Brigitte-Arbeitgeberstudie 2022

Warum Unternehmen attraktiver für Frauen werden müssen - und wie

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Eine aktuelle Studie zeigt die Bemühungen von deutschen Unternehmen beim Thema Gleichstellung auf
© IMAGO / Westend61
Eine aktuelle Studie zeigt die Bemühungen von deutschen Unternehmen beim Thema Gleichstellung auf
Es ist sowohl eine traurige Tatsache als auch ein viel kritisierter Missstand, dass weibliche Angestellte in Deutschland gegenüber ihren männlichen Kollegen nach wie vor benachteiligt sind. Sei es die Höhe des Gehalts, die Quote weiblicher Führungskräfte oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - in den meisten Unternehmen herrscht hier Unausgewogenheit. Die Zeitschrift Brigitte hat sich gemeinsam mit der Agentur Territory Embrace erneut auf die Suche nach den besten Unternehmen für Frauen gemacht.
Dafür wurden HR-Abteilungen und Geschäftsführungen von Firmen in ganz Deutschland bereits zum fünften Mal aufgefordert, einen Online-Fragebogen mit 80 Fragen auszufüllen. Die Fragen zielten auf die Bemühungen der Unternehmen beim Thema Gleichstellung in fünf Bereichen ab: Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Flexibilität der Arbeit, Maßnahmen zur Karriereförderung sowie der Stellenwert von Transparenz und Gleichstellung.

In der Kategorie 'Frauenpower' wurde außerdem bewertet, wie hoch der Frauenanteil in Führungspositionen ist und welche Quoten sich die untersuchten Firmen hier gesetzt haben. In jedem Bereich konnten die Unternehmen ein bis fünf Punkte erreichen. Das Ergebnis: Insgesamt erhielten 167 von 281 Unternehmen Spitzenbewertungen von vier oder fünf Sternen. Somit ist zwar noch deutlich Luft nach oben, doch die Bilanz könnte durchaus schlechter sein.

Die Umfrage zeigt zudem, dass sich in Sachen flexibles Arbeiten viel getan hat: Mittlerweile bieten mit 98 Prozent fast alle befragten Unternehmen Homeoffice an – 2018 waren es noch 86 Prozent. Zudem ermöglicht jede fünfte Firma (18 Prozent) einen frei wählbaren Arbeitsort. In 14 Prozent der Betriebe herrschen sogar komplett flexible Arbeitszeiten.

Allerdings hat die neue Freiheit auch ihre Schattenseiten, die sich für Frauen öfter negativ auswirken als für Männer. So arbeiten weibliche Angestellte öfter aus Vereinbarkeitsgründen von Job und Familie von zu Hause aus, werden durch die geringere Präsenz im Büro aber auch leichter von ihren Vorgesetzten übersehen. Zudem sind Überstunden im Homeoffice verbreiteter als im Büro.

Die Brigitte-Studie ging deshalb auch der Frage nach, wie die Firmen diesen Problemen gegensteuern. 82 Prozent der Studienteilnehmenden gaben an, gezielt Maßnahmen entwickelt zu haben, um Heimarbeitende gegenüber Mitarbeitenden im Büro nicht zu benachteiligen. Konkrete Regelungen, um beispielsweise Überstunden im Homeoffice zu verhindern, sind bislang jedoch eine Seltenheit.

Die aktuelle Studie brachte auch hervor, dass die befragten Unternehmen von Jahr zu Jahr mehr Anreize schaffen, um Familien bei der fairen Verteilung der Sorgearbeit für Angehörige zu unterstützen. So gaben 38 Prozent der Unternehmen an, Jobsharing bis in die höchsten Hierarchieebene anzubieten, 2020 waren es lediglich 15 Prozent. Zudem stellt jede dritte befragte Firma (36 Prozent) Väter zusätzlich zur gesetzlichen Elternzeit nach der Geburt des Kindes bezahlt frei. Immer beliebter werden auch finanzielle Anreize, um die Sorgearbeit fairer unter beiden Elternteilen aufzusplitten – etwa, indem beide sich für eine vollzeitnahe Teilzeit entscheiden können.

Beim Thema Frauenanteil in Führungspositionen besteht laut den Studienergebnissen weiterhin Nachholbedarf. Der durchschnittliche Frauenanteil der analysierten Firmen liegt auf der ersten Führungsebene nur bei 27 Prozent (2021: 26 Prozent), während die Gesamtbelegschaft im Schnitt zu 50 Prozent weiblich ist. Die Höchstpunktzahl in der Kategorie "Frauenpower", die bewertet, wie durchlässig die Hierarchien für Frauen in Firmen sind, erreichten nur 26 der insgesamt 281 befragten Unternehmen.

Ohne Führungskräfte, die Frauen bewusst fördern und in die obersten Unternehmensebenen holen, werde es daher noch lange dauern, bis Führungspositionen paritätisch besetzt sind – so das Fazit des Beirats der Brigitte-Studie. Dem Gremium, das auch den Fragebogen mitentwickelt hat, gehören fünf renommierte Expertinnen an: Die mehrfache Aufsichtsrätin und Senior Advisor Janina Kugel, die Wissenschaftliche Leiterin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung Bettina Kohlrausch, die Fair Pay-Expertin Henrike von PlatenAna-Cristina Grohnert, Vorstandsvorsitzende der Arbeitgeberinitiative "Charta der Vielfalt", und Susanne Hüsemann, Geschäftsführerin von Queb, dem Bundesverband für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting.

Eine Übersicht aller 167 Betriebe mit Spitzenbewertungen von vier oder fünf Sternen sowie weiterführende Ergebnisse und Informationen zur Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Brigitte zu finden. 
Der Beitrag erschien zuerst auf HORIZONT
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