Online Special Wahlforschung

Anders betrachten, besser verstehen

Wie kann man Wahlverhalten und Wähler besser verstehen?
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Wie kann man Wahlverhalten und Wähler besser verstehen?
Die unterbewusste Wahrnehmung ist eine neue Perspektive in der politischen Forschung. Im  Superwahljahr 2017 ist auch die Wahlforschung wieder unter besonderer Beobachtung; wurde zuletzt nach den US-Präsidentschaftswahlen öffentlich deutlich kritisiert. Was also tun, um Wähler und deren Entscheidung besser zu verstehen? Stefanie Sonnenschein stellt eine Methode aus der Markenforschung vor, die Interrogare auch für die Politik verwendet hat.

Auch wenn es sich im politischen Kontext um eine vermeintlich rein rationale Entscheidung handelt, sind Wähler auch Menschen. Menschen, die den Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Entscheidens und Verhaltes unterliegen. Das bedeutet: Sie sind emotional. Sie werden größtenteils bestimmt von ihrem Unterbewusstsein, auf das sie keinen Einfluss haben. Eine Erkenntnis, die im Marketing, insbesondere im Hinblick auf Markenführung, Kommunikation, aber auch Produktdesign und Preisfindung, schon lange verinnerlicht und somit wichtiger Bestandteil der Marketingforschung ist.


Die FDP hat für sich den idealen Spitzenkandidaten gefunden. Wieder schön im Liniendiagramm sichtbar: Christian Lindner hat ein nahezu identisches, aber stärker emotionales Profil als die Partei – er kann als Aushängeschild der FDP einen wichtigen Beitrag leisten. 
Abbildung 4: Profillinien FDP und Lindner
Abbildung 4: Profillinien FDP und Lindner (© Interrogare)
Die als polarisierend geltende AfD, hat ein extremes Profil, das deren Bundesvorsitzende aber ebenso wiederspiegelt. Von diesem Blickwinkel her, hätte Frauke Petry eine gute Kandidatin abgegeben.
Abbildung 5: Emotionales Profil AfD und Petry
Abbildung 5: Emotionales Profil AfD und Petry (© Interrogare)
Conclusio

Die Profile geben einen Einblick in die unterbewusste und ungefilterte Wahrnehmung der Bürger. Sie zeigen nicht das, was vielleicht aufgrund von gelerntem Wissen auf Nachfrage hin explizit wiedergegeben würde, sondern das, was Menschen emotional mit Parteien und Kandidaten verbinden.

Natürlich kann in diesem Rahmen nur ein kleiner Ausschnitt der Ergebnisse gezeigt und damit ein erster Eindruck vermittelt werden. Allerdings lassen die Daten einen tiefen Einblick in assoziierte Begrifflichkeiten, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen den Parteien, Differenzen in der Wahrnehmung zwischen Wählern und Nicht-Wählern einer Partei und viele andere Details zu. Dank des Einsatzes eines impliziten Messansatzes in der politischen Forschung kann somit eine neue Erkenntnisebene zur klassischen Wahlforschung dazu gewonnen werden. Vor dem Hintergrund, dass auch Wähler nur Menschen sind, die auch bei solch einer „rationalen“ Entscheidung nebst Fakten unterbewusst auch Emotionen einfließen lassen, bietet diese Perspektive eine wertvolle Möglichkeit, Wähler, Trends und Wahlentscheidungen besser zu verstehen.
Über die Studie
► Befragte: n = 2.661 ► Erhebungszeitraum: 12.-28.4.2017 ► Erhebungsmethode: Onlinebefragung ► Stichprobe: Bevölkerungsrepräsentativ ► Zielgruppe: Wahlberechtigte Bürger der BRD ► Hinweis: Da diese Studie vor dem Parteitag der AfD erhoben wurde, wurde die zu dem Zeitpunkt wahrscheinliche Spitzenkandidatin (Frauke Petry) angenommen. Entgegen dieser Annahme wurde jedoch Alice Weidel zur Spitzenkandidatin ernannt. Weitere Auswertungsdetails und Ergebnisse der Studie gern auf Anfrage.



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