Interview mit Richard Ingleton, CEO Kantar Insights

Der Umbau eines Konzerns hört nie auf

 Richard Ingleton, CEO von Kantar Insights, im Gespräch mit Sabine Hedewig-Mohr
© Kantar
Richard Ingleton, CEO von Kantar Insights, im Gespräch mit Sabine Hedewig-Mohr
planung&analyse traf Richard Ingleton, CEO von Kantar Insights, auf dem Event zur Vorstellung der BrandZ Germany. Wir nutzen die Gelegenheit ihn zu befragen, zu der Notwendigkeit eines neuen Markenrankings, zu der kürzlich bekannt gegebenen Kooperation mit Qualtrics und zu dem Umbau des Marktforschungsarms des WPP-Konzerns: Kantar.
Es gibt so viele Rankings von Marken von verschiedenen Anbietern. Warum hat Kantar Millard Brown mit BrandZ jetzt noch ein weiteres Ranking hinzugefügt?
Wir führen BrandZ schon seit vielen Jahren durch und wir denken, es ist einzigartig, weil es um den Wert der Marken geht. Die Finanzkraft der Marken wird dabei mitberücksichtigt. Wir führen das globale Ranking bereits seit 2006 durch und haben die Studien nach und nach auf die lokalen Märkte ausgeweitet. So ist auch ein Vergleich der Länder möglich. Zum Beispiel sehen wir in Frankreich die Luxusmarken an der Spitze und in Deutschland sind es mehr Automobil- und Technologiemarken. 
Richard Ingleton
ist CEO von Kantar Insights, einer Holding, die die Forschungsinstitute Kantar TNS und Kantar Millward Brown organisatorisch zusammenfasst. In Deutschland gehört auch Kantar Added Value dazu, was international allerdings zum neugegründeten Unternehmen Kantar Consulting gehört. Ingleton war zuvor CEO von Kantar TNS.
Kantar TNS hat vor kurzem eine Partnerschaft mit Qualtrics bekanntgegeben. Es geht um das Customer Experience Management von Kunden. Welche Vorteile sehen Sie in dieser Zusammenarbeit?
Es gibt eine Menge Vorteile. Für Kantar TNS gehört es zu unserer DNA das Kundenerlebnis zu verstehen. Wir haben viel Erfahrung mit Markenforschung und -beratung und wir haben auf der anderen Seite Qualtrics, das über die Technologie der Datenerfassung verfügt. Das ist eine sehr schöne Ehe. Wir sind beides globale Unternehmen mit Leidenschaft für das Kundenerlebnis. Das Zusammenwachsen von Dienstleistungen und Technologie ist auch eine Anforderung der Kunden. Wir sind sehr gespannt, wohin es uns in den kommenden Jahren führen wird.

Glauben Sie, dass es zunehmend notwendig sein wird, solche Partnerschaften aufzubauen?
Ja, das glaube ich ganz bestimmt. Ob es sich um eine Softwaretechnologie handelt oder um die Integration von externen Datenquellen… Wenn man auf Marken oder die Kundenerfahrung oder auf Innovationen schaut, wird klar, wir müssen aus allen Ressourcen schöpfen. Wir müssen verstehen, warum die Menschen gerne einkaufen, wie sich das auf die Marke auswirkt. Wie kann man diese Informationsbeschaffung automatisieren und wie kann man schließlich komplexe Analysen über das zukünftige Verhalten der Konsumenten durchführen und daraus Schlüsse für Innovationen ziehen. Für ein Unternehmen alleine ist es sehr schwer, dies alles brillant zu erledigen. Wenn wir die Möglichkeit von Partnerschaften sehen, die für unsere Kunden sinnvoll sind, werden wir diese eingehen. 

Warum hat WPP eine solche Firma denn nicht einfach gekauft?
Nun, dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen waren sie sehr teuer und außerdem sehen wir unsere Aufgabe darin, für unsere Kunden Lösungen zu finden. Und wie ein Architekt, der mit verschiedenen Anbietern zusammenarbeitet, um ein schönes Gebäude zu errichten, brauchen auch wir verschiedene Partner, die sehr spezifische Lösungen bieten. 

Sie haben vor einem Jahr einen Veränderungsprozess gestartet, fast alle Marktforschungs-Firmen im WPP-Konzern haben jetzt den Präfix Kantar im Namen. Es wurden Unternehmensteile zusammengefasst und neue Töchter gegründet. Wann wird diese Umstrukturierung beendet sein?
Wahrscheinlich niemals (lacht). Die Welt verändert sich und wir müssen uns mit ihr verändern. Es ist schwer zu sagen, ob die Organisation von heute perfekt für die Zukunft ist. Wir wollen uns auf unsere Kompetenzen im Geschäft konzentrieren. Wir interessieren uns für die Themen Marke und Medien. Heute haben wir das Gefühl, dass wir richtig aufgestellt sind, um unsere Kunden optimal zu bedienen. Was morgen ist, werden wir sehen. Ich glaube, der Umbau wird nie fertig sein. Tut mir leid, Stefan (lacht. Neben Ingleton sitzt beim Interview Stefan Stumpp, CEO Kantar Insights Deutschland). Aber das ist die Natur des heutigen Geschäftslebens.

Aber der Prozess, der im vergangenen Jahr begonnen wurde, der ist jetzt erstmal beendet?
Es ist schwierig, ein Unternehmen zu transformieren. Eine solche Veränderung kann sogar physisch schmerzhaft sein. Es ist auch immer eine bisschen Zerstörung von vertrauten Einheiten. Da sind viele Emotionen mit im Spiel. Aber die Resonanz, die wir von unseren Kunden erhalten haben, war großartig. Die Kunden hatten uns zuvor die Rückmeldung gegeben, dass es schwierig sei, Zugang zu den verschiedenen Teilen des Kantar-Netzwerks zu bekommen. Ich denke, wir sind jetzt auf einem sehr guten Weg. Die Kunden spüren, dass die Mauern zwischen unseren Marken gefallen sind. Es war sicherlich die richtige Entscheidung. Das zeigt auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Wir hatten erwartet, dass die nach unten gehen würde. Stattdessen ist sie - wie unsere internen Befragungen zeigen - nach oben gegangen. 

Gilt das auch für Deutschland? Der Name Kantar war hier kaum bekannt.
Ja, das stimmt. Aber die Geschwindigkeit, mit der die Kunden den neuen Markennamen akzeptiert haben, hat mich wirklich überrascht. Ich dachte, sie würden mehr an den etablierten Markennamen hängen. Daher sind wir sehr glücklich, uns jetzt als Kantar zu bezeichnen. 

Mr. Ingleton, vielen Dank für das Gespräch.


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