ADM befragt seine Mitglieder

„Die Unsicherheit ist sehr groß“

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Die Corona-Krise bringe einen Konjunktureinbruch in der Markt- und Sozialforschungsbranche, schreibt der ADM nach einer Befragung seiner Mitgliedsinstitute. Immerhin ein Drittel schaut positiv in die Zukunft und glaubt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Gut ein Drittel geht von einer Schwächung des Geschäftes aus und 27 Prozent rechnen damit, dass es für sie unverändert weitergeht. Appell an Auftraggeber, keinen weiteren Preisdruck auszuüben.

Eine Befragung unter den ADM-Mitgliedsinstituten zeigt, dass die Corona-Krise und der Lockdown in Deutschland die Markt- und Sozialforschungsbranche schwer getroffen haben. 37 der 69 Mitgliedsinstitute haben sich an der Umfrage in der zweiten Aprilhälfte dieses Jahres beteiligt. Obwohl der Shutdown in Deutschland erst um den 20. März herum erfolgte, waren die Auswirkungen der Krise mit einem Umsatzrückgang von knapp einem Viertel bereits im ersten Quartal deutlich spürbar, schreibt der ADM in einer Pressemitteilung.



Für den Zeitraum von April bis Juni gehen die befragten Unternehmen von einem Umsatzverlust von 42 Prozent aus. Aufträge wurden verschoben (97 Prozent) oder storniert (87 Prozent). Einen deutlichen Rückgang gab es im ad-hoc-Geschäft. 77 Prozent der Institute beklagten weniger Studienanfragen als üblicherweise im Frühjahr. Knapp die Hälfte der Institute beklagte einen Einbruch bei Face-to-Face-Befragungen und gut ein Drittel gab als Grund für den Umsatzrückgang auch die Einstellung von Gruppendiskussionen an.

Institute reagieren, um Defizite zu überbrücken

54 Prozent der Institute gaben an, bereits Kurzarbeit angezeigt zu haben, bei weiteren 16 Prozent war dies zum Befragungszeitpunkt in Planung. Jeweils 30 Prozent der befragten Institute machten schon von der Möglichkeit der Steuerstundung und der Aussetzung der Steuervorauszahlungen Gebrauch. Soforthilfen für Kleinstunternehmen und Soloselbstständige hatten 35 Prozent zum Zeitpunkt der Erhebung bereits beantragt, Kreditaufnahmen hatten hingegen noch keine größere Bedeutung. Lediglich 14 Prozent der Institute gaben an, KfW-Liquiditätskredite beantragt zu haben. Bei weiteren 27 Prozent war die Beantragung zumindest in Planung. Mögliche Angebote der Hausbanken, wie eine Erhöhung oder Beantragung einer Kontokorrentkreditlinie oder ein Überbrückungskredit, wollten die Institute eher weniger in Anspruch nehmen.

Die Unsicherheit in der Branche ist groß

„Die Zeit drängt. Wir erleben in der Branche derzeit eine wirtschaftliche Talfahrt mit bedrohlichem Ausmaß“, so Bernd Wachter Vorstandsvorsitzender des ADM. „Insbesondere auch deshalb, weil nicht einzuschätzen ist, wie sich die Krise auf die Auftraggeber der Branche auswirkt und wie lange dieser Zustand anhält. Die Unsicherheit ist sehr groß.“ Die finanziellen Reserven vieler Institute sei überschaubar. Bei knapp einem Viertel der befragten Institute reichen die Liquiditätsreserven noch für maximal acht Wochen. Deshalb appelliert Wachter an die Auftraggeber, keinen weiteren Preisdruck auszuüben, denn dieser könne Institute in ihrer Existenz bedrohen und zudem zu Lasten der Qualität gehen.

Auf die Frage nach den Zukunftserwartungen der Institute schauen immerhin 33 Prozent positiv in die Zukunft und glauben, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. 35 Prozent hingegen gehen von einer Schwächung aus, während 27 Prozent damit rechnen, dass es für sie unverändert weitergeht.
Untersuchungssteckbrief:
Auswahlgrundlage: 69 Mitgliedsinstitute des ADM; Fallzahl: n = 37; Erhebungszeitraum: 17. - 26.04.2020; Erhebungsmethode: Online Befragung

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