Buzzwords 16-20

Von Viral bis Customization

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Wer eigentlich nichts zu sagen hat, benutzt sie gerne, manchmal trifft man aber auch mit einem knappen, meist englischen Begriff besser den Nagel auf den Kopf als mit langen Beschreibungen. Fabian Müller rechnet mit dem Buzzword-Bingo in Marketing und Marktforschung ab.

16. Viral

Marketer sind ein seltsamen Völkchen: Während sich die Normalbevölkerung vor Viren fürchtet und auch bei 15 Grad im Winter nur behandschuht U-Bahn fährt, bettelt in der Branche jeder um Ansteckung. Möglichst schnell, möglichst billig, möglichst wirksam. Und weil die Nachfrage ja das Angebot bestimmt, wird einfach jeder Social-Clip als viral verkauft. Kunden und Medien nehmen es hin. Gibt’s da auch was von Ratiopharm?

17. Shitstorm

Man muss sich nur mal die deutsche Bedeutung dieses Begriffs vor Augen führen, um seine Absurdität zu erfassen. Shit. Storm. Einfach mal kurz wirken lassen. Seit es Social Media gibt, existiert dieses große Marken-Schreckgespenst – der Worst Case für Community-Manager, der Gegenwind in Tsunami-Form, die Pechmarie unter den User-Reaktionen. Meist ist der Sturm aber schneller ausgestanden als das Wetter umschlägt.

18. Disruption

Wer sich nicht alle paar Monate neu erfindet, wird abgehängt. Ab auf den Gnadenhof. Was in der Personalpolitik vieler Werbeagenturen seit Jahren durchexerziert wird, ist auch für Unternehmen zum Do-or-Die-Thema geworden – vor allem in der Kommunikation: Das Codewort heißt Wandel. Niemand möchte das neue Kodak, jeder aber der große Game Changer sein. Dabei gibt es nichts, das mehr ausbremst und weniger Erfolg verspricht, als ständig über die eigene Disruption zu philosophieren.

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19. Real-time

Dieser Cookie lässt sich nicht mehr löschen: Seit eine amerikanische Keksmarke beim Super Bowl vor fünf Jahren einen Twitter-Coup landete, sind alle Marken auf der Suche nach ihrem „Wenn nicht jetzt wann dann?“-Moment. Für Werbung in Zeitlupe gibt es keine Lobby mehr. Folge: Wenn Deutschland im Januar Dschungelcamp schaut, sind Social-Media-Redakteure gefragt wie nie. In den restlichen elf Monaten wundert sich die Agentur für Arbeit hingegen über Neumeldungen via Instagram und Snapchat.

20. Customization

Weil jeder alles haben kann, stehen die Kunden auf Individualisierung. „Customization“ ist das A und O jedes erfolgreichen Produkts, sei es ein Turnschuh, ein Müsli oder ein Neuwagen. Das sorgt für Begehrlichkeit, Verbundenheit und natürlich Umsatz. Und für krude Folgen: Man darf gespannt sein, wann es wohl personalisierte Buzzwords gibt.

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