Startups in der Marktforschung

Neue Ideen gesucht?

Bastian Unterberg, CEO und Gründer von Jovoto
© Jovoto
Bastian Unterberg, CEO und Gründer von Jovoto
Immer mehr Unternehmen wenden sich an die Kreativen der Crowdsourcing-Plattform Jovoto um mit frischen Ideen und Denkanstößen neue Produkte und Dienstleistungen zu finden. Die Plattform entstand vor zehn Jahren und nutzt die Innovationskraft des Schwarms. Über 80.000 Kreative sind hier registriert.
Die meisten Manager, die in ihren Unternehmen mit Marketing, Design, Produktinnovation oder ähnlichen Themen zu tun haben, kennen dieses Gefühl: Immer wieder schiebt man die gewohnten Prozesse an, wenn neue Ideen gefragt sind. Dieselben Leute werden gefragt, dieselben Abteilungen involviert. Und zwischendurch fragt man sich, ob man vielleicht schon längst im eigenen Saft kocht, betriebsblind geworden ist.

Immer mehr Firmen geben eine Aufgabenstellung an die Crowdsourcing-Plattform Jovoto, ein Netzwerk von rund 87.000 Kreativen in 153 Ländern, die sich gern Gedanken machen und neue Produkte, Services, Designs, Logos oder Slogans entwickeln. Gut die Hälfte der Community stellen Freelancer in Bereichen wie Grafikdesign, Produktdesign, Fotografie und Architektur. Etwa ein Drittel der Mitglieder sind Festangestellte, der Rest besteht aus Studenten. Die meisten von ihnen machen mit, weil sie mit ihrem kreativen Input auf die ausgelobten Preisgelder hoffen, auf individuelle Folgeaufträge oder zumindest auf interessante Kontakte in Unternehmen oder Institutionen.



Jovoto wurde 2007 in Berlin vom Diplom-Designer Bastian Unterberg gegründet, der gerade sein Studium beendet hatte. Mittlerweile hat das Unternehmen  weitere Büros in New York und im Silicon Valley,  beschäftigt über 40 Mitarbeiter und hat bereits über 400 Projekte für mehr als 200 Kunden durchgeführt. Die Referenzliste lässt sich sehen: Miele ist dabei,  Henkel, Starbucks und auch Unicef. Coca-Cola spendierte 25.000 Euro für den Entwurf einer neuen Cola-Kiste. Der Bankautomaten-Hersteller Diebold Nixdorf dachte mit Jovoto über die Zukunft von Finanzdienstleistungen nach und sammelte Gestaltungsideen für Automaten ein. Und Wodka Gorbatschow ließ sich fünf Designs für die „coolste Limited-Edition-Flasche“ entwerfen, von denen eine dann letztlich in den Handel kam.


Auch die Deutsche Bank setzt mittlerweile auf Jovoto. In einem ersten Pilotprojekt wurden Service-Innovationen im Bereich der Beratung entwickelt und im Rahmen eines Awards prämiert. Die Fokusthemen reichten von Künstlicher Intelligenz über Big Data bis zu Services für junge Zielgruppen. Unter den Preisträgern war der rumänische Architekt Epure Lazar Mihail, der sich eine Art Siri für Finanzfragen ausgedacht hatte – eine App, die Daten aus Online-Banking und anderen Quellen miteinander verbindet und den Nutzer bei Kaufentscheidungen unterstützt. Der Konzern war von den Ergebnissen so angetan, dass Jovoto mit einem Teil seiner Kreativen einen dauerhaften Think Tank für die Bank eingerichtet hat. Die Ideenfindung auf Jovoto läuft meist online ab. Während des Prozesses können die Teilnehmer die Ideen der anderen bewerten, verbessern oder anderweitig darauf reagieren. Das Unternehmen übernimmt das Briefing und gibt es in die Crowd, betreut den Innovationsprozess und übernimmt die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse.  Stillschweigen wird ebenfalls mit den Teilnehmern vereinbart.

Rund 50 bis 60 Prozent der Projektsumme behält Jovoto für seinen Service ein, der Rest fließt in Form von Preisgeldern oder Honoraren an die Kreativen, in der Regel zwischen 10.000 und 40.000 Euro. Lizenzierungen der Ideen laufen zu 90 Prozent über Jovoto. „Gute Ideen zu lizenzieren, kostet die Unternehmen in der Regel zwischen 2.000 und 4.000 Euro“, erläutert Luzius Rüedi, Creative Strategist bei Jovoto. „Das ist überschaubar, weshalb es auch bislang keinen ,Ideenklau‘ ohne Lizenzierung gab.“

Das inhaltliche Spektrum, das der Brain Pool von Jovoto abdeckt, ist sehr umfangreich, aber nicht unbegrenzt. Und wie reagieren die unternehmensinternen Innovationsmanager, wenn ihre Vorgesetzten ein Jovoto-Projekt einläuten? „Zunächst skeptisch“, sagt Rüedi. „Dann stellen sie aber fest, dass sich darüber interessante Anregungen gewinnen lassen. Manchmal wollen die Firmen einfach mal eine frische Perspektive auf ein Thema.“

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