ADM-Mitgliederbefragung

Corona-Krise hat die Marktforschung noch fest im Griff

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Nach seiner zweiten Befragung unter den Mitgliedern sieht der Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute ADM einen verhaltenen Optimismus in der Branche. Obwohl jedes vierte Institut glaubt, dass die eigenen Kassen in drei Monaten leer sein werden. 46 Prozent geben an, letztlich gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Während im April noch 87 Prozent der befragten ADM-Institute mit einem krisenbedingten Umsatzrückgang für 2020 rechneten, sind es im August noch 63 Prozent. 23 Prozent (in der 1. Welle 13 Prozent) gehen inzwischen sogar davon aus, dass sich der Umsatz 2020 auf Vorjahresniveau bewegen wird. Damit zeigt die im August durchgeführte Befragung alles in allem positivere Ergebnisse als die Befragung im April. „Aber noch immer hat die Corona-Krise die Markt- und Sozialforschungsbranche fest im Griff“ schreibt der ADM in einer Mitteilung für die Presse. Die ausgefallenen Umsätze aus dem ersten Halbjahr seien im zweiten Halbjahr kaum vollständig zu kompensieren.



Der ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute vertritt als Wirtschaftsverband über 80 Prozent des Branchenumsatzes in der Markt- und Sozialforschung. Im Frühjahr war bereits eine Befragung der Mitglieder durchgeführt worden.

Im August gehen die ADM-Institute von einem Umsatzrückgang von 15 Prozent für 2020 aus. Als Hauptgründe gelten nach wie vor verschobene (87 Prozent) oder stornierte (68 Prozent) Aufträge und die rückläufigen Anfragen zwischen März und August dieses Jahres (82 Prozent). Zudem wurde der Markt für Face-to-Face-Methoden stark beeinträchtigt. 43 Prozent der Institute beklagten auch in der 2. Welle der Befragung den Einbruch bei Face-to-Face-Befragungen und knapp ein Drittel die Einstellung von Gruppendiskussionen. Die Umstellung auf Online-Methoden konnte zwar einen gewissen Ausgleich bringen, die Verluste konnten damit jedoch keineswegs kompensiert werden, insbesondere für Teststudio-Betreiber, da die Mieten, die in der Regel in den teuersten Innenstadtlagen zu finden sind, weiter zu zahlen waren.

Kurzarbeit hilft durch die Krise

70 Prozent der befragten Institute haben Kurzarbeit genutzt, um speziell die Zeit des Lockdowns und die Zeit danach zu überstehen. Noch immer befinden sich in 42 Prozent der Institute Mitarbeiter in Kurzarbeit - ein Hinweis darauf, dass Projekte zwar wieder anlaufen, die Rückkehr zu „Vor-Corona-Zeiten“ aber noch auf sich warten lässt.


Einige wenige Befragte konnten ihren Umsatz steigern. Doch selbst von der Krise stark gebeutelte Unternehmen können ihr auch Chancen abgewinnen. So erleben 26 Prozent im Zuge der Krise eine Innovationsbeschleunigung und für 23 Prozent hat sie sich optimierend auf Arbeitsprozesse ausgewirkt. Knapp die Hälfte der Institute hat die Zeit dafür genutzt, sich mit neuen und innovativen Untersuchungsansätzen zu beschäftigen. Im Eiltempo wurde die Digitalisierung der Branche weiter vorangebracht, von der diese sicher auch über die Krise hinaus profitieren wird. Laut ADM geben 46 Prozent der antwortenden Unternehmen an, letztlich gestärkt aus der Krise hervorzugehen. In der 1. Welle der Befragung mochten dies nur 33 Prozent vermuten. Unter den gegenwärtigen Bedingungen reiche die Liquidität bei immerhin 42 Prozent der Unternehmen noch länger als 12 Monate. Bei gut einem Viertel der befragten Institute ist allerdings nach heutiger Einschätzung die Kassen innerhalb der nächsten drei Monate leer. Und natürlich gelten alle diese Schätzungen nur für den Fall, dass kein weiterer Lockdown eintritt.

ADM appelliert an die Auftraggeber

„Aus unserer Sicht ist jetzt die Zeit, geplante und neue Markt- und Sozialforschungsprojekte zum Laufen zu bringen“, schreibt der ADM in der Pressemitteilung. Das Verhalten der Bevölkerung müsse im „New Normal“ analysiert und verstanden werden. Hierbei könne die Branche einen erheblichen Beitrag für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft leisten. Und der Verband warnt: „Die Krise darf kein Anlass sein, den Preisdruck auf die Institute noch weiter zu erhöhen. Denn am Ende kann ein zu günstiger Preis insbesondere zu Lasten der Qualität eines Produkts gehen und auch die Existenz von Unternehmen gefährden.“
Untersuchungssteckbrief
2. Welle Corona-Sonderumfrage:
Auswahlgrundlage: 69 Mitgliedsinstitute des ADM; Fallzahl: n = 43; Erhebungszeitraum: 24.07. – 19.08.2020; Erhebungsmethode: Onlinebefragung

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