Qualitätsdiskussion

Rat der Marktforschung zieht Konsequenzen

Der Rat der Marktforschung ändert seine Statuten
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Der Rat der Marktforschung ändert seine Statuten
Die Träger des Rates der Marktforschung haben gestern turnusmäßig getagt und die Beschwerdeordnung des Gremiums geändert. Die Ergebnisse erfuhr planung&analyse exklusiv vom Vorsitzenden des Rates, Prof. Raimund Wildner.

Der Rat der Marktforschung hat jetzt Konsequenzen aus den von Spiegel Online veröffentlichten Vorfällen gezogen, das vermutlich in großem Maßstab bei CATI-Interviews gefälscht wurden. Die Aufgabe des Rates der Marktforschung ist es auf die Einhaltung der Grundsätze der Markt-, Meinungs- und Sozialforschung – kompetent, redlich, wissenschaftlich zu arbeiten –, zu achten. Betroffene, die diese Grundsätze gefährdet sehen, können sich an den Rat wenden.



Als „Betroffene“ galten aber bislang lediglich Befragte und Kunden von Studien sowie Wettbewerber. „Andere Betroffene konnten wir uns damals nicht vorstellen“, berichtet Prof. Raimund Wildner, Vorstand des Rates des Marktforschung gegenüber planung&analyse.

Jetzt wurden aus aktuellem Anlass die Beschwerdeordnung geändert und es können „auch sonst unmittelbar Betroffene“ Beschwerde einlegen. „Das würde jetzt auch den Fall abdecken, wenn ein Arbeitnehmer von seinen Vorgesetzten angewiesen wird, zu betrügen“, erläutert Wildner. Oder denkbar wäre auch eine Beschwerde zu einer nicht ordnungsgemäß durchgeführten Studie, die einen Politiker oder eine andere Person oder ein Unternehmer in einem schlechten Licht erscheinen lässt.


„Wir wollen den Rat sukzessive verstärken und vor allem auch die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren“, sagt Wildner. Der Rat soll bekannter werden, damit die Möglichkeiten, die er bietet, auch besser genutzt werden.
Prof. Raimund Wildner ist Vorstand Rat der Marktforschung (Foto: GfK Verein)
Prof. Raimund Wildner ist Vorstand Rat der Marktforschung (Foto: GfK Verein)
Der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung wurde 2001 gegründet und wird getragen von den Verbänden ADM, BVM, DGOF und ASI. Seit Bestehen wurden in 28 Fällen eine Rüge und in 18 Fällen eine Ermahnung ausgesprochen. Die Ermahnungen wurden 2017 abgeschafft und seitdem werden Hinweise und Missbilligungen ausgesprochen. Seit 2017 gab es 4 Hinweise und 1 Missbilligung.

Um die rechtliche Situation für die Mitglieder der Kammern zu klären, musste der Rat eine Weile pausieren und ist seit Anfang 2017 wieder aktiv. Seit Wiederaufnahme der Tätigkeit bis Ende 2017 wurden insgesamt 19 Beschwerden bearbeitet.

Wenn eine Beschwerde vorliegt wird eine Kammer aus drei Vertretern zusammengestellt und es wird darauf geachtet, das niemand in dem Gremium zu dem zu beratenden Vorfall befangen ist. Die Sanktionsmöglichkeiten sind der Beschwerdeordnung des Rates zu entnehmen.

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