Dunnhumby

Vorwürfe der Wettbewerbs-Aufsichtsbehörde

Guillaume Bacuvier
Guillaume Bacuvier
Die britische Wettbewerbs-Aufsichtsbehörde hat sich den zum Einzelhändler Tesco gehörenden Marktforscher Dunnhumby vorgenommen. Es geht um unangemessene Bevorzugung von Lieferanten des Händlers.
Laut einem Bericht der Online-Ausgabe der britischen Zeitung The Evening Standard ist die für den Einzelhandel zuständige Ombudsfrau, Christine Tacon, darauf aufmerksam geworden, dass Tesco Unternehmen, die mit Dunnhumby zusammenarbeiten, bevorzuge.

Es ist nicht ganz klar, ob dieser Vorwurf überhaupt in den Aufgabenbereich von Tacon gehört, der eigentlich die Aufsicht zwischen Lieferanten und Händlern obliegt, schreibt der Standard. Die Lieferanten von Tesco sehen die Konstellation zwischen dem Anbieter von Kundendaten und dem Einzelhändler ebenfalls kritisch.

Ein Lieferant sagte gegenüber dem Blatt, Dunnhumby fungiere als eine Art Verbindungsglied zwischen dem Lieferanten und dem Händler. Und für alle, die Tesco beliefern wollen, sei es schwer, nicht den Anbieter der Dunnhumby-Clubcard zu nutzen. Andere Lieferanten fürchten, dass Insights zwischen Dunnhumby und Tesco über Lieferanten ausgetauscht würden. Dunnhumby bestreitet die Vorwürfe gegenüber der Zeitung und behauptet, es seien „chinesische Mauern“, also eine klare Trennung, zwischen den Firmen.

Neuer CEO für Dunnhumby

Diese Vorgänge zu klären wird Aufgabe des neuen Chefs von Dunnhumby sein. Guillaume Bacuvier ist derzeit Vizepräsident Advertising Solutions bei Google. Im Mai wird er seine neue Stelle als CEO bei Dunnhumby antreten. Der bisherige CEO, Simon Hay, verließ im Februar nach 25 Jahren Zugehörigkeit das Unternehmen. Dunnhumby hat die Kundenkarte Tesco Clubcard für den britischen Händler entworfen und hält die Daten von rund 1 Million Shopper.

Die Gründer des Unternehmens Clive Humby und Edwina Dunn verkauften Tesco ihre letzten verbliebenen Aktien Ende 2010. Vor eineinhalb Jahren wollte Tesco die Marktforschungs-Tochter verkaufen. Der Preis soll im Laufe der Verhandlungen von 2 Milliarden auf 700 Millionen britischer Pfund gefallen sein. Trotz Interesse von Unternehmen wie WPP und Nielsen kam es aber nicht zu einer Veräußerung. Dunnhumby ist einer der Unternehmen mit dem größten Schatz an Kundendaten und gehört zu den größten Marktforschern von UK.

Erst kürzlich hatte Tesco im Zusammenhang mit einem Bilanzskandal aus dem Jahr 2014 rund 214 Millionen Pfund Strafe bezahlt, davon allein 129 Millionen Pfund an die Anti-Korruptionsbehörde, den Rest an geprellte Anleger. (hed)

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