BVM-Regionalabend

Corona: Zeit für eine Ich-Inventur

   Artikel anhören
© pixabay.com
In einem BVM-Über-Regionalabend, diesmal vom Team aus Rhein-Main organisiert, ging es erneut um die Situation der Marktforschung in Zeiten mit Corona. Nach einem Impulsvortrag wurden Statements zu derzeitigen Problemstellungen und Aufgaben gesammelt. Die Beteiligung des virtuellen Treffens war sensationell: Bis zu 116 Forscher waren mit dabei.
 
„Es gibt kaum einen Lebensbereich, der sich nicht verändert hat“ sagt Beate Rätz vom Berliner Institut Point Blank (zum Firmenprofil im planung&analyse mafonavigator >>) und begründet damit den Ansatz, die Forschung zum Umgang mit Corona recht umfassend anzulegen. Rätz stellte „Die Post-Corona Bedürfnisstudie“ vor, die Point Blank gemeinsam mit der Innovationsagentur Grabarz JMP durchgeführt hat. Mit bis zu 30 Forschern wurde in einem qualitativen, schnellen Projekt eine Bestandsaufnahme in zwei Phasen vorgenommen. Zunächst wurden bis zu 400 Beiträge in einer Online-Community gesammelt, bis zu 111 Teilnehmer wurden dann befragt und deren Feedback ausgewertet. Gewählt wurde ein ethnografischer Ansatz. „Wir haben den Alltag der  Teilnehmer beobachtet, indem wir die Teilnehmer sich selbst beobachten haben lassen“, berichtet Rätz. Die Szenarien waren teilweise dystopisch, aber es vermittelten sich auch hoffnungsvolle, positive Bilder mit ganz neuen Alltagsritualen. Die Forscher spürten eine Dynamik in den Interviews, die sie noch nie zuvor erlebt hatten. Der Lockdown war offenbar eine Art Katalysator für neue Verhaltensweisen. Die Menschen zeigten eine große Offenheit für Neues. Sei es der Silver Ager, der sich mit Video-Tools beschäftigt hat oder andere Skills wie Brotbacken oder auch nur die Erkenntnis, dass mehr Zeit für sich selbst und die Familie gut tun kann. Manche haben gar eine Art Ich-Inventur vorgenommen.


Im zweiten Schritt haben die Forscher von Point Blank und Grabatz Learnings formuliert und Innovationsfelder für eine Nach-Corona-Zeit identifiziert. Hier könnten auch Markenhersteller mit ihren Strategien anknüpfen.

Nach dem Vortrag sammelten Susanne Stahl und Christian Holst, die Organisatoren des BVM-Regionalabend, die Eindrücke der zahlreichen Zuschauer ein. Anhand von vier Leitfragen wurde die aktuelle Situation der Marktforschung beschrieben: Welche Herausforderungen gibt es? Welche Chancen? Wie sieht die Branche in zwölf Monaten aus? Wie kann der BVM unterstützen?


Auf einem Miro-Whiteboard wurden die Beiträge der Teilnehmer gesammelt. Hierbei wurde ähnlich - wie schon beim BVM-Regionalabend aus Köln - die Frage gestellt, wie aussagefähig Studien sind, die derzeit durchgeführt werden. Wann beginnt das New Normal und wie sieht es aus? Es ging um die prekäre Situation von Freelancern, die in Krisenzeiten als Erste ohne Arbeit dastehen. Man diskutierte, ob die gezwungenermaßen entwickelten Techniken der Remote-Befragung nun zum Dauerzustand werden oder es ein Zurück gibt. Es wurde überlegt, ob es noch eine Messe wie die Research&Results geben kann. Die Marktforschung werde noch agiler, noch schneller und dynamischer werden, war eine weitere Prognose. Die Wünsche an den Verband BVM waren: konkrete, praktische Leitlinien für webbasierte DSGVO-konforme Forschung, sich sehr deutlich politisch zu positionieren und eine Qualitätsoffensive zu starten.

Der Vorteil eines solch virtuellen BVM-Abends liegt auf der Hand: Viele Menschen können dabei sein. Bei diesem Event waren bis zu 116 Zuschauer vor den Bildschirmen, darunter etliche Institutsleiter. Die Diskussion ist leider ein bisschen zu kurz gekommen, vielleicht auch weil so viele Menschen dabei waren. Die Nachteile: Kein Smalltalk, kein Handshake und kein Absacker. Für den Moment ist das gut, aber ein Dauerzustand sollte das nicht werden.
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen und akzeptiere diese.
stats