Best Practice Award auf der GOR 2022

„Es ist ein toller Türöffner"

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Auf der General Online Research Conference wird es in diesem Jahr neben zahlreichen Vorträgen mit akademischem Background auch wieder den Best Practice Award geben. Alexandra Wachenfeld-Schell und Yannick Rieder sind die Organisatoren dieses Wettbewerbs und berichten planung&analyse, was Besucherinnen und Besucher erwarten können.

Endlich wieder eine GOR live und in Farbe. Ich freue mich schon auf das Treffen der Online-Marktforscherinnen und -forscher an der HTW in Berlin. Wofür steht die GOR prinzipiell und ganz besonders in diesem Jahr? Yannick Rieder: Die GOR steht immer schon für den Diskurs zwischen betrieblichen Marktforschern und den akademischen Bereichen. Der Fokus liegt zwar auf dem Bereich Online-Research, allerdings ist dieser Bereich ja mittlerweile (fast) allumfassend, wenn man sich allein anschaut, was sich digital alles verwirklichen lässt, und nach wie vor der größte Innovationstreiber innerhalb der Marktforschung.

Nach zwei Jahren physischer Abstinenz steht in diesem Jahr mehr denn je der Austausch im Vordergrund. Das beinhaltet vor allem ein vielseitiges Programm, in dem spannende Ansätze und Cases präsentiert, sowie viele Diskussionsformate realisiert werden. Ein Ziel eint uns doch dabei alle: Tiefere und genauere Erkenntnisse über das menschliche Verhalten zu erlangen. Ich für meinen Teil freue mich jetzt schon darauf, viel Neues zu lernen, inspiriert zu werden, sowie alte und neue Kollegen zu treffen.

Die Interviewpartner

Alexandra Wachenfeld-Schell ist Senior Research Director bei der GIM Gesellschaft für innovative Marktforschung. Zuvor war sie Customer Experience Managerin bei SGBDD und Geschäftsführerin bei forsa.main, einem Full-Service-Institut, das sich auf Markt-, Medien- und Sozialstudien spezialisiert hat. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Bereich der quantitativen Markt- und Sozialforschung. Sie begann ihre Tätigkeit in der Marktforschung vor mehr als 20 Jahren als Projektleiterin beim LINK Institut. Über zehn  Jahre war sie als Forschungsleiterin bei LINK für Strategie, Marketing und Business Development im Bereich der Online-Forschung verantwortlich. Zudem betreute sie in methodischer Hinsicht das aktiv (durch repräsentative Telefoninterviews) rekrutierte LINK Online-Panel. Sie konzentriert sich auf die Online- und Methodenforschung und ist regelmäßig Referentin auf (Markt-)Forschungskonferenzen. Seit März 2013 ist sie Mitglied im Vorstand der DGOF.

Yannick Rieder ist Senior Market Research & Competitive Intelligence Manager bei Janssen-Cilag GmbH, der Pharma-Sparte von Johnson & Johnson. Er ist verantwortlich für die Implementierung von innovativen Ansätzen zur Generierung von Customer Insights und ist Preisträger des Best Practice Awards 2018. Auf der GOR 22 übernimmt Yannick Rieder außerdem den Jury-Vorsitz beim Best Practice Award Wettbewerb.
Der Best Practice Award auf der GOR kommt in diesem Jahr schlanker daher. Es gibt nur vier Vorträge und diese sind so wie das gesamte Programm auch in englischer Sprache. In der Vergangenheit war dieser Slot immer auf deutsch. Warum haben Sie das so entschieden? Rieder: Zum einen, glaube ich, dass die Pandemie alles andere als entschleunigend für viele Branchen war. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Die Branche musste mit vielen Veränderungen umgehen, die teilweise auch mit finanziellen Engpässen seitens der Unternehmen einhergegangen sind. Da ging es vor allem darum, das Marktgeschehen im Auge zu behalten und weniger darum, Experimente durchzuführen. Das heißt nicht, dass dies nicht auch viel Innovation gefördert hat, aber eher aus der Not geboren und da kann ich schon verstehen, dass eine Best Practice Einreichung etwas aus dem Fokus rückt, was natürlich etwas schade ist. Das bedeutet aber auch, dass wir uns in den nächsten Jahren, wenn es sich wieder normalisiert hat, auf viele Vorstellungen dieser Innovation freuen dürfen.

Alexandra Wachenfeld-Schell: Andererseits legen wir auch bestimmte Anforderungen dem Format zugrunde, um sicherzustellen, dass wir Innovationen zeigen können, die für die angewandte Forschung eine hohe Relevanz haben, daher können wir leider nicht alle Einreichungen – auch wenn sie aus anderer Perspektive sehr spannend wären – in diesem Format zulassen.

Insgesamt lag die Anzahl Einreichung zwar etwas unter den Vorjahren, hier erwarten wir aber eine baldige Normalisierung, zumal die Attraktivität des Awards, nämlich die Sichtbarkeit der eigenen Forschung und der Diskurs mit Experten aus den unterschiedlichen Bereichen, uns als hoher Mehrwert zurückgespielt wird. Außerdem haben sich auch unsere Möglichkeiten erweitert, wenn es darum geht, den Preisträgern nach der GOR die Möglichkeit zu bieten, ihre Forschung einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Ich denke hier zum Beispiel an unsere Podcasts, die erfreuliche Abrufzahlen zeigen, oder die Research Plus Veranstaltungen in verschiedenen Städten. Wir kooperieren zudem mit der Succeet und können so dem Gewinner des Awards einen 30-minütigen Speaker Slot auf der Succeet Messe in München im Oktober zur Verfügung stellen.


Zum Thema englische Sprache: Die GOR ist eine internationale Konferenz mit internationalen Gästen und uns hat in den vergangenen Jahren doch öfter der Wunsch erreicht, dieses spannende Format allen Gästen sprachlich zugänglich zu machen. Für mich ist der Best Practice immer eines der Highlights auf jeder GOR und ich fände als schade, wenn wir das weit angereisten Besuchern verwehren würden. Gerade der internationale Austausch und die Einbeziehungen unterschiedlicher Perspektiven machen die GOR und ganz besonders diesen Award zu einem ganz besonderen Ereignis.

Wie ist es zu der Auswahl der vier Vorträge gekommen? Was ist Voraussetzung für eine Annahme? Rieder: Es hat sich bewährt, jedes Jahr die gleichen Kriterien an die Einreichungen anzulegen: Es sollte nicht weniger als ein Beispiel für die Anwendung eines innovativen und besonderen Ansatzes sein, der einen Einfluss auf etablierte Prozesse oder den Unternehmenserfolg gehabt und gleichzeitig eine herausragende Zusammenarbeit zwischen Agentur(en) und Unternehmen repräsentieren. Bei der Wahl der Methoden sind wir grundsätzlich offen, natürlich ist es uns wichtig, dass zumindest ein Anteil des Projekts in den Bereich Online Research fällt. Bei den diesjährigen Einreichungen geht es vor allem um den Einsatz von neuen Tools, wie Augmented Intelligence, Wearables, Machine Learning und Mind Mining. Ich bin mir sicher, wenn wir nur einen Moment lang überlegen, fallen uns Marktforschern mehrere Projekte ein, die diese Kriterien erfüllen würden und ich kann es als zweifacher Teilnehmer bei den Awards nur jedem ans Herz legen, hier etwas einzureichen. Es ist ein toller Türöffner, um sein Netzwerk und seinen Horizont zu erweitern. Außerdem führt so eine gemeinsame Einreichung zu einer noch besseren Beziehung zwischen Agentur und Unternehmen.

In den vergangenen beiden Jahren durften wir uns zwar nicht physisch treffen, aber dank Aufzeichnung konnte – wer wollte – alle Vorträge der parallel angesetzten Slots anhören und musste sich nicht entscheiden. Wird es in diesem Jahr auch Videos der Vorträge geben? Wachenfeld-Schell: Für die Keynotes ist es geplant, dass sie gestreamt werden. Die anderen Sessions werden im Nachgang zur GOR wie früher in Form von Charts zugänglich gemacht – so hat jeder die Möglichkeit, sich einen Überblick über Themen zu verschaffen, die er vielleicht nicht besuchen konnte. Wir haben die Entscheidung bewusst gegen ein hybrides Format getroffen, bei dem alle Vorträge im Vorfeld hätten aufgezeichnet werden müssen. Wir möchten damit die Präsentierenden entlasten und die Teilnehmer in die Interaktion in den Sessions holen – das ist genau das, was sich in unseren Nachbefragungen zur GOR die aller meisten Teilnehmer für die aktuelle GOR wünschen – gemeinsam diskutieren und austauschen.

Auf welche anderen Vorträge können sich die Besucher freuen, was sind die Highlights, die keiner verpassen sollte? Rieder: Allen voran natürlich die beiden hochkarätig besetzten Keynotes – mit Susan Shaw haben wir eine erfahrene und hervorragende Forscherin gewinnen können, die mit ihrem Vortrag „New Digital Possibilities in Qualitative Research” die qualitative Online-Forschung der Zukunft in den Fokus rückt.

Frau Prof. Claudia Wagner hält eine Professur für Applied Computational Social Sciences an der RWTH Aachen und ist Scientific Director of the Department Computational Social Science bei GESIS - Leibniz Institute for the Social Sciences. Wir freuen uns sehr, dass wir sie als renommierte Forscherin für unsere erste Keynote gewinnen konnten. Mit ihrem Vortrag „The Role of Algorithms in Computational Social Science“ geht sie aktuellen und zentralen Fragen nach, die sich aus einer zunehmenden Digitalisierung ergeben, etwa wie sich Algorithmen auf unsere Entscheidungsprozesse auswirken – eine absolut spannende und wichtige Frage.

Wachenfeld-Schell: Die Breite der Themen ist auch in diesem Jahre enorm, daher fällt es immer schwer, einzelne Bereich herauszugreifen, auf die man sich besonders freuen kann. Für uns ist es gerade die Kombination aus Beiträgen der wissenschaftlichen Forschung, die Tiefe der methodischen Diskussion, die ja letztlich die Grundlage all unserer Arbeit bildet und die Übersetzung in die angewandte Forschung. In diesem Sinne freuen wir uns neben den vielen spannenden Vorträgen natürlich auf den Best Practice Award, aber auch sehr auf unsere beiden Diskussionsformate – die Session „Online Research of the Future: Dos and Don‘ts on the Way to robust Results“ – ein Thema, das zuletzt auch in unseren Nachbarländern Frankreich & Österreich heiß diskutiert wurde und auf unsere Podiumsdiskussion am Freitag.

General Online Research Conference
GOR22
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Die GOR ist die Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Online Forschung DGOF. Sie findet in diesem Jahr wieder live statt und zwar am 7. bis 9. September 2022 in Zusammenarbeit mit und an der HTW Berlin in Berlin.
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