise 90 Punkte – die implizite Wahrnehmungsstärke in Deutschland ist auch in dieser Kategorie niedriger als in der Schweiz und in Österreich.

Weniger gut schneiden in Zeiten der Pandemie die Medien ab. Sie erreichen in der Kategorie Kompetenz 56 und im Bereich Glaubwürdigkeit 54 Punkte. Immerhin werden die Medien sehr stark mit dem Adjektiv informativ assoziiert (87 Punkte), jedoch gleichzeitig als wenig fürsorglich empfunden (36 Punkte). Am wenigsten kompetent schätzen die Befragten übrigens ihre Mitmenschen ein: Die Kategorie „Bevölkerung“ erreicht hier nur 30 Punkte. Im Bereich Fürsorglichkeit (58 Punkte), Glaubwürdigkeit (49 Punkte) und Information (43 Punkte) landet sie immerhin noch im neutralen Bereich.
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