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Der Video-Beweis

Tests im Alltag der Nutzer statt im Labor
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Tests im Alltag der Nutzer statt im Labor
Online-Usability-Tests geben schnelles Feedback zur Nutzerfreundlichkeit von Webseiten. Der Tester denkt beim Surfen laut mit, seine Stimme und der Computerbildschirm werden aufgezeichnet. Und der Kunde sieht im Video, an welchen Stellen sein Produkt verbessert werden muss. Benjamin Uebel von Userlutions erklärt die Details.
Wie finden Brillenträger im Internet die passende Brille? Dieser Herausforderung hat sich Mister Spex, Europas größter Onlineshop für Brillen, gestellt und eine Online-Anprobe entwickelt. Sie nimmt über Webcam das Gesicht des Nutzers auf und versieht es live mit dem zuvor ausgewählten Brillenmodell. Die Online-Anprobe wurde mehrfach getestet und dadurch schrittweise die Nutzerfreundlichkeit optimiert, um eine intuitive Bedienung zu erreichen.

Statt dazu auf klassische Usability-Tests im Labor zurückzugreifen, setzte Mister Spex unsere Online-Usability-Tests ein. RapidUsertests.com verfügt über ein Online-Testing-Panel mit mehr als 20.000 Probanden. Im Gegensatz zu einem Usability-Test im Labor wird bei einem RapidUsertest die Nutzerfreundlichkeit eines digitalen Produktes zu Hause geprüft, im Alltag der Probanden. Die Testperson denkt bei der Nutzung laut mit. Ihre Stimme und der Bildschirm werden aufgezeichnet. Im Ergebnis liefert diese qualitative Methode dem Kunden Videos von der Produktanwendung mit konkreten Insights zu Verständnisproblemen und zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit.
Benjamin Uebel
Benjamin Uebel
Usersolutions
ist Gründer und Geschäftsführer der Berliner Usability Agentur Userlutions GmbH. Er ist seit 2007 als Usability-Berater tätig und gehört mit RapidUsertests.com
zu den Pionieren des Crowd-Testings in Deutschland.
Mister Spex testete mit den RapidUsertests die Brillenanprobe auf Desktop-Rechnern, aber auch auf Mobiltelefonen und Tablets. Da die Probanden ihre eigenen Smartphones verwenden, kann eine breite Gerätevielfalt abgedeckt werden. Das ist ein Vorteil gerade bei Android-Handys, deren unterschiedliche Display-Größen ein einheitliches Interface-Design zur Herausforderung machen.

Eine Besonderheit der Online-Usability-Tests liegt in ihrer Effizienz und Schnelligkeit. Die Testergebnisse liegen nach wenigen Stunden vor und die Kosten können bis zu 90 Prozent niedriger sein als bei einem Usability-Test im Labor.
Beispiel: Usability-Test für einen Online-Shop
Beispiel: Usability-Test für einen Online-Shop (© Usersolutions)
Da die Tests im Alltag der Nutzer stattfinden, kann man zudem von einer größeren Realitätsnähe der Ergebnisse ausgehen als bei Tests im Labor. Es zeigt sich, dass die Testpersonen weniger befangen sind, offener kritisieren und sich eher trauen, negative Emotionen zu zeigen. Während im Labor ein Moderator anwesend ist, der Aufgaben stellt und gegebenenfalls nachfragt, erfolgt der Online-Usability-Test ohne Moderation. Das führt zu einem realistischeren Verhalten der Teilnehmer. Die Testpersonen haben nicht das Gefühl, sich sozial erwünscht verhalten zu müssen und reagieren spontaner und ehrlicher.  Die Abwesenheit eines Moderators hat jedoch den Nachteil, dass die Teilnehmer während des Tests keine Nachfragen stellen können und keine Hilfestellung bekommen, sollten sie in Sackgassen geraten. Im Vergleich zu Labortests ist es zudem nicht möglich, während eines Tests zu improvisieren und den Verlauf zu verändern.

Bedienungs- und Verständnisprobleme klären

Da es sich bei Online-Usability-Tests nicht um Einstellungsbefragungen handelt, sondern um Verhaltenstests zur Produktnutzung, erhebt das Online-Panel von RapidUsertests keinen Anspruch auf Repräsentativität. Das Ziel ist, Bedienungs- und Verständnisprobleme zu identifizieren – und nicht, Meinungen statistisch zu quantifizieren. In der Praxis haben sich Stichprobengrößen von zehn bis zwanzig Probanden aus der Zielgruppe als ökonomisch und aussagekräftig erwiesen. Die Usability-Tests liefern damit vor allem qualitative Insights und weniger statistisch abgesicherte Daten. Die Insights haben jedoch oft eine hohe Augenscheinvalidität und werden als Testverfahren akzeptiert.

Mister Spex setzte Online-Usability-Tests nicht nur zur Verbesserung der Online-Brillenanprobe ein. Weitere Fragestellungen waren ein Test der Online-Auswahl der richtigen Brillenstärke, des Online-Warenkorbs und -Checkouts sowie qualitative Tests der Werbewirkung von Newslettern und Fernsehspots. Grundsätzlich lassen sich alle digitalen Produkte wie Websites, Apps, Software und sogar Prototypen mit Online-Usability-Tests auf ihre Nutzerfreundlichkeit hin überprüfen. Die Tests sind deutlich unkomplizierter, schneller und kostengünstiger als Usability-Tests im Labor. Sie sind nicht ortsgebunden, daher können auch Teilnehmer an den Tests teilnehmen, die regional und international verteilt wohnen. In einigen Punkten sind Online-Usability-Tests somit Labortests überlegen und haben diese bei der Optimierung der Nutzerfreundlichkeit in vielen Bereichen bereits abgelöst, was die Anzahl von gegenwärtig über 2.000 Kunden von RapidUsertests zeigt.

Erschienen in planung&analyse 5/2017



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