Betrugsverfahren

Comscore zahlt fünf Millionen Dollar Strafe

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Das amerikanische Medien-Analyse-Unternehmen Comscore hatte bereits vor zwei Jahren Schlagzeilen gemacht, als es aufgrund von nicht rechtzeitig veröffentlichter Finanzzahlen kurzzeitig der Börse Nasdaq verwiesen wurde. Nun sorgen bei Comscore erneut Zahlen für Ärger: Die United States Securities and Exchange Commission wirft dem Unternehmen Betrug vor.
Den Vorwürfen der SEC, die für die Kontrolle des Wertpapierhandels in den Vereinigten Staaten zuständig ist, stimmt Comscore weder zu noch bestreitet es diese. Das Unternehmen erklärt sich jedoch zu einer Zahlung von fünf Millionen US-Dollar an die Kommission bereit.


Konkret beziehen sich die Anschuldigungen auf den Zeitraum zwischen Februar 2014 und Februar 2016. Im Februar 2016 leitete das Audit-Komitee von Comscore nach Erhalt eines Hinweises eine interne Untersuchung ein. Unter Führung des damaligen CEOs Serge Matta soll Comscore Falschangaben zu seinen Umsatzzahlen gemacht haben. Außerdem, so geht aus dem offiziellen SEC-Bericht hervor, hätten Comscore und Matta in diesem Zeitraum falsche Aussagen zu wichtigen Leistungskennzahlen des Unternehmens gemacht. Dazu zählt zum einen die Zahl der Kunden, zum anderen der Umsatz eines der Hauptprodukte von Comscore. In beiden Fällen suggerierten die angegebenen Zahlen ein Wachstum, obwohl die Zahl der Neukunden und die Höhe des Umsatzes in Wirklichkeit abnahmen. Laut SEC belog Matta damit nicht nur Comscores interne Buchhalter, sondern auch die externe Auditfirma.

Das Analyseunternehmen, so die SEC weiter, habe Datensätze mit anderen Unternehmen ausgetauscht, ohne dafür Geld zu bekommen. Trotzdem habe Comscore auf dem Papier Umsätze aus diesen Transaktionen aufgeführt, um seine Umsatzzahlen zu erhöhen – und zwar um ganze 50 Millionen US-Dollar. Comscore selbst gibt die Vorwürfe nicht zu, streitet sie aber auch nicht ab. In einer Pressemitteilung erklärt sich das Unternehmen dazu bereit, fünf Millionen US-Dollar an die SEC zu zahlen. Matta selbst muss 700.000 Dollar an die Kommission zahlen und darf für die nächsten zehn Jahre nicht als Führungskraft eines öffentlichen Unternehmens fungieren. Außerdem sicherte der ehemalige CEO Comscore eine Rückzahlung von 2,1 Millionen Dollar zu.


Dale Fuller, Interim CEO bei Comscore, sieht die Angelegenheit bereits als abgeschlossen an und gibt sich in einer Mitteilung an die Presse optimistisch: „Comscore konzentriert sich weiterhin auf seine nächste Wachstumsphase, um die Gewinne zu steigern und den Shareholder Value zu maximieren.“ Man habe neben der Zahlung an die SEC weitere Maßnahmen getroffen, um das Betrugsverfahren schnell hinter sich zu bringen, darunter die Auswechslung des ehemaligen CEOs und weiterer Führungskräfte, die Bildung eines neuen Managementteams und die Schaffung neuer interner Kontrollverfahren.

Comscore ermittelt und analysiert plattformübergreifend Mediennutzungsdaten, beispielsweise aus dem Bereich digitales und lineares TV, Over-the-Top und Kino. Bekannt ist es vor allem für die Verfolgung von Websitezugriffen. Mit der Übernahme des TV-Messungs-Spezialisten Rentrak im Jahr 2015 positionierte sich Comscore zudem als Konkurrent zum Marktforscher Nielsen.

Laut einer Berichterstattung von Forbes.com hatte Comscore in diesem Jahr bereits einige Rückschläge zu verzeichnen. So entließ das Unternehmen zehn Prozent seiner Belegschaft, nachdem bereits zwei Führungskräfte ausgestiegen waren, und sein Aktienkurs fiel auf 2,24 US-Dollar.

Serge Matta, der bis 2016 CEO bei Comscore war, ist aktuell Präsident und CEO bei ICX Media, einem auf Videoanalyse spezialisierten Unternehmen.
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