BVM zur Initiative der Markt- und Sozialforschung

„Kein totes Pferd reiten“

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Dr. Frank Knapp, Vorstandsvorsitzender des BVM und Vorstandsmitglied Psyma Group AG
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Dr. Frank Knapp, Vorstandsvorsitzender des BVM und Vorstandsmitglied Psyma Group AG
Der Berufsverband der Markt- und Sozialforscher (BVM) hat auf seiner Mitgliederversammlung eine neue Stoßrichtung bekannt gegeben. Mehr Kommunikation und Aufklärung, allerdings nicht via der Initiative für Markt- und Sozialforschung. planung&analyse sprach mit BVM-Vorstand Frank Knapp.

Warum wollen Sie als BVM die Initiative für Markt- und Sozialforschung nicht länger finanziell unterstützen? Wir waren einer der Initiatoren und haben uns inhaltlich und finanziell seit 2008 stark engagiert und hatten hohe Erwartungen. Wir wollten eine Kampagne aufsetzen, die die Bevölkerung erreicht. Wir hatten gehofft, dass wir Sponsoren von Auftraggeberseite finden, die auch Mittel zur Verfügung stellen. So wäre zusammen mit den Verbänden ein Gesamtbudget zusammengekommen, mit dem man wirksame Kommunikation hätte betreiben können. Diese Hoffnung ist nicht aufgegangen. Einen nachhaltigen Erfolg haben wir aus unserer Sicht nicht erreicht.

Der Rückzug ist aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgt. Die Initiative ist ja gerade wieder gestartet, nachdem ihr zwischenzeitlich die Gemeinnützigkeit entzogen worden war. Hätten Sie ihr nicht noch ein wenig Zeit lassen können? Diese Situation hat die Initiative ja nicht an der Arbeit gehindert. Das hat sich aber auch schon vorher abgezeichnet. Wir hatten den Tag der Marktforschung, der dort, wo er mit großem Enthusiasmus betrieben wurde, auch gut funktioniert hat. Aber das galt nicht für alle Standorte und es lief über die Jahre hinweg immer schleppender. Irgendwann macht es keinen Sinn mehr, ein totes Pferd zu reiten. Und wir haben als BVM so viele Aktivitäten, da müssen wir schauen, wo wir Wirkung erzielen können. Deswegen haben wir uns entschieden, zum Ende dieses Jahres die Mitgliedschaft in der Initiative zu kündigen.


Eines der Themen, um das Sie sich verstärkt kümmern wollen, ist die Unterstützung des Rates der Markt- und Sozialforschung. Die Geschäftsstelle liegt seit 2017 beim BVM. Was ist da geplant? Wir investieren relativ viel Zeit in der Geschäftsstelle, um den Rat zu unterstützen. Wir wollen mit einer Beratungsstelle für Beschwerdewillige die Schwelle für eine Beschwerde beim Rat senken. Dafür werden wir ehrenamtliche Mitarbeiter einsetzen - erfahrene, unabhängige  Marktforscher, die helfen, eine Beschwerde zu formulieren oder in bestimmten Fällen die Beschwerde sogar ganz übernehmen. Dann wollen wir in Maßnahmen zur Weiterbildung und Qualitätssteigerung Zeit investieren, wie etwa das bereits durchgeführte Journalistenseminar.

Kann diese Stelle dann auch proaktiv auf Unternehmen zugehen, von denen man vielleicht hört, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht? Wer einen Verdacht hat oder Unregelmäßigkeiten sieht, muss sich schon beim Rat melden. Ansonsten können Mitglieder bei Zweifelsfällen gerne den Kontakt mit dem BVM aufnehmen. Unsere Gremien denken hier für die Zukunft auch über eine Vermittlungsstelle bzw. Ombudsman nach.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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