Hintergrund

Unternehmen mit drei Buchstaben

Themenseiten zu diesem Artikel:
Mit der Benennung von Peter Feld zum neuem Vorstandsvorsitzenden der GfK (p&a berichtete) wird ein weiterer aber noch nicht der letzte Stein für die Zukunft des Marktforschers gelegt. Beobachter fragen sich „Wie geht es weiter?“ Vielleicht hilft ein Blick ins Archiv?
KKR ist am Ziel und hält gemeinsam mit dem GfK Verein über 75 Prozent der Anteile. Aber was können und werden die neuen Partner jetzt tun, um das  Unternehmen – das zwar Umsatz und Gewinnrückgang verzeichnen musste, aber keine Liquiditätsprobleme hat – wieder auf Wachstumskurs zu bringen? Vielleicht hilft ein Blick in die jüngste Unternehmensgeschichte des Küchengeräteherstellers WMF? Denn dieses Unternehmen war der vorherige Arbeitgeber des neuen Vorstandchefs der GfK. Und auch der Investor KKR war dort mit im Spiel. Eine Blaupause für den Marktforscher? Das muss nicht unbedingt sein. In Nürnberg kann auch alles ganz anders laufen. Aber die Geschichte von WMF kann man sich mal anschauen:

Eigentümer stehen zum Unternehmen
Die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) ist ein traditionsreiches Unternehmen mit Sitz in Geislingen an der Steige im Regierungsbezirk Stuttgart. Bis Anfang 2012 lagen die Stimmrechtsanteile bei zwei Gesellschaftern Crystal Capital mit 52 Prozent und FIBA mit 37 Prozent. Der Fiba-Eigentümer Andreas Weißenbacher sieht das Investment als langfristig und will sich nicht davon trennen. So sagte er es wenigstens 2012 gegenüber der Lebensmittel Zeitung (LZ).

KKR kommt ins Spiel
Im Juli 2012 übernimmt die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR die Anteile von Capvis für mehr als 238 Millionen Euro. Die Abwicklung für KKR übernimmt eine eigene Firma, die Finedining Capital GmbH. WMF macht zu dem Zeitpunkt einen Umsatz von 980 Millionen Euro. Der Umsatz ist rückläufig, der EBIT ebenfalls, die Eigenkapitalquote ist jedoch stabil, ein solider Konzern.

Mehrheiten werden angestrebt
Das Angebot an die ausstehenden Aktionäre wird zunächst nur zögerlich angenommen. KKR hält 52, dann 59 Prozent, schließlich verkauft Fiba doch einen Teil seiner Anteile, hält aber noch eine Sperrminorität. KKR besitzt 71,6 Prozent.

Umbau kostet auch Opfer
Im August 2013 wird Peter Feld neuer Vorstandsvorsitzender. Ein halbes Jahr später gibt er bekannt, dass im Konzern rund 400 Arbeitsplätze abgebaut und zirka 50 Filialen geschlossen werden sollen. Bei der ersten Hauptversammlung gibt es massive Proteste von 700 Mitarbeitern, die vor der Stuttgarter Liederhalle demonstrierten.

In dem Artikel des Fachredakteurs der Lebensmittel Zeitung tauchen Begriffe auf wie: Zeitenwende; kein Platz für Sentimentalitäten; am eingeschlagenen Kurs wird nichts geändert; genauer Fahrplan, der mit dem Mehrheitseigentümer KKR abgestimmt ist; neue Unternehmenskultur; Transformationsprogramm.

Feld sagte damals laut LZ zu den Mitarbeitern von WMF: „Ich bin mir aber sehr bewusst über die gravierenden Veränderungen für die Mitarbeiter und deren Familien.“ Feld räumte ein, dass es schwer falle, die notwendigen Maßnahmen vor dem Hintergrund der Erfolge von WMF der letzten Jahre zu verstehen.

Mehrheiten werden erreicht
Im Jahr 2014 bündeln die beiden Aktionäre der WMF, KKR und Fiba, ihre Anteile in einer Holdinggesellschaft. Damit sind über 90 Prozent in einer Hand, es folgte ein Squeezeout und das Unternehmen wird nach 130 Jahren von der Börse genommen. Der Konzernumbau wird vorangetrieben, es werden neue Führungsebene eingezogen und gezielt Manager von außerhalb geholt.

Sanierung abgeschlossen
Im Jahr 2016 bekommt das schwäbische Traditionsunternehmen einen neuen Besitzer. Der französische Haushaltswarenkonzern SEB (Umsatz: 4,7 Mrd. Euro) übernimmt seinen deutschen Konkurrenten WMF (Umsatz: immer noch 1 Mrd. Euro). KKR erhält von den Franzosen 1,6 Milliarden Euro für das Unternehmen.  Im Dezember verlässt Vorstand Peter Feld das Unternehmen WMF auf eigenen Wunsch.  (hed)

stats