Qualitätsdiskussion

„Wir nehmen die Führung in die Hand“

Bernd Wachter, Vorstandsvorsitzender ADM
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Bernd Wachter, Vorstandsvorsitzender ADM
Der ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute hat auf die Qualitätsdiskussion in der Öffentlichkeit reagiert und erstmals in seiner Geschichte Mitglieder ausgeschlossen. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Wachter erklärt planung&analyse im Exklusiv-Interview, wie Qualität zukünftig gewährleistet werden soll.

Herr Wachter, wie war die Mitgliederversammlung des ADM?
Sehr gut und mit konstruktiven Beiträgen. Der wesentliche Beschluss war der Ausschluss der beiden Institute ACE und CSI. Dies wurde in geheimer Wahl einstimmig beschlossen, sodass dies wasserdicht und felsenfest steht. Unmittelbar mit Wirksamwerden des Ausschlusses haben wir die Namen der Firmen auch schon von der Webseite genommen.



Manche sagen, dieser Beschluss war überfällig. Schließlich sind Betrugsvorwürfe gegen diese Institute schon seit Anfang Februar bekannt?
Natürlich sind wir in den vergangenen Wochen mehrfach gefragt worden, warum diese Firmen immer noch Mitglieder im ADM sind. Aber es gibt nun mal rechtsstaatliche Verfahren. Und wir haben eine Satzung, nach der die einzige Möglichkeit, jemand aus einem Verband auszuschließen, das Votum auf der Mitgliederversammlung ist. Somit war das jetzt der frühest mögliche Zeitpunkt und den haben wir genutzt, um die Mitglieder aktiv aus dem Verband zu entfernen.

Haben Sie Belege dafür, dass das, was in der Presse stand, wirklich wahr ist?
Es gab für die Institute die Möglichkeit der Stellungnahme. Die wurde nicht genutzt und es war kein Vertreter auf der Mitgliederversammlung anwesend. Das, was der Spiegel geschrieben hat, ist nicht rechtsverwertbar. Es ist erstmal nur eine Behauptung. Aber da es von den Instituten keine Gegendarstellung und keine Stellungnahme gab, ist das Vertrauensverhältnis zerstört. Und durch die Vorwürfe kann die Branche massiv und nachhaltig geschädigt werden. Es ist eine wichtige Entscheidung und die würden wir auch in Zukunft fällen, auch ohne Veröffentlichungen in der Presse, wenn wir von derartigen Vorgängen und massiven Verstößen gegen jedwedes Standesrecht erfahren. Wenn jemand betrügt und fälscht, dann würden wir nicht zögern, ihn schnellstmöglich aus dem Verband auszuschließen.


Wie wollen Sie das in Zukunft gewährleisten?
Wir haben den Beschluss gefasst, dass wir eine Transparenz-Richtlinie entwickeln. Dort sollen Mindestanforderungen festgelegt werden, an die sich die Mitglieder zu halten haben. Qualität in der Marktforschung ist Qualität in allen Prozessschritten und dies muss transparent und überprüfbar bei jedem Projekt dokumentiert werden. Es muss uns aber allen klar sein, einen gut gemachten Betrug wird man auch durch eine Transparenz-Richtlinie nicht verhindern können.

Es handelt sich aber um eine Positivliste? Es gibt keine Negativliste, in der etwa steht, man darf nicht aus dem Ausland anrufen?
Nein, wer aus dem Ausland telefoniert, muss es dem Kunden mitteilen. Dann muss der Auftraggeber in Kauf nehmen, dass die Interviewer unter Umständen kein perfektes Deutsch sprechen. Aber es muss klar sein, wer die Feldarbeit durchführt. Mache ich das als Institut selbst oder nehme ich Felddienstleister und Unterauftragsnehmer zur Hilfe und gegebenenfalls, welche das sind. Es muss transparent sein.

Wie wollen Sie denn künftig die Qualität der Marktforschungsarbeit kontrollieren?
Das soll in dem Ausschuss erarbeitet werden. Wir haben als Verband kaum die Möglichkeit, Feldkontrollen bei den Instituten durchzuführen. Wir können aber, wenn wir eine Transparenz-Richtlinie haben, sagen, zeigt uns mal typische Berichte, und fragen, wie geht ihr praktisch vor? Es muss aber auch klar sein, dass Kontrollen und Durchgriffsmöglichkeiten immer beschränkt sein werden. Aber ich glaube, wir kommen einen klaren Schritt weiter. Ich kann dem Arbeitsausschuss aber nicht vorgreifen und schon gar nicht dem Votum der Mitglieder. Die müssen sich diesen Kontrollen dann ja auch unterwerfen. Im Moment gibt es eine ergebnisoffene Diskussion.

Bis wann soll die Transparenz-Richtlinie fertig sein?
Wir müssen das auch mit den anderen Verbänden abstimmen. Der Beschluss, neben unseren bestehenden Qualitätsrichtlinien eine solche Transparenz-Initiative zu ergreifen, steht ja auch schon im Protokoll der Weinheimer Gespräche. Wir nehmen aber hier die Führung in die Hand. Der Arbeitsausschuss ist zunächst ein ADM-Ausschuss. Wir werden etwas entwickeln und das mit den anderen Verbänden abstimmen. Es wird kurzfristig losgehen.
„Wenn jemand betrügt und fälscht, dann würden wir auch in Zukunft nicht zögern, ihn schnellstmöglich aus dem Verband auszuschließen.“
Bernd Wachter, ADM-Vorstandsvorsitzender
Es gibt aber unter den Mitgliedern des ADM einen Konsens, dass Standards für Qualität gesetzt werden sollen?
Ja, natürlich. Diese gibt es ja bereits, etwa in der Qualitätsrichtlinie. Die ist zwar schon ein paar Tage alt, aber inhaltlich durchaus gut und richtig. Ich glaube aber, dass wir das Thema Transparenz noch stärker in den Vordergrund stellen müssen und nicht nur als Unterkapital abhandeln. Wir sollten eine Qualitätsrichtlinie und eine Transparenz-Richtlinie haben und das werden zwei sehr zentrale Dokumente sein. Daran kann sich dann jedes Mitglied klar ausrichten, muss sich aber auch daran messen lassen. Wie das „sich messen lassen“ konkret aussehen wird, welche Kontrollmöglichkeiten wir als Verband haben werden, das ist noch zu besprechen.

Gab es noch andere wichtige Themen und Entscheidungen auf der Mitgliederversammlung?
Ja, wir haben uns ein neues Corporate Design gegeben und eine neue Webseite wird in den kommenden Wochen an den Start gehen. Das war überfällig. Wir brauchen einen Auftritt, der die Werte des ADM klar nach außen transportiert und das setzen wir mit dem neuen Corporate Design auch um.

Herr Wachter, vielen Dank für das Gespräch.

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