Umfrage zum Jahreswechsel 2017/2018

Big Data - zwischen Erlösungs-Hype und faktischem Nutzen

Stephan Grünewald
Stephan Grünewald
Stephan Grünewald, Geschäftsführer des rheingold Instituts, kann für 2017 von einem satten Umsatzplus berichten, im Jahr 2018 soll eine Dependance in Shanghai eröffnet werden. Blickt er ins Jahr 2030, so glaubt er, Marktforscher werden ein Mittler des Menschlichen bleiben.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen und die wichtigsten Themen, die die Branche im Jahr 2018 beschäftigen werden?

Die digitale Transformation wird in den nächsten Jahren in immer größerem Tempo Produktionsprozesse, das Arbeitsleben und den Konsum verändern. Unsere Branche sollte den disruptiven Wandel verstehen und begleiten, empfohlene strategische Weichenstellungen sollten sich daran orientieren, was technologisch sinnvoll und psychologisch notwendig ist.   
Auch eine weitgehend vernetzte und automatisierte Welt lebt von zufriedenen Kunden und motivierten Mitarbeitern. Big Data wird sich weiter zwischen Erlösungs-Hype und faktischem Nutzungsgewinn bewegen und gehorcht mitunter der Logik, die Stecknadel schneller finden zu wollen indem man den Heuhaufen vergrößert. Big Data ist dann erfolgreich, wenn man die rationale Logik der künstlichen Intelligenz durch die Psycho-Logik befruchtet.

Wovon wird sich die Branche verabschieden müssen?
Entwicklungen werden nicht mehr kontinuierlich ablaufen und skalierbar sein. Standardisierte Produkte werden es schwer haben. Methodische Kompetenz, gepaart mit geistiger Flexibilität werden mehr denn je gefordert sein.



Was steht für Ihr Unternehmen im kommenden Jahr an?
Wir wollen 2018 eine Dependance in Shanghai eröffnen. Zudem planen wir für den Herbst gemeinsam mit neuland digital und Karl Heinz Land einen Kongress zur Kunst der digitalen Transformation. Hochkarätige Redner werden dabei strategische Einsichten und anschauliche Praxisbeispiele garantieren. Wie sind Sie mit dem Jahr 2017 zufrieden? Was ist Ihnen besonders gut gelungen?
Wir haben ein sattes Umsatzplus erwirtschaftet und viele interessante Forschungsprojekte durchgeführt, wie unsere Frauenstudie zu „Working Moms“ oder die Eigenstudie zu Alexa. Hervorzuheben ist ebenfalls eine Multiclient-Studie zur Zukunft des Handels. Stolz sind wir auch auf unsere Eigenstudie zum Bundestags-Wahlkampf, die das Wutpotential in der Bevölkerung aufgezeigt hat. Wir lagen - wieder einmal - mit unseren Prognosen bereits vier Wochen vor der Wahl goldrichtig.


Wie sieht die Marktforschung im Jahr 2030 aus?
Durch die fortschreitende Digitalisierung, Stichwort Künstliche Intelligenz, werden sich viele Daten von selbst erheben oder sich Märkte ohne großen zusätzlichen Forschungsaufwand von alleine monitoren.
Marktforschung wird drei Aufgaben haben: Sie wird die (nicht rationalen) Erfolgsgeheimnisse von Märkten, Marken oder Kommunikation aufdecken, strategischer Innovationstreiber und Impulsgeber für neue Dienstleistungen sein. Denn die Zeit, die Forscher durch Künstliche Intelligenz einsparen, können sie produktiv in die Weiterentwicklung von Produkten oder Dienstleistungen investieren.
Dennoch werden Marktforscher nach wie vor ein Mittler des Menschlichen sein. 2030 werden die Menschen weiterhin konsumieren und Vertrauen und Begehrlichkeit lassen sich auch dann nur durch das Verständnis des Menschlich-Allzumenschlichen aufbauen.
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