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Die Gefahr des ungeregelten Brexit ist noch nicht gebannt, auch wenn das britische Unterhaus diese Lösung abgelehnt hat? Was würde dieser Schritt für Dienstleister in der Marktforschung bedeuten?

Das britische Parlament stimmte gegen einen ungeregelten Austritt aus der EU. Doch vom Tisch ist das Szenario „No-Deal“ noch lange nicht, denn die Abstimmung ist für die EU rechtlich nicht bindend. Ein chaotischer Brexit ist also noch immer nicht ausgeschlossen. Doch was würde das womöglich für die Marktforschung bedeuten?

Sicher ist: Verlässt das Vereinigte Königreich die EU am 29. März ohne Austrittsabkommen, wird es datenschutzrechtlich automatisch zu einem unsicheren Drittland ohne europäischen Datenschutz. Gemäß der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) müssten Unternehmen,  die Daten nach UK übermitteln alle Dokumente entsprechend überarbeiten.



Besonders betroffen wären davon Unternehmen, die personenbezogene Daten in Großbritannien verarbeiten lassen. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes der digitalen Wirtschaft, Bitkom, trifft dies auf 14 Prozent der deutschen Unternehmen zu.

Da es praktisch keine Zeit zur Vorbereitung gibt, könnte es in Europa zu einem Datenchaos kommen. Laut Achim Berg, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, würde der Datenverkehr ab dem 30. März, mit einem Land wie Uruguay einfacher ablaufen, als mit dem Vereinigten Königreich. Deutsche Unternehmen müssten ihre britischen Geschäftspartner und Kunden behandeln, als säßen sie außerhalb der EU. Eine Missachtung der neuen Bestimmungen, wäre ein Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung und würde entsprechend mit Bußgeldern bestraft werden. „Wer sich auf diesen Fall nicht vorbereitet hat, für den heißt es: In den Notfall-Modus schalten und umgehend sämtliche Datenströme überprüfen, die in das Vereinigte Königreich führen könnten“, so Berg.

Auch der Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. (ADM) hat sich zu der Problematik geäußert und empfiehlt die Richtlinien der Europäischen Datenschutzbehörde. ADM-Vorstandsvorsitzender Bernd Wachter sieht ebenfalls mögliche Vorteile. Der Brexit könnte eine Chance sein, dass sich deutsche Großstädte zu bedeutenden europäischen Start-Up-Szenen für Research und Analytics entwickeln könnten. "Deutschland könnte nach dem Brexit als Hub für internationale Projekte genutzt werden. Eine Rolle, die in der Vergangenheit eher von Unternehmen in Großbritannien denn von deutschen Unternehmen übernommen wurde", so Wachter. Großbritannien ist derzeit weltweit der zweitgrößte Markt für Marktforschung.



Finn Raben, Director General von Esomar, dem Weltverband für Marktforschung, sieht im Hinblick auf den Datenschutz die EU dazu verpflichtet einen Angemessenheitsbeschluss zu erlassen. Darin würde Großbritannien ein angemessenes Datenschutzniveau bescheinigt und somit keine weiteren Genehmigungen benötigt. Raben ist optimistisch, dass sich die datenschutzrechtliche Lage zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich in der Zukunft nicht unterscheiden werde. Wie sich der Brexit – ob mit Austrittsabkommen oder nicht – auf Dienstleister und insbesondere Marktforscher auswirken wird, bleibt weiterhin unklar.

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