Studie zu Falschmeldungen im Wahlkampf

Wie verbreiten sich Fake News in Deutschland?

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News oder Fake-News? Eine Studie untersucht die Verbreitung von Fake News im Bundestagswahlkampf
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News oder Fake-News? Eine Studie untersucht die Verbreitung von Fake News im Bundestagswahlkampf
Fake News kommen in Deutschland vor allem von rechts. Social-Media-Kanäle zählen zu den Top-Verbreitern, dort aber vor allem professionelle Akteure. Flüchtlinge sind als Thema ganz weit oben. Aber die Reichweite der auf diese Weise verbreiteten Falschmeldungen hält sich in Deutschland im Vergleich zu den USA in Grenzen.
Eine umfassende Studie zu Fake News im Bundestags-Wahlkampf hat die „Stiftung Neue Verantwortung“ durchgeführt. Untersucht wurde die Entstehung und Verbreitung von Fake News in der digitalen Öffentlichkeit. Die Fragestellung: Wie groß war die Reichweiten der unwahren „Nachrichten“ und wie erfolgreich die Gegenmaßnahmen durch Fakten-Checker? Über einen Zeitraum von sechs Monaten bis September 2017 wurden dafür zehn Fälle von nachgewiesenen Fake-News mit nationaler Reichweite analysiert. Beobachtet wurden öffentlich zugängliche Facebook- Seiten, deutschsprachige Twitter-Meldungen, Online-Nachrichtenseiten, aber auch Blogs, Foren und die Videoplattform YouTube.

Die Ergebnisse: Fake News kommen in Deutschland vor allem von rechts. In sieben von zehn dokumentierten Fällen lag die AfD unter den Top-10 der reichweitenstärksten Verbreiter. Sehr häufig stammten Falschinformationen aus dem Themenkreis “Flüchtlinge und Kriminalität”. Wenig verwunderlich, dass soziale Netzwerke, allen voran Facebook, häufig Ausgangspunkt von Fake News sind.

Medien verbreiten zuweilen auch Fake News

„Aber auch redaktionelle, klassische Medien spielen eine Rolle“, schreiben die Autoren der Studie „Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017“. „Mal als versehentlicher Katalysator, mal als bewusster Auslöser.“ Die Studie nennt hier Bild.de oder Welt.de. Aber in zwei Fällen konnte auch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) unsauberes Arbeiten nachgewiesen werden. Vor allem bei der Berichterstattung über das Volksfest in Schorndorf habe dpa eine unrühmliche Rolle eingenommen, glauben die Forscher.

Häufig seien die klassischen Medien aber als Korrektiv aufgefallen. Süddeutsche.de oder der Faktenfinder der ARD haben auch zur Richtigstellung von Fake News beigetragen. Wobei dieses „Debunking“ nur begrenzt Wirkung zeigt. „Fast alle untersuchten Fake News erzielen deutlich höhere Reichweiten als ihr Debunking“, heißt es in der Studienzusammenfassung. Kein Wunder, die emotionale Berührung einer solchen „Stimmt nicht“-Nachricht ist naturgemäß wesentlich geringer und in den Echo-Kammern derjenigen, „die sich aufgrund mangelnden Vertrauens in etablierte Medien alternativen Informationsangeboten widmen“, kommen diese Debunking-News häufig nicht an.

Aber auch die Polizei, staatliche Stellen oder Behörden können zum Auslöser von Fake News werden, wurde festgestellt. Ursache dafür sei oft unprofessionelle oder mindestens sorglose Öffentlichkeitsarbeit. „In allen von uns dokumentierten Fällen nutzen rechtspopulistische Akteure diese Ungenauigkeiten und instrumentalisieren diese für ihre ideologischen Kampagnen.“

Reichweite der Fake News ist gering

Was überrascht, dass laut der Untersuchung Fake News in Deutschland – zumindest wenn keine klassischen Medien beteiligt sind – nur eine überschaubare Reichweite schaffen. Die große Fake News blieb in Deutschland aus, so die Autoren der Studie, Alexander Sängerlaub, Miriam Meier und Wolf-Dieter Rühl. „Gründe dafür sind zum einen hohe Vertrauenswerte in das hiesige Mediensystem, aber auch die weitaus geringere Bedeutung der Social-Media-Kanäle als Informationsquelle im Vergleich zu den USA.“

Die stärkste im Rahmen dieser Studie gemessene Fake News betraf eine Meldung über ein Volksfest in der baden-württembergischen Stadt Schorndorf, auf dem “angeblich 1.000 Migranten randaliert hätten”. Etwa eine halbe Million Nutzer haben die Meldung in Form von Shares, Likes oder Comments in den Sozialen Netzwerken messbar gemacht.

Aufgefallen ist den Studienmachern, dass vor allem professionelle Akteure die Treiber der Fake News sind. Allein die Top-10-Verbreiter jeder Fake News erzeugen durchschnittlich bereits 56 Prozent des Gesamt-Engagements jeder Falschinformation. Die große Zahl der regulären Internet-Nutzer waren in dieser Studie nicht daran beteiligt.

Die Studie "Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017" der Stiftung Neue Verantwortung
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