Arbeitsalltag im Homeoffice

Warum nicht alle aus dem Häuschen sind

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Welche Themen beschäftigen die Menschen in ihrem Arbeitsalltag? Dieser ist immer noch von Corona geprägt und findet bei vielen weiterhin im Homeoffice statt. Avantgarde Experts und das Marktforschungsinstitut Splendid Research haben Arbeitnehmer dazu befragt, wie es ihnen im Laufe der verschiedenen Pandemiewellen im Homeoffice ergangen ist.

Die Stimmung ist im Keller

Corona wirkt sich stark auf das eigene Leben aus: 98 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihr Leben durch die Pandemie verändert habe – drei Viertel der Befragten haben sogar starke Veränderungen durchlebt. Vor allem die Stimmung der Befragten leidet unter der Pandemie: Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer gab an, dass ihre Stimmung negativer sei als vor Corona. Unter konkreten psychischen Beschwerden leidet mehr als ein Drittel aller Befragten. Ein möglicher Grund dafür ist die Einsamkeit: Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, sich einsamer zu fühlen als bei den beiden Befragungen im vergangenen Jahr. Für 60 Prozent der Teilnehmer hängt das mit dem fehlenden Kontakt zu Arbeitskollegen zusammen. Erstaunlich ist jedoch: Unter den besonders einsamen und negativ gestimmten Befragten arbeiten rund 80 Prozent in Vollzeit und es leben rund 70 Prozent von ihnen in einer Partnerschaft oder Ehe.

Zeit, kreativ zu werden

Die Pandemie hat allerdings nicht nur negative Auswirkungen. Für viele bedeuten die Lebensumstellungen einen Zeitgewinn. Doch wohin mit dieser Zeit? Die Hälfte der Befragten nutzt die neu gewonnene Zeit für ihre Hobbys. Auch gut die Hälfte spendet insgesamt mehr Zeit mit der Familie und virtuell mit Freunden. In der Arbeitswelt bietet das Homeoffice Raum, um kreativ zu werden. Rund jeder zweite Befragte fühlt sich vor dem Bildschirm in den eigenen vier Wänden kreativer und die Konzentration ist verglichen mit dem Frühjahr 2020 um 5 Prozent angestiegen. Die Zufriedenheit im Homeoffice ist konstant bei 54 Prozent geblieben und auch die selbst eingeschätzte Produktivität der Befragten veränderte sich nicht.

Der Weg nach Hause

Corona hat die Arbeitswelt gewandelt: Die Auswirkungen der Pandemie auf die eigene berufliche Situation und den Arbeitsalltag beschreiben fast 70 Prozent der Studienteilnehmer als eher stark bis sehr stark. Und der Trend geht wieder in Richtung Homeoffice: Von den Befragten fahren 13 Prozent täglich ins Büro – damit ist die Bereitschaft, den Arbeitsweg in Kauf zu nehmen, im Vergleich zum Oktober des Vorjahres um elf Prozent gesunken. Auch der Anteil derer, die nur drei bis vier Tage die Woche ins Büro fahren, ist unter den Befragten leicht gesunken – von 14 auf lediglich zehn Prozent. Aber: Die Zufriedenheit ist am höchsten unter den Teilnehmern, die jeden Tag ins Büro gehen – sie liegt dort bei rund 80 Prozent. Trotzdem will mehr als die Hälfte aller Befragten im Homeoffice bleiben.

Die Vorzüge im Homeoffice

Für das Homeoffice sprechen einige Gründe: 70 Prozent der Befragten gaben an, stressfreier in den Tag starten zu können. Außerdem können 62 Prozent der befragten Arbeitnehmer ihre Zeit zuhause besser einteilen. Und wie produktiv sind die Studienteilnehmer in den eigenen vier Wänden? 35 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Produktivität im Homeoffice sogar höher sei als im Büro. Das sind zwar vier Prozent weniger als im Oktober, aber immer noch acht Prozent mehr als zu Beginn der Pandemie.

Doch was fehlt?

Das Homeoffice besitzt jedoch auch klare Nachteile: Im Büro gibt es ein soziales Miteinander – das fehlt 62 Prozent der Befragten im eigenen Zuhause. Außerdem gaben 22 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, dass sich ihr Kontakt zum Vorgesetzten verschlechtert habe. Zu Beginn der Pandemie waren es noch elf Prozent weniger. Ein allseits bekanntes Problem bei der Arbeit im eigenen Heim ist die Trennung zwischen dem beruflichen und dem privaten Leben: Die Überlappung der beiden Lebensbereiche stellt für 42 Prozent der Befragten ein Problem dar, in der ersten Welle lag die Zahl noch bei 36 Prozent. Besonders Männer haben mit dieser Überschneidung ein Problem, 52 Prozent von ihnen üben Kritik daran aus. Und insgesamt sinkt die Motivation: Heute geben 31 Prozent der Befragten zu, sich zuhause weniger motivieren zu können. Am meisten Ablenkung gibt es der Studie zufolge für Paare und Beschäftigte mit mindestens zwei Personen im Haushalt.

Die Digitalisierung schreitet voran

Inzwischen scheinen auch die meisten Unternehmen die Umstellung auf digitale Kanäle geschafft zu haben: In diesem Jahr sind mehr als 80 Prozent der Befragten mit der Umstellung ihres Unternehmens auf digitale Kanäle zufrieden, im vergangenen Jahr lag die Zahl noch bei unter 70 Prozent. Große Unternehmen kommen dabei am besten weg: Fast die Hälfte der befragten Arbeitnehmer, die am zufriedensten sind, stammt aus großen Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern.

Loyalität überholt Innovation

Der Wunsch nach Innovation hat im Vergleich zu der vorangehenden Untersuchung abgenommen. Inzwischen ist das wirtschaftliche Fortbestehen für die Studienteilnehmer wichtiger. Innovation wünscht sich nur noch ein Fünftel der Befragten, während ein Drittel aller Befragten die größte Herausforderung im wirtschaftlichen Fortbestehen des eigenen Unternehmens sieht. Spitzenreiter bei den Herausforderungen ist jedoch die Motivation: 36 Prozent der Befragten sehen die größte Herausforderung für Unternehmen in der Arbeitsmoral und Motivation der Mitarbeiter. Die Loyalität der Mitarbeiter blieb der Studie zufolge weitestgehend konstant. Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihre Loyalität weder während der ersten noch während der zweiten Pandemiewelle geändert habe. Und knapp 80 Prozent der Befragten haben weder während der zweiten Welle noch aktuell ihr Aufgabengebiet verändert oder ihren Job gewechselt.

Eine neue Normalität

Flexible Arbeitszeiten haben sich bei mehr als der Hälfte der Studienteilnehmer schon in der Unternehmenskultur etabliert. Genau wie im Oktober 2020 sind immer noch 60 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Homeoffice nun dank der Pandemie deutlich mehr akzeptiert wird als zuvor.

Über die Studie
Im April 2020, Oktober 2020 und März 2021 haben Avantgarde Experts und das Marktforschungsinstitut Splendid Research zusammen Arbeitnehmer in Deutschland im Alter zwischen 18 und 69 Jahren befragt. Die Teilnehmerzahlen beim aktiv und passiv rekrutierenden Online Access Panel von Splendid Research lagen bei 505, 1.015 und 1.008.
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