Rücktritt von Firmenchef Martin Sorrell

Wird WPP jetzt zerschlagen?

WPP-Chef Martin Sorrell gibt auf
© WPP
WPP-Chef Martin Sorrell gibt auf
Nach dem Rücktritt von WPP-CEO Martin Sorell wird nicht nur über einen Nachfolger, sondern auch über die Zerschlagung des ganzen Firmenkonglomerates spekuliert. Betroffen sein könnte auch Marktforscher Kantar.

Eigentlich war es nur die Nachricht, dass der 73jährige Martin Sorrell seinen Posten als CEO des weltgrößten Werbe- und Mediakonzern zurückgibt, nach 33 Jahren im Job. Es laufe eine Untersuchung wegen „persönlicher Verfehlungen“ gegen ihn, hieß es in der Mitteilung. Über deren Inhalt ist nichts bekannt. Das "Wall Street Journal" hatte über einen möglichen Missbrauch von Unternehmensvermögen bei der britischen Werbeholding berichtet. Möglich wäre aber auch, dass er sich mit wichtigen Vertretern im Aufsichtsgremium entzweit hat.



Nun wird über mögliche Nachfolger spekuliert. Executive Chairman Roberto Quarta ist vorerst an die Spitze des Konzerns gerückt. Die Geschäfte übernehmen jedoch die beiden operativ tätigen COOs Markt Read und Andrew Scott.

Da Konglomerate wie WPP – mit Werbeagenturen, Mediaagenturen, PR-Beratern und  Marktforschern – in der heutigen Unternehmenslandschaft eher unüblich geworden sind, spekuliert die Presse nun auch über eine Zerschlagung des Konzerns. Und weil es so nahe liegt, wird Kantar bzw. der Bereich Data Investment Management als Kandidat für eine Abspaltung genannt. Diese Sparte büßt seit Jahren an Umsatz und Gewinn ein. In den vorläufigen Ergebnissen für das Jahr 2017 hat der Bereich einen Umsatz von 1,172 Milliarden Britische Pfund (GBP), ein Rückgang von 1,3 Prozent, vorzuweisen. Der Gewinn lag mit 350 Millionen GBP fast auf dem Niveau des Vorjahres. Die Marge des Marktforschungszweig ist in diesem Zeitraum von 17,6 auf 17,1 Prozent gesunken. Immerhin noch ein recht profitables Geschäft, auch im Vergleich zu anderen Sparten im Konzern.


Trotzdem: Die Aussichten des Gesamtkonzerns waren nicht mehr ganz so rosig wie in der Vergangenheit und der Börsenkurs der Werbeholding ist eingebrochen. Vermutlich auch ein Grund für den Rücktritt des CEO Sorrell. Da WPP die zahlreichen Unternehmen bislang alle unter eigener Flagge segeln ließ, könnte einer Filetierung natürlich Vorschub leisten. Andererseits hat nicht nur im Bereich Marktforschung eine Konsolidierung stattgefunden. Alle Datenhändler und -analysten tragen seit nun einem Jahr das Präfix Kantar und bieten ihren Kunden „Best of Kantar“. Diese Zusammenarbeit geht aber auch weit über die Sparte hinaus und wird zentral forciert. Sicherlich eine sinnvolle Entscheidung, denn Werbe- und Mediaagenturen sind zunehmend auf die Informationen aus der Datenanalyse angewiesen. Würde es da wirklich Sinn machen in einer Zeit, in der Daten als Motor für die Wirtschaft erkannt sind, diejenigen, die sich mit dem Umgang von Daten und den darin verborgenen Insights auskennen, abzustoßen? Nun, es wird wohl noch eine zeitlang weiter spekuliert werden.

Die Recherchen von HORIZONT-Redakteur Mehrdad Amirkhizi zur Zukunft des WPP-Konzerns können Sie hier lesen.

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