Research Plus Rhein-Neckar

Von LGB‘s bis LOL

Bericht von der Research Plus Rhein-Neckar am 19. März 2018 in Mannheim
© DGOF
Bericht von der Research Plus Rhein-Neckar am 19. März 2018 in Mannheim
Verdienen Homosexuelle mehr oder weniger als Heterosexuelle? Wie lassen sich VR-Brillen für Marktforschung nutzen? Und was meinen wir eigentlich, wenn wir bei Facebook ein „Like“ vergeben? Antworten auf diese Fragen gab es bei der Research Plus Rhein-Neckar am 19. März 2018 in Mannheim.

Rund 40 Gäste kamen auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Onlineforschung (DGOF)  in eine Mannheimer Craft-Beer-Kneipe, um sich Impulse für ihre Arbeit zu holen. Wie gewohnt bei dieser Veranstaltungsreihe, die sich in verschiedenen deutschen Städten etabliert hat, gab es einen spannenden Mix aus wissenschaftlicher Grundlagenforschung und angewandter Marktforschung.



Simon Kühne, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, berichtete über eine repräsentative Erhebung im Sozioökonomischen Panel (SOEP) über die Lebenszufriedenheit von Lesben, Schwule und Bisexuelle in Deutschland. Nach wie vor gibt es nur wenige empirische Untersuchungen zu LGB’s – die Abkürzung bezieht sich auf die englischen Begriffe lesbian, gay und bisexual. Die vorgestellte Studie, die bereits für Aufmerksamkeit in der Presse sorgte, untersuchte die Gruppe der Homosexuellen in Deutschland, ihren ökonomischen Status und ihre Zufriedenheit.

Dabei wurde auch nach soziale Kontakte, psychische Krankheiten und dem Einkommen gefragt. Letzteres Thema erweckte das meiste Interesse in der Öffentlichkeit: Homosexuelle verdienen in Deutschland weniger als ihre heterosexuellen Kolleginnen und Kollegen. Dieser Effekt zeigt, dass die Gleichstellung von Homosexuellen immer noch ein gesellschaftliches Problem ist. Kühne berichtete auch über methodische Aspekte der Studie – anscheinend sind Fragen nach der sexuellen Orientierung in der Umfrageforschung schwierig und nicht alle Interviewer und Befragten können souverän damit umgehen.
Rund 40 Gäste kamen auf Einladung der DGOF im Taproom Jungbusch, einer Mannheimer Craft-Beer-Kneipe
© DGOF
Rund 40 Gäste kamen auf Einladung der DGOF im Taproom Jungbusch, einer Mannheimer Craft-Beer-Kneipe
Einen Blick in die nahe Zukunft lieferte Jan Grieser. Er ist Projektingenieur am Kompetenzzentrum Virtual Engineering Rhein-Neckar (KVE) in Mannheim und beschäftigt sich wissenschaftlich mit virtueller Realität. Er erläuterte und zeigte Beispiele für Anwendungen von „Virtual Reality“ – also dem kompletten Eintauchen in eine künstliche Welt – und „Augmented Reality“, der Erweiterung der wahrgenommenen Realität durch virtuelle Zusatzinformationen, z.B. über eine Datenbrille oder das Smartphone.


Noch scheinen diese Techniken in der Versuchsphase zu sein, doch nimmt die praktische Bedeutung kontinuierlich zu. Auch für die Marktforschung gibt es zahlreiche Anwendungen – so kann der Besuch in einem Geschäft simuliert werden oder das neue Design von Möbeln, Geräten oder Autos getestet werden. Ganze Gebäude können vor Baubeginn „besucht“ und auf Basis des Feedbacks der Testpersonen optimiert werden.

Das letzte Thema an dem Abend führte in die Welt von Facebook. Dort gibt es seit längerer Zeit neben dem altbekannten Like-Button auch andere Möglichkeiten, Beiträge zu kommentieren: Die sogenannten Emoticons. Diese kleinen Smileys können emotionale Reaktionen wie Liebe, Lachen (LoL), Weinen, Ärger oder ein Erstaunen ausdrücken. Dr. Frank Mangold, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim, referierte über seine Forschung in diesem Bereich. Neben einer statistischen Analyse der Nutzerzahlen führten die Wissenschaftler auch qualitative Tiefeninterviews, um die Bedeutung zu verstehen, welche die Menschen den Emoticons geben.

Die meisten sind mit negativen Reaktionen wie Ärger oder Traurigkeit eher vorsichtig und wünschen sich einen emotional neutraleren „Dislike-Button“. Ein „Like“ muss auch nicht automatisch eine inhaltliche Zustimmung bedeuten, sondern bezieht sich oft eher auf die Aufbereitung des Themas. Beim Anklicken der Emoticons spielt auch die Zeit eine wichtige Rolle – wenn in den ersten Minuten und Stunden nach der Veröffentlichung eines posts wenig passiert, versandet er schnell, während schnelle Reaktionen weitere nach sich ziehen.

Die Veranstaltung war bereits die vierte Research Plus Rhein-Neckar und wurde von Oliver Tabino von Q | Agentur für Forschung GmbH moderiert, dessen Unternehmen zusammen mit dem Spiegel Institut Mannheim auch zu den Unterstützern zählte.

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