Research Now SSI

Was der Deal bringen könnte

Der Name des Unternehmens und des CEOs stehen fest
Research Now SSI
Der Name des Unternehmens und des CEOs stehen fest
Die Karten werden neu gemischt beim neu entstandenen größten Panelbetreiber. Noch gibt es mehr Fragen als Anworten. Aber eines ist schon klar: Mit automatisierten Lösungen bietet Research Now SSI DIY-Tools der intelligenten Art.
Die Informationen kommen in Häppchen: Kurz vor Weihnachten wurde bekannt, wer bei dem Merger unter Gleichen von Research Now und SSI demnächst das Sagen haben wird: Gary S. Laben, bisheriger CEO von Research Now wird das fusionierte Unternehmen leiten. Der neue Name des Panelanbieters ist leicht zu merken, die beiden Marken wurden einfach hintereinandergestellt: Research Now SSI. Ob diese Voranstellung von Research Now im Namen und die Entscheidung für seinen Ex-CEO zum neuen Leader bereits ein Hinweis auf die Gestaltung des neuen Konglomerates ist? Die kommenden Monate werden spannend und die Karten werden neu gemischt. Bis dahin gilt: Business as Usual.

Klar ist, dass es einiges zu bereinigen gibt. Darauf weist auch Laben im Exklusivinterview mit planung&analyse hin. Es sind „zwei Branchenführer, die hochgradig komplementäre Fähigkeiten und Abläufe für das primäre strategische Ziel des Wachstums vereinen“. Jetzt müssen Überschneidungen geprüft werden. Und natürlich werden „in Zukunft keine doppelten Betriebssysteme wie Finanz-, Produktions- und Liefersysteme mehr benötigt“. Aber es ist auch klar, dass „Duplikate nicht innerhalb eines Monats beseitigt“ werden können.

Für den CEO von SSI, Chris Fanning, scheint zumindest noch Platz zu sein in dem neuen Unternehmen. Laut Laben wird er als strategischer Berater des Verwaltungsrats tätig sein und die Integrationsbemühungen unterstützen.

Viele Mitarbeiter kennen beide Firmen gut, haben schon bei beiden gearbeitet. Das erleichtert die Integration und die Schaffung einer neuen Kultur, hofft Laben.

Aber was bringt der Deal für die Branche? „Gemeinsam werden die Unternehmen in der Lage sein, Kunden besser und schneller zu bedienen und innovative Marketinglösungen auf der Basis von Technologie und Daten zu entwickeln“, heißt es in der Presseerklärung zur Bekanntgabe der geplanten Fusion. Dabei geht es vor allem um Vorsprung durch Technik: Automatisierung ist ein wesentlicher Treiber für diese Fusion.

Schon längst geben große Panelbetreiber sich nicht alleine mit der Bereitstellung von Probanden für Umfragen zufrieden. SSI und Research Now haben genauso wie andere Player Instrumente entwickelt, die der Kunde auf seine Bedürfnisse anpassen kann. Beide haben ein Tool auf den Markt gebracht, mit dem Marketer selbstständig Umfragen erstellen und sie an ausgewählte Zielgruppen versenden können. Research Now erweiterte die Samplify-Plattform um diese Möglichkeit. „Es ist so aufgebaut, dass es auch ohne spezielle Fachkenntnisse in der Marktforschung nutzbar ist. Über die einfache Benutzeroberfläche lassen sich Umfragen per Drag-and-Drop entwerfen. Kunden können damit 24/7 erreicht werden“, heißt es in einer Ankündigung dieser Dienstleistung.

Auch SSI hatte im September mit der SSI-Suite ein Instrument geschaffen, mit dem Kunden eine schnelle Umfrage gestalten können. Im Gespräch mit planung&analyse erklärte Chris Fanning die Notwendigkeit eines solchen DIY-Tool: „Ein Brand Manager, etwa bei Unilever, will schnell – vielleicht mitten in der Nacht – eine Forschung aufsetzen und am kommenden Morgen die Fragen beantwortet haben. Das ist mit dem Tool machbar.“ Eine solche Plattform mit der Möglichkeit, alles selber zu machen, sei nicht etwa der Tod der Marktforschung, sondern „mit der Anzahl der Studien wächst auch das Verständnis für die Möglichkeiten der Marktforschung. Ich glaube, ein solches Instrument könnte den Markt sogar vergrößern“, sagte Fanning damals.

Jetzt muss natürlich entschieden werden, welches System die Hoheit bekommt oder ob beide System – die ja sicherlich bereits Kunden haben – weiterlaufen? Hier sagt Laben, der Zusammenschluss sei bereits seit einiger Zeit geplant gewesen und der „Übergang zu einer einheitlichen Organisation und einem einheitlichen Werkzeugsatz“ solle „so nahtlos wie möglich“ gestaltet werden.

Diese Ankündigungen weisen darauf hin, wohin die Reise gehen könnte. Der neue Panelanbieter Research Now SSI, wie auch seine beiden Vorgänger Research Now und SSI, halten Lösungen für ein datengetriebenes Marketing vor und konkurrieren damit mit jenen Tools, die automatische Insights per Knopfdruck versprechen. Allerdings, im Unterschied zu vielen rein auf Analytics beruhenden Anbietern, können sich Entscheidungsfinder bei den hier generierten Insights auch auf die erhobene Kundenmeinung berufen, denn natürlich ist das Panel mit angeschlossen.

Macht der Panelanbieter mit den Selbstbedienungstools der anspruchsvollen Art aber nicht ebenso den Instituten, also den eigenen Kunden Konkurrenz? Auch hier beruhigt Laben: „Unsere Absicht ist es nicht, das Angebot von Marktforschungsinstituten zu duplizieren oder mit ihnen zu konkurrieren.“ Erschlossen werden sollen neue Kunden „über die Forschungsbranche hinaus“. Die würden allerdings auch die Institute gerne erschließen.

Lenny Murphy, der Herausgeber der amerikanischen Marktforschungs-Info-Plattform Greenbook, beschreibt die Situation bildhaft: „Die Mauer zwischen Forschung und Marketing ist seit vielen Jahren zerbröckelt, dies könnte der Schlag sein, der sie völlig zerschlägt.“ Murphy schätzt übrigens den kumulierten Umsatz der beiden Firmen auf 500 Millionen US-Dollar. Fachleute, die er ohne Namensnennung zitiert, nennen den Deal einen der wichtigsten in der Branche mit Auswirkungen weit über das Segment Panelanbieter hinaus.

Bob Lederer, der die amerikanische Daten-Analyse-Welt ebenfalls gut kennt, geht von 630 Millionen US-Dollar kombiniertem Umsatz aus. Solche Spekulationen kommentiert Laben im Gespräch mit p&a natürlich nicht. Auch nicht Lederers Vermutung, dass die beiden Eigentümer, die Private Equity Firmen Court Square Capital Partners und HGGC, einen Käufer für diesen großen Panel-Anbieter suchen. Aber das ist reine Spekulation. Die Branche wartet derweil gespannt auf Einzelheiten zur Fusion.

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