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Personas einführen und richtig leben

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Die entwickelten Personas müssen wirklich gelebt werden
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Die entwickelten Personas müssen wirklich gelebt werden
Warum sind Personas für Unternehmen so bedeutsam und wie führt man diese erfolgreich ein? Diese Frage beantwortet Martin Beschnitt von eresult. Damit die nutzerzentrierte Entwicklung von Produkten und Anwendungen für das Unternehmen erfolgreich ist, müssen die entwickelten Personas im Unternehmen wirklich gelebt werden.
Alan Cooper, der Vater der Programmiersprache Visual Basic, stellte in seinem 1999 erschienenen Buch „The Inmates Are Running the Asylum“ erstmals Personas als Instrument für die Softwareentwicklung vor. Mit seiner Arbeit schuf er Aufmerksamkeit für das, was heute oft vergessen wird: Man muss Anwendungen entwickeln, die sich dem Nutzer anpassen, nicht denen sich der Nutzer anpassen muss. Um den Nutzer stets vor Augen zu haben, setzten sich Personas auch abseits der Softwareentwicklung in anderen Branchen und Entwicklungszweigen durch. Schließlich beschreiben Personas in einer sehr plakativen und greifbaren Art und Weise sogenannte Archetypen. Sie verkörpern Nutzertypen, die repräsentativ für eine bestimmte Nutzergruppe stehen.

Basics schaffen: Personas erleichtern die Arbeit. Wer im Unternehmen erklärt: „Ich kenne meine Nutzer, wozu brauche ich Personas?“, hat eigentlich bereits bewiesen, dass er oder sie dringend Personas erstellen sollte. Warum? Personas helfen auf die wesentlichen Nutzergruppen und deren Anforderungen und Erwartungen zu fokussieren. Außerdem kann es durchaus vorkommen, dass in einem Unternehmen unterschiedliche Meinungen über die Nutzergruppen bestehen. Durch die Einführung von Personas wird eine Basis geschaffen.

Martin Beschnitt
Martin Beschnitt
eresult
ist geschäftsführender Gesellschafter der eresult GmbH. Er bringt mehr als zehn Jahre Praxiserfahrung rund um die Themen Usability, UX und Online-Marktforschung mit.
Und: Personas haben meistens einen Namen und ein Gesicht, sogar eine Geschichte. Deshalb ist es einfacher, sich in sie hineinzuversetzen. Personas wirken mehrdimensional und bleiben im Gedächtnis. Wir können uns fragen: „Was würde Peter jetzt machen? Braucht er dieses Tool? Kann Peter das Feature bedienen?“

Personas im Unternehmen einführen. Wer Personas in seinem Unternehmen etablieren möchte, muss sich bewusst sein: Personas brauchen Zeit. Ein einmaliger interner Workshop reicht nicht aus. Außerdem muss eine fundierte Datengrundlage vorhanden sein. Personas müssen mittels Marktforschung erarbeitet werden.

Sinnvoll ist es, zu Beginn intern festzulegen, welche Infos die Personas beinhalten sollten, damit man mit ihnen arbeiten kann. Also, was macht eine Persona für ein Unternehmen/eine Anwendung aus? Was muss über die Persona erforscht werden, um diese zielführend einzusetzen. Wichtig ist, dass von Anfang an alle Stakeholder – insbesondere diejenigen, die später mit den Personas arbeiten – mit ins Boot geholt werden. Vielleicht haben unterschiedliche Unternehmensbereiche andere Ansprüche an die Personas. So wird bereits Akzeptanz für die Methode geschaffen. Dann geht es unter Umständen an die quantitative Datenerhebung. Basierend auf den Themenbereichen wird ein Fragebogen entwickelt, der von den Kunden beantwortet wird. Danach folgen die Auswertung und qualitative Befragungen, zum Beispiel durch Tiefeninterviews mit Zielgruppenvertretern. Diese sollten Face-to-Face stattfinden. Sind die Personas mit Clusteranalysen „erstellt“, sind sie für alle im Unternehmen zugänglich zu machen.
Kommunikationsmittel wie Pappaufsteller, sogenannte Sedcards oder auch Moodboards als Plakate machen die Personas präsent und verdeutlichen deren Lebenswelten. Wichtig ist, dass die Personas von den Mitwirkenden verstanden werden, deshalb ist auf eine eindeutige grafische Darstellungsweise zu achten. Tabellarische Persona-Übersichten sind besonders empfehlenswert.

Jetzt fängt die Arbeit erst an. Sind die Personas fertiggestellt, muss dafür gesorgt werden, dass sie ins Unternehmen getragen werden. Schließlich sollen sie auch gelebt werden. Alle Mitarbeiter sind mit Sedcards auszustatten. „Persona-Paten“ sollten bestimmt werden und sich um die Verbreitung kümmern. Sie beantworten dann auch Fragen rund um die Personas. Dies unterstützt auch das Lebendighalten der Personas, schließlich sind die Paten für ihre Persona „verantwortlich“. Ein weiterer Vorteil: Werden die Personas aktiv im Unternehmen gelebt und verbreitet, haben sie einen weitreichenden Nutzen, und dies abteilungsübergreifend. Allerdings sollte man sich auf der Persona-Erstellung nicht ausruhen. Sie müssen im Unternehmen weiter verankert werden:
  • Stellen Sie Informationen im Intranet bereit.
  • Ernennen Sie Persona-Paten.
  • Wie können Personas identifiziert/getrackt werden?
  • Erstellen Sie sieben bis acht Fragen, mit denen zünftig Probanden personakonform rekrutiert werden können.
  • Persona-Videos bringen die Nutzergruppe näher und machen sie erlebbar
  • Lebenswelten der Personas kann man nachbauen.
  • Auch wenn die Entwicklung Zeit und Mittel kostet, lohnt sich die Erstellung fundierter Personas für das Unternehmen. Sie sind ein schnell erfassbares und sinnvolles Tool, um Entscheidungen im Sinne der Nutzer zu treffen.


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