Ausblick 2019

Der „War for Talents“ ist voll im Gange

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Walter Freese
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Walter Freese
Walter Freese, Director Business Development von Interrogare, sieht viele Herausforderungen, unter anderem im fehlenden Nachwuchs. Die Marktforschung befinde sich in der Zange zwischen den globalen Software-Giganten, Datenhäusern und Beratern einerseits und den kleinen, agilen Anbietern von Realtime- oder Instant-Marktforschung andererseits.

Welches Thema/welche Themen haben Sie im Jahr 2018 am meisten beschäftigt? Natürlich haben uns die Diskussionen rund um den Spiegel-Artikel zur Qualität in der Marktforschung und der aktuelle Streit um das Thema Repräsentativität auch bei Interrogare beschäftigt. Ebenfalls die Entwicklungen bei den globalen Marktforschungskonzernen wie GfK oder Kantar haben wir uns natürlich genau angeschaut. Der zunehmende Einfluss von Investoren auf die strategische Ausrichtung, aber auch auf das operative Alltagsgeschäft verändert zurzeit die gesamte Branche.
Aber jenseits dieser Großwetterlage beschäftigen wir uns konkret besonders mit den sich teilweise ändernden Kundenanforderungen und -erwartungen. Wie managt man z.B. den Spagat zwischen dem Trend in Richtung Automatisierung und End-to-End-Prozessen auf der einen Seite und dem Wunsch nach Beratung und maßgeschneiderter Marktforschung auf der anderen Seite? Das funktioniert nur, wenn man wie Interrogare sowohl die technologischen Lösungen und Plattformen anbietet als hervorragende Experten und Berater hat, die Märkte und Kunden verstehen.  

Was haben Sie sich für das kommende Jahr 2019 vorgenommen? Ich glaube, dass wir im kommenden Jahr einen eher steigenden Bedarf an methodisch fundierter und an den Kundenbedürfnissen orientierter Marktforschung erleben werden. Einige große Player verabschieden sich de facto aus der Ad-hoc-Forschung und fokussieren sich auf das Data Business, da dort die höheren Margen locken. Dadurch ergeben sich für mittelständische Player wie Interrogare Wachstumschancen. Unsere Vorsätze für 2019 lauten also: Wie werden für unsere bestehende Kunden nach wie vor ein verlässlicher und kompetenter Partner sein und bieten Neukunden, die auf der Suche nach neuen Anbietern sind, einen sicheren Hafen.


Wenn Sie an die Herausforderungen der Branche denken, was bereitet Ihnen vor allem Kopfzerbrechen? Ich denke es sind drei Dinge, um die wir uns kümmern müssen.
1. Nachwuchs: Es ist schon heute schwer, Personal zu finden. Und wir brauchen ja nicht nur gute Marktforscher, sondern auch Spezialkräfte für Software-Entwicklung oder Data Science. Hier ist der ‚War for Talents‘ voll im Gange.
2. Reputation: Sowohl in der Bevölkerung als auch bei unseren Kunden hat der gute Ruf der Marktforschung in den letzten Monaten sehr gelitten. Daten, Insights und Handlungsempfehlungen leben von Vertrauen, da man diese nicht anfassen kann.
3. Neue Wettbewerber: Die Marktforschung befindet sich in der Zange zwischen den globalen Software-Giganten, Datenhäusern und Beratern einerseits und den kleinen, agilen, oft App-basierten Anbietern von Realtime- oder Instant-Marktforschung andererseits. Hier die richtige Positionierung zu finden und unsere Claims abzustecken, wird eine wichtige Aufgabe in 2019.
Und noch eine Anmerkung: Ich wünsche mir eine Schärfung des derzeitigen Buzz-Words agil für die Marktforschung. Für viele ist agil nur ein modernes Wort für schnell und möglichst automatisiert. Ich verbinde damit aber viel mehr: Es geht um die stärkere Einbeziehung aller Beteiligten, um mehr Schleifen innerhalb von Projekten, um die Ergebnisse und Prozesse zu überprüfen und bei Bedarf zu optimieren und es geht generell um die Bereitschaft aller, umzudenken. Etwas zu tun, nur weil man es immer schon so gemacht hat, ist ein schlechter Ratgeber.

Auf welche Chancen und Challenges freuen Sie sich besonders? Neue Kunden von unseren Fähigkeiten zu überzeugen und mit diesen dann auch Projekte durchzuführen, die einen positiven Beitrag – also einen echten Impact – für die Unternehmen leisten, das ist eine tolle Erfahrung, die wir in Zukunft hoffentlich noch oft machen dürfen. In unserer Kommunikation haben wir uns in diesem Jahr vor allem auf unsere innovativen Lösungen für CX Management und Programmatic Insights fokussiert. Auf Veranstaltungen wie der Insighs 2018, über Fachartikel, in unseren eigenen Webinaren und in vielen Kundengesprächen haben wir so viel positives Feedback erhalten und Interesse generiert, dass wir daran auf jeden Fall anknüpfen werden.

Interrogare im p&a mafonavigator

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